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Protagoras als Repräsentant der Sophistik

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Protagoras über die Götter


Quelle: C.W.Müller: Protagoras über die Götter (1967), in: C.J.Classen (Hg.): Sophistik, Darmstadt 1976, S. 312-340

1. 1. Text: Plat. Prot. 322A: Ἐπειδὴ δὲ ὁ ἄνθρωπος θείας μετέσχε μοίρας, πρῶτον μὲν διὰ τὴν τοῦ θεοῦ συγγένειαν ζῴων μόνον θεοὺς ἐνόμισεν, καὶ ἐπεχείρει βωμούς τε ἱδρύεσθαι καὶ ἀγάλματα θεῶν·

2. 2. Text: Protagoras (VS 80 B4): περὶ μὲν θεῶν οὐκ ἔχω εἰδέναι, οὔθ' ὡς εἰσὶν οὔθ' ὡς οὐκ εἰσὶν οὔθ' ὁποῖοί τινες ἰδέαν· πολλὰ γὰρ τὰ κωλύοντα εἰδέναι ἥ τ' ἀδηλότης καὶ βραχὺς ὢν ὁ βίος τοῦ ἀνθρώπου.

3. 3. Text: Aristot. Pol. 1,2. 1252 b 24ff: καὶ τοὺς θεοὺς δὲ διὰ τοῦτο πάντες φασὶ βασιλεύεσθαι, ὅτι καὶ αὐτοὶ οἱ μὲν ἔτι καὶ νῦν, οἱ δὲ τὸ ἀρχαῖον ἐβασιλεύοντο· ὥσπερ δὲ καὶ τὰ εἴδη ἑαυτοῖς ἀφομοιοῦσιν οἱ ἄνθρωποι, οὕτω καὶ τοὺς βίους τῶν θεῶν.

4. 4. Text: Diog.Laert. Protag. 52: διὰ ταύτην δὲ ἀρχὴν τοῦ συγγράματος ἐξεβλήθη πρὸς τῶν Ἀθηναίων· καὶ τὰ βιβλία αὐτοῦ κατέκαυσαν ἑν τῇ ἀγορᾷ, ὑπὸ κήρυκι ἀναλεξάμενοι παρ’ ἑκάστου τῶν κεκτημένων.

5. 5. Text: Philochoros (FGrHist 328 F 121): ὁ Φειδίας, ὡς Φιλόχορός φησιν, ἐπὶ Θεοδώρου ἄρχοντος τὸ ἄγαλμα τῆς Ἀθηνᾶς κατασκευάσας ὑφείλετο τὸ χρυσίον ἐκ τῶν δρακόντων τῆς χρυσελεφαντίνης Ἀθηνᾶς, ἐφ’ ᾧ καταγνωσθεὶς ἐζημιώθη φυγῇ· γενόμενος δὲ εἰς Ἦλιν καὶ ἐργολαβήσας παρὰ τῶν Ἠλείων τὸ ἄγαλμα τοῦ Διὸς τοῦ Ὀλυμπίου καὶ καταγνωσθεὶς ὑπ’ αὐτῶν ὡς νοσφισάμενος ἀνῃρέθη.

1.

Plat.Prot. 322a: Kulturentstehungslehre. Der Aussagewert für Protagoras ist umstritten. Eine schwer auflösbare Einheit von Platonischem, Protagoreischem und allgemein Vorsokratischem. Diese Einschmelzung lag wohl in Platons Absicht. Die Interpreten zerfallen in "Platoniker" und "Protagoreer". Die Formung als Mythos ist für Protagoras nicht nachweisbar, wohl kann er sich aber in seiner Lehre auf die mythische Gestalt des Prometheus berufen haben. Die Berufung auf "τὴν τοῦ θεοῦ συγγένειαν " (322a) zur Herleitung des Kulturphänomens der Religion scheint mit der sonstigen Lehre des Protagoras unvereinbar zu sein. Der Lösungsversuch, Protagoras habe in seiner Religionslehre naturphilosophisch σοφία, πῦρ und συγγένεια θεοῦ gleichgesetzt, widerspricht seinem erklärten Agnostizismus über Gott (B4). Bessere Lösung: Die Verbindung von ἔντεχνος σοφία und πῦρ ist zwingend, weil technische Kunstfertigkeit an die Handhabung des Feuers gebunden ist. Dass aber das Feuer den Göttern gestohlen wurde, ist vom Mythos verbindlich vorgegeben: In der Sprache des Mythos heißt συγγένεια θεοῦ. Entmythologisiert bleibt die Relation zwar bestehen, aber in umgekehrter Richtung: Der Mensch wird zum Maß der Götter (B1). "Verwandtschaft" heißt jetzt, dass die Götter (ihre Existenz dahingestellt, B1) Projektionen des Menschen sind. Damit steht Protagoras in der Nachfolge des Xenophanes. Allerdings war Protagoras kein Bilderstürmer: Die νομιζόμενα sind notwendige Formen menschlichen Daseins, in ihrer (relativen) Gültigkeit aber von der Anerkennung der Menschen abhängig. Platon nimmt eine mythische Transposition des Homo-mensura-Satzes vor. Ob B4 der Anfang einer Schrift Περὶ θεῶν war, ist umstritten. Der Inhalt des Satzes schließt eine solche Schrift nicht aus: Was abgelehnt wird, ist sicheres Wissen. Die Gründe sind die objektive Unerkennbarkeit des Gegenstandes (ἀδηλότης) und die Begrenztheit der menschlichen Erfahrung und Erkenntnisfähigkeit (βραχὺς ὢν ὁ βίος). Religion als Kult und Mythos gehört aber in den Bereich der νομιζόμενα. Gegenbegriff zum Wissen ist das Meinen (νομίζειν, δοκεῖν). Die Schrift "Über die Götter" kann nach der Ablehnung sicheren Wissens Religion als relatives Kulturphänomen (entsprechend dem Homo-mensura-Satz) behandelt haben; z.B.: die traditionellen Göttervorstellungen als idealtypische Spiegelungen der jeweiligen menschlichen Verhältnisse. Dabei dürften die Götter als Träger von (ἀρετή) und die Leistung der Religion als menschlich-sozialem Phänomen durchaus positiv bewertet worden sein. Im Unterschied zur psychologisch-genetischen Erklärung der Göttervorstellungen bei Demokrit (VS 86 B30; B166; A75) und Prodikos (VS 84 B5) war für Protagoras Religion offenbar einfach mit dem Menschen (oder seinem Geist) als Faktum gegeben. Aristoteles (3. Text) scheint somit an Protagoras anzuklingen (nicht an Xenophanes).


1 Funde
2326  Oelmüller / Dölle / Ebach/ Przybylski (Hgg.)
Philosophische Arbeitsbücher 3. Diskurs Religion
Paderborn, Schöningh (UTB 895) 1979
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