Ciceros philosophische Ausbildung

(Julia Kruse, LK Latein 13 - 03.09.1999)

Aus Ciceros Biographie
Protokoll zu dem mündlich vorgetragenen Referat:
Ciceros philosophische Ausbildung
Theodor-Heuss-Gymnasium Ludwigshafen
Referierender Schüler: Julia Kruse (13 I - 1999/2000)
Unterrichtender Lehrer: 
Dr. A. Roeder

 

  1. Erziehung in Rom:

    • keine staatlichen Schulen; Privatlehrer teuer --> Bildungsprivileg der Reichen
    • Schulfächer:
      Schreiben, Lesen, Grammatik, Aufsatzlehre, wenig Mathematik, Lesen lateinischer und griechischer Klassiker, Rhetorik
    • tirocinium fori ("Lehrzeit auf dem Forum"):
      Junge Männer schlossen sich dem Gefolge eines angesehenen und kenntnisreichen Mannes an, um von seinem Vorbild zu lernen (besonders Jurisprudenz).
    • oft Studium in Griechenland: Philosophie oder Medizin
      (Vgl. Harms, Bernhard: Auguren, Ahnen, Aquädukte, 8.179-181)
  2. Ciceros Ausbildung

    1. Ciceros Ausbildung in Rom:

      • bis 91 v.Chr.: Schulunterricht durch den Redner L. Licinius Crassus
      • 90 v.Chr. toga virilis: Eintritt ins Erwachsenenalter, Eintragung in die Bürgerliste auf dem Forum, Beginn des tirocinium fori: Cicero wird Zeuge der Politik auf dem Forum und im Senat, lernt die politische Praxis kennen
      • 91-87 v.Chr.: Cicero lernt beim Auguren Q. Mucius Scaevola Rechtswissenschaft
        ==> Scipionenkreis:
        Um den jüngeren Scipio Africanus (185-129 v.Chr., Besieger Karthagos) hatte sich ein Kreis führender Männer - Griechen und Römer - gebildet.
        ==> geistige und kulturelle Aufgeschlossenheit, Begegnung des Römischen mit dem Hellenentum ==> humanitas; Cicero fühlt sich ihnen geistig verwandt ==> "de re publica"
        • Scipio Africanus
        • Panaitios: griechischer Philosoph, Stoiker
        • Polybios: griechischer Historiker
        • Laelius: Schwiegervater des Scaevola
        • Rutillus Rufus
      • 87-82 v.Chr.: Rechtswissenschaft beim Pontifex Maximus Q. Mucius Scaevola
    2. Ciceros Studienreise nach Griechenland (79-77 v.Chr.):

      • Rhetorikunterricht bei Apollonios Molon auf Rhodos
      • philosophische Schulung:
        (zu Stoa und Epikur vgl. Harms, Bernhard: Auguren, Ahnen, Aquädukte, S.87-89)
        • auf Rhodos: Poseidonios (mittlere Stoa)
        • in Athen: Antiochos von Askalon (Leiter der platonischen Akademie)
          Phaidros und Zenon (Epikureer)
      • Cicero war bereits durch Philon von Larisa, der 88 v. Chr. nach Rom kam, von der platonischen Philosophie geprägt; ihn hat er immer als seinen philosophischen Lehrer verehrt. ==> Haltung der akademischen Skepsis, frei von Dogmatik, kritisches Denken: Man kann nicht das Wahre erkennen, sondern nur das Wahrscheinliche; eigenes Prüfen und Forschen ist wichtig.
      • in Smyrna: römischer Konsular P. Rutillus Rufus (==> Scipionenkreis); er lebt dort gelassen in der Verbannung, beschäftigt sich mit philosophischen und wissenschaftlichen Studien.

    Cicero ist kein widerspruchsloser Anhänger einer Philosophenschule, sondern neigt zum Eklektizismus (man sucht sich aus verschiedenen Lehrsystemen die Gedanken, die einem zusagen): er ist besonders von der Stoa und der platonischen Akademie beeinflusst.

Quellen:

  • Giebel, Marion: Marcus Tullius Cicero mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch 1977.
  • Harms, Bernhard: Auguren, Ahnen, Aquädukte. Die römische Kultur in Entwicklung und Struktur. 3. Auflage. Leer/Ostfriesland: Grundlagen und Praxis 1986.

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