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- Hoc proelio facto reliquas copias Helvetiorum
ut consequi posset, pontem in Arari
faciendum curat atque ita exercitum traducit.
- Helvetii repentino
eius adventu commoti, cum id, quod ipsi diebus
viginti aegerrime confecerant, ut flumen transirent, illum uno
die fecisse intellegerent, legatos ad eum mittunt; cuius legationis
Divico
princeps fuit, qui bello Cassiano dux Helvetiorum
fuerat.
- Is ita cum Caesare egit: Si pacem populus
Romano cum Helvetiis
faceret, in eam partem ituros atque ibi futuros Helvetios,
ubi eos Caesar constituisset atque esse voluisset;
- Si pacem populus Romano cum Helvetiis
faceret, in eam partem ituros atque ibi futuros Helvetios,
ubi eos Caesar constituisset atque esse voluisset;
- sin bello persequi perseveraret, reminisceretur et veteris
incommodi populi Romani et pristinae virtutis Helvetiorum.
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- Es überrascht, dass sie sich nicht vom
Schicksal ihrer niedergemachten Stammesgenossen beeindruckt
zeigen, sondern von der technischen Leistung der Flussüberquerung.
Aus der Sicht der Helvetier
wäre es dem Eingeständnis einer entscheidenden Niederlage,
also einer freiwilligen Kapitulation gleichgekommen, die Niederlage
der Tiguriner
als Anlass ihrer Gesandtschaft auch nur zu erkennen zu geben.
Sie hätten so keine tragfähige Verhandlungsposition
mehr gehabt. Also geben sie, wenn überhaupt, einen weniger
zwingenden Anlass vor: Caesars technische Überlegenheit.
Die sie kompromittierende Niederlage der Tiguriner
spielen sie aber im Verlauf der Verhandlungen herunter und münzen
sie sogar in Drohpotential um.
- Divico
ist - trotz seines hohen Alters - mit Bedacht als Wortführer
der Gesandtschaft gewählt. Er stellt die personifizierte
Niederlage der Römer im "bellum Cassianum" dar.
Seine Entsendung muss Caesar als Affront erscheinen. Zum römischen
Selbstbewusstsein aus dem Sieg über die Tiguriner
soll ein Gegengewcht gebildet werden. Auch hier geht es nicht
nur um Psychologie, sondern auch um die Erzielung einer gleichgewichtigen
Verhandlungsposition. Dass es den Helvetiern
darauf ankommt, bestätigt Divico
gleich durch seine verbale Erinnerung an das vetus incommodum
Romanorum.
- Das Friedensangebot, das Einsicht, Gefügigkeit
und vollständige Unterwerfung unter den Willen Caesars
Helvetier zu erkennen
gibt, ist in Wahrheit ein für Caesar entlarvender dipolamtischer
Vorstoß der Helvetier,
der ihm das "imperium"-Motiv aus der Hand nehmen soll:
Seine Rache hat er. Wenn er durch ihre Bereitschaft, den status
quo ante (Sz19) wieder herzustellen, den notwendigen Schutz
der Provinz als Rechtfertigungsgrund für seine militärische
Aktion verliert, sie aber gleichwohl fortsetzt, steht er vor
allen als grundloser Aggressor dar. Man darf den Helvetiern
unterstellen, dass es ihnen von vornherein auf die Bloßstellung
Caesars ankam und ihnen nicht an einem Erfolg der Friedensmission,
sondern an dem diplomatischen Erfolg gelegen war.
- Die doppelte Abundanz der Formulierung (ituros
atque futuros / constituisset atque voluisset) lässt
einen leicht ironischen Unterton erkennen: keine Unterwerfung,
sondern Auskosten ihres diplomatischen Schachzuges.
- Im folgenden schiebt sich das superbia-Motiv
in den Fordergrund: Caesar lässt Divico
immer unverhohlener drohen. Divico
dient das nicht, gleichgültig, ob sein Angebot nun diplomatisches
Kalkül war oder nicht. Es hätte ihm klar sein müssen,
dass er damit seiner Friedensinitiative jede realistische Chance
nimmt. Friedenswunsch und Drohung passen nicht zusammen. Divico
erscheint in seiner Unbeherrschtheit geradezu töricht.
Schadet sich der erfahrene Divico,
der eben noch eine diplomatische Glanzleistung vollbrachte,
wirklich so leichtfertig und unüberlegt?
Oder sollte es sich nur um den zweiten Teil der diplomatischen
Intrige handeln: Divico
will Caesar nur als Kriegstreiber bloßstellen, dass sich
die Helvetier dem
Marschbefehl Caesars beugen, darf man ernsthaft nicht erwarten,
am wenigsten aufgrund von Caesars Flussüberquerung. Unter
dem Eindruck von Caesars Pionierleistungen, um den Durchzug
durch die Provinz zu verhindern, hätten sie gleich gar
nicht auswandern dürfen. Also muss Divico
das listige Angebot unterbreiten, aber sofort verhindern, dass
er darauf eingeht. Dies erreicht er durch die sich dem Angebot
unmittelbar anschließende Provokation.
Muss Caesar nicht befürchten, dass er dem römischen
Leser, der Divicos
Absicht durchschaut, als übertölpelt erscheint? Keinesfalls,
denn die wirklichen Motive Divicos
und Caesars sind deckungsgleich: die Helvetier
wollen ihre Auswanderung fortsetzen, Caesar will seinen Angriff
auf die Helvetier
fortsetzen. Caesar verfolgt ein eigenes Interesse damit, Divico
so zu zeichnen? Der römische Leser soll wohl genau diesen
Eindruck gewinnen: Divico
und die Helvetier
verdienen wegen ihres unangebrachten Hochmuts keinen Frieden.
Die Arroganz der Helvetier
ist die neue causa belli.
Damit hätte Caesar den diplomatischen Vorstoß der
Helvetier pariert.
Er ersetzt das bisher seine Maßnahmen rechtfertigende
imperium-Motiv dadurch, dass er an seiner Stelle das superbia-Motiv
in den Vordergrund stellt.
Die Klimax der Drohungen erfolgt Schritt für Schritt:
- Erinnerung an die frühere Niederlage der Römer
und Hinweis auf die pristina virtus der Helvetier);
implizite Drohung: da die virtus bis jetzt besteht,
können die Römer auch jetzt eine Niederlage beziehen.
- Herabwürdigung von Caesars Sieg über die Tiguriner:
ein Überraschungscoup gegen nur einen Gau, der von der
Hilfe des Gesamtheeres abgeschnitte war: kein Akt der Tapferkeit
sondern List und Heimtücke.
- Warnung und offene Androhung einer vernichtenden und historisch
bedeutsamen Niederlage, falls es Caesar zu weit treibt.
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