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Thuk.5,84-116,4 Melierdialog

3.) Die Kalkulation des gegenseitigen Nutzens (5,90-101)

Athenienses cum Meliis colloqium habent

 

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90. Atqui nos utile quidem censemus (necesse enim est, quandoquidem vos ita, praeterita aequitate, sermonem de utilitate instituistis) id quod omnibus est commune bonum, a vobis non everti, sed ei, qui quoque tempore in periculo versatur, ea iusta haberi, quae aequa sunt, atque eum etiam prater id, quod quod accuratissima ratione iustum est, sialteripersuadere possit, commodum aliquod percipere. Hoc autem eo magise vestra futurum est, quo etiam vosmaiore proposita poena si offenderitis, ceteris mortalibus exemplo eritis.  (5,90,1) ΜΗΛ. Ἧι μὲν δὴ νομίζομέν γε, χρήσιμον [ἀνάγκη γάρ, ἐπειδὴ ὑμεῖς οὕτω παρὰ τὸ δίκαιον τὸ ξυμφέρον λέγειν ὑπέθεσθε] μὴ καταλύειν ὑμᾶς τὸ κοινὸν ἀγαθόν, ἀλλὰ τῷ αἰεὶ ἐν κινδύνῳ γιγνομένῳ εἶναι τὰ εἰκότα καὶ δίκαια, καί τι καὶ ἐντὸς τοῦ ἀκριβοῦς πείσαντά τινα ὠφεληθῆναι. καὶ πρὸς ὑμῶν οὐχ ἧσσον τοῦτο, ὅσῳ καὶ ἐπὶ μεγίστῃ τιμωρίᾳ σφαλέντες ἂν τοῖς ἄλλοις παράδειγμα γένοισθε.  90. MEL.: Wir zwar nun halten es für nützlich - denn wir sind hierzu genötigt, da ihr es so angeregt habt, mit Hintansetzung des Rechts von dem Nutzen zu sprechen - dass ihr nicht vernichtet, was allen insgesamt gut ist, sondern dass jedem, der in Gefahr schwebt, das ihm zukommende Recht gewährt werde, ja dass er wohl auch innerhalb der Grenzen des strengen Rechtes, wenn es ihm gelingt zu überreden, eine Begünstigung erfahre. Auch euch kommt dies zu Gute, da ihr besiegt durch schwere Strafe leicht den anderen ein Beispiel werdet könntet. 
ᾗ... νομίζομέν - (so) wie wir glauben; nach unserer Überzeugung | χρήσιμόν <ἐστιν> - es ist ein Gebot der Nützlichkeit | ἀνάγκη γάρ <ἐστιν> | παρὰ τὸ δίκαιον – gegen das Recht, zum Schaden der Gerechtigkeit | ὑποτίθεσθαι – zur Grundlage machen, als Grundsatz aufstellen | τῷ αἰεὶ ἐν κινδύνῳ γιγνομένῳ - dem, der jeweils (jedem, der) in Gefahr kommt | τὸ κοινὸν ἀγαθόν – das allen gemeinsame Gut (die allgemeine Akzeptanz des Rechtsstandpunktes, somit den Rechtsfrieden) | τὰ εἰκότα καὶ δίκαια – was billig und damit rechtens ist  (vorgeschlagen wird auch nur τὰ εἰκότα – das Ziemliche, das Billige oder τὰ εἰκότα δίκαια - das billige Recht) δίκαια lässt man weg, wenn man der Ansicht ist, die Melier wollten den Begriff des δίκαια durch den des χρήσιμα oder εἰκότα ersetzen. Wir sind der Ansicht, dass die Forderung nach Gerechtigkeit nicht aufgegeben, sondern die Beachtung des Rechts zugleich auch als nützlich erklärt wird | καὶ (= καίπερ) ἐντὸς τοῦ ἀκριβοῦς πείσαντα – auch wenn er in seiner Argumentation das Ziel (die Grenze) des ἀκριβές nicht ganz erreicht | τινα entweder Subjekt zu ὠφεληθῆναι (Akk. Sgl. m.) oder Objekt zu τινα (Akk. Pl. n.); dann ist τὸν αἰεὶ ἐν κινδύνῳ γιγνόμενον Subjekt zu ὠφεληθῆναι | καὶ πρὸς ὑμῶν – auch von euch her gesehen, auch in euerem Interesse | ὅσῳ (insofern) καὶ ἐπὶ μεγίστῃ τιμωρίᾳ (auch auf der Ebene (wegen) der härtesten Strafe <die ihr dann erleiden werdet> σφαλέντες ἂν (wenn ihr einmal unterliegt) τοῖς ἄλλοις παράδειγμα γένοισθε (den anderen zum <warnenden> Beispiel werdet)
91. ATH.: Nos vero nostri imperii, etiam si deletum fuerit, finem non extimescimus; neque enim, qui aliis imperant, ut Lacedaemonii, ii sunt formidabiles victis (in praesentia autem nullum cum Lacedaemoniis nobis est certamen), sed si alicubi illi, qui aliorum imperio paruerint, ipsi eos aggressi superaverint. (2). Sed hac quidem de re periclitari nobis permittatur; illud vero declarabimus, nos et ob utilitatem nostri imperii adesse, et ob vestrae civitatis salutem verba nunc facturos, quippe qui cupimus et sine labore vobis imperare et vos ex usu utrorumque salvos esse. (5,91,1) ΑΘ. Ἡμεῖς δὲ τῆς ἡμετέρας ἀρχῆς, ἢν καὶ παυθῇ, οὐκ ἀθυμοῦμεν τὴν τελευτήν· οὐ γὰρ οἱ ἄρχοντες ἄλλων, ὥσπερ καὶ Λακεδαιμόνιοι, οὗτοι δεινοὶ τοῖς νικηθεῖσιν [ἔστι δὲ οὐ πρὸς Λακεδαιμονίους ἡμῖν ὁ ἀγών], ἀλλ' ἢν οἱ ὑπήκοοί που τῶν ἀρξάντων αὐτοὶ ἐπιθέμενοι κρατήσωσιν. (2) καὶ περὶ μὲν τούτου ἡμῖν ἀφείσθω κινδυνεύεσθαι· ὡς δὲ ἐπ' ὠφελίᾳ τε πάρεσμεν τῆς ἡμετέρας ἀρχῆς καὶ ἐπὶ σωτηρίᾳ νῦν τοὺς λόγους ἐροῦμεν τῆς ὑμετέρας πόλεως, ταῦτα δηλώσομεν, βουλόμενοι ἀπόνως μὲν ὑμῶν ἄρξαι, χρησίμως δ' ὑμᾶς ἀμφοτέροις σωθῆναι. 91. ATH.:  Wir sind, wenn unsere Herrschaft auch gestürzt werden sollte, wegen des Endes derselben nicht bange. Denn nicht die, welche, wie die Lakedämonier, über andere herrschen, nicht diese sind es, welche den Besiegten furchtbar sind: überdies haben wir es in diesem Kampfe nicht mit den Lakedämoniern zu tun: sondern die Gefahr entsteht erst dann, wenn die Untertanen sich selbst gegen ihre Oberherren erheben und obsiegen. Was also diesen Punkt anbetrifft, so mag uns ruhig das Wagnis überlassen bleiben. Wir wollen euch vielmehr zeigen, dass wir nicht bloß zum Nutzen unserer eigenen Herrschaft hier sind, sondern dass unsere jetzigen Worte auch die Erhaltung euerer Stadt bezwecken. Denn unser Wunsch ist, dass wir ohne beschwerlichen Kampf die Herrschaft über euch erhalten und ihr auf eine für beide Teile vorteilhafte Weise erhalten werdet.
ἢν καὶ παυθῇ - futuraler Konzessivsatz | ἀθυμεῖν τι – den Mut im Hinblick auf etwas verlieren | τοῖς νικηθεῖσιν - <ἧμῖν> τοῖς... | ἢν οἱ ὑπήκοοί ... ἐπιθέμενοι κρατήσωσιν dies wäre zu erwarten, wenn die Athener Schwäche gegenüber den Meliern zeigten (Die Athener vergleichen scheinbar auf allgemeiner Ebene zwei Risiken: 1.) sie fallen einmal den Spartanern zum Opfer, 2.) sie verlieren ihre Macht durch die Empörung der Untergebenen (Melier): das erste Risiko ist kalkulierbar: a) Athen fühlt sich militärisch stark genug, b) es geht hier gar nicht gegen die Spartaner; die zweite Alternative ist gefährlicher: ein Verzicht auf Melos würde von den anderen als Aufforderung verstanden werden, ebenfalls von Athen abzufallen | ἀφείσθω – es soll uns überlassen bleiben (Impt.Perf.Pass. v. ἀφιέναι) | κινδυνεύεσθαι περί τινος – das Risiko in einer Sache tragen | ὡς δὲ ἐπ' ὠφελίᾳ τε πάρεσμεν... – die Athener wenden sich dem ersten Einwand der Melier zu (die Einhaltung des Rechts im Sinne des wohlverstandenen Nutzens) und argumentieren, dass in ihrer Zielsetzung beider Nutzen zusammenfällt: die Sicherung der athenischen Herrschaft und die Rettung von Melos. | τοὺς λόγους ἐροῦμεν - wir werden die Verhandlungen führen, unsere Vorschläge unterbreiten | χρησίμως... ἀμφοτέροις - in einer für beide Seiten nützlichen Weise
 92. MEL.: Sed qui fieri potest, ut ita nobis ex usu sit, servire, ut vobis imperare? (5,92,1) ΜΗΛ. Καὶ πῶς χρήσιμον ἂν ξυμβαίη ἡμῖν δουλεῦσαι, ὥσπερ καὶ ὑμῖν ἄρξαι; 92. MEL.: Wie ist es möglich, dass es für uns vorteilhaft ist, in Knechtschaft zu kommen, wie für euch, die Herrschaft zu erhalten?
93. ATH.: Quia vobis quidem continget, ut, antequam mala extrema patiamini, imperata faciatis, nobis vero si vos non perdiderimus, lucrum erit. (5,93,1) ΑΘ. Ὅτι ὑμῖν μὲν πρὸ τοῦ τὰ δεινότατα παθεῖν ὑπακοῦσαι ἂν γένοιτο, ἡμεῖς δὲ μὴ διαφθείραντες ὑμᾶς κερδαίνοιμεν ἄν. 93. ATH.: Ihr entschließt euch vielleicht zur Unterwerfung, ehe ihr das Schlimmste erleidet, und für uns ist es ein Gewinn, wenn wir euch nicht zu Grunde richten. 
χρήσιμον ἂν ξυμβαίη ἡμῖν ἄρξαι - es dürfte sich als Nutzen für uns erweisen, an die Macht zu gelangen | τὰ δεινότατα παθεῖν - das Schlimmste (den Untergang) erleiden (euphemistisch) | ὑπακούω - unterwerfe mich (freiwillig) | γένοιτο γένοιτο ἄν τι πρό τινος - es könnte etwas nützlicher sein als etwas | 
94. MEL.: Hoc vero, ut pacem agentes pro hostibus amici simus, neutris vero socii, non accipietis ? (5,94,1) ΜΗΛ. Ὥστε [δὲ] ἡσυχίαν ἄγοντας ἡμᾶς φίλους μὲν εἶναι ἀντὶ πολεμίων, ξυμμάχους δὲ μηδετέρων, οὐκ ἂν δέξαισθε; 94. MEL.: Damit also würdet ihr nicht zufrieden sein, wenn wir in Ruhe und Frieden euere Freunde statt eure Feinde, und weder mit den einen noch mit den anderen im Bunde wären?
95. ATH.: Neque enim vestra inimicitia tantum detrimentum nobis affert, quantum amicitia quidem vestra imbecillitatis nostrae, odium vero vestrum potentiae nostrae, manifestum argumentum erit illis, qui nostro imperio parent. (5,95,1) ΑΘ. Οὐ γὰρ τοσοῦτον ἡμᾶς βλάπτει ἡ ἔχθρα ὑμῶν ὅσον ἡ φιλία μὲν ἀσθενείας, τὸ δὲ μῖσος δυνάμεως παράδειγμα τοῖς ἀρχομένοις δηλούμενον. 95. Nein, denn euere Feindschaft schadet uns nicht so viel als euere Freundschaft. Diese würden unsere Untertanen als Beweis unserer Schwäche ansehen: euer Hass dagegen gibt uns Gelegenheit, einen Beweis unserer Macht zu geben. 
τοῦτ’ οὐκ ἂν δέξαισθε; - damit könntet ihr nicht einverstanden sein? | οὐ γὰρ... - nein, denn... |  Löse auf: ἡ ἔχθρα ὑμῶν οὐ  τοσοῦτον ἡμᾶς βλάπτει  ὅσον ἡ μὲν φιλία <ὑμῶν> ἀσθενείας παράδειγμα τοῖς ἀρχομένοις δηλούμενη, τὸ δὲ μῖσος δυνάμεως παράδειγμα τοῖς ἀρχομένοις δηλούμενον | 
96. MEL.: At vero, qui vestro imperio sunt subiecti, num ita perpendunt aequitatem, ut eodem loco habeant eos, qui nihil ad vos attinent, atque eos, qui, quum magna ex parte vestri coloni essent, et nonnulli facta a vobis defectione, subacti sunt? (5,96,1) ΜΗΛ. Σκοποῦσι δ' ὑμῶν οὕτως οἱ ὑπήκοοι τὸ εἰκός, ὥστε τούς τε μὴ προσήκοντας καὶ ὅσοι ἄποικοι ὄντες οἱ πολλοὶ καὶ ἀποστάντες τινὲς κεχείρωνται ἐς τὸ αὐτὸ τιθέασιν; 96. MEL.: Haben euere Untertanen denn eine solche Ansicht von dem, was Recht ist, dass sie diejenigen, welche euch nicht angehören, und diejenigen, welche zum größten Teil Kolonien von euch und teilweise nach versuchtem Abfall von euch unterdrückt worden sind, auf gleiche Stufe stellen?
97. ATH.: Neutris enim deesse putant rationes, quibus suam causam tueantar, sed illos quidem, propter potentiam liberos manere, nos vero, prae metu illos non aggredi; quare praeterquam quod imperium in plures obtinebimus, incolumitatem etiam maiorem nobis praebebitis, si subacti fueritis, praesertim quum sitis insulani, et aliis infirmiores, si maris dominis non superiores evadatis. (5,97,1) ΑΘ. Δικαιώματι γὰρ οὐδετέρους ἐλλείπειν ἡγοῦνται, κατὰ δύναμιν δὲ τοὺς μὲν περιγίγνεσθαι, ἡμᾶς δὲ φόβῳ οὐκ ἐπιέναι· ὥστε ἔξω καὶ τοῦ πλεόνων ἄρξαι καὶ τὸ ἀσφαλὲς ἡμῖν διὰ τὸ καταστραφῆναι ἂν παράσχοιτε, ἄλλως τε καὶ νησιῶται ναυκρατόρων καὶ ἀσθενέστεροι ἑτέρων ὄντες εἰ μὴ περιγένοισθε. 97. ATH.: An Rechtsgründen, meinen sie, fehle es den einen so wenig als den anderen; in der Tat schreiben sie es ihrer Macht zu, dass sie sich behaupten, und unserer Furcht, wenn wir sie nicht angreifen. Abgesehen also davon, dass wir unsere Herrschaft vergrößern, erfordert es unsere Sicherheit, das ihr euch unterwerft, zumal wenn ihr als Inselbewohner gegen uns, die wir Herren des Meeres sind, bei geringerer Macht, als andere besitzen, euch behaupten solltet.
σκοπεῖν τὸ εἰκός - was billig ist, beurteilen | οἱ μὴ προσήκοντες - die nicht dazugehören, die euch nichts angehen | καὶ ὅσοι... κεχείρωνται - (im Gegensatz zu den μὴ προσήκοντες:) alle die, die (zu Recht) unterworfen sind (zwei Gruppen: ἄποικοι ὄντες οἱ πολλοὶ - in der Mehrzahl Kolonisten; ἀποστάντες τινὲς - einige aufständische)  | ἐς τὸ αὐτὸ τιθέναι - auf die selbe Stufe stellen, in einen Topf werfen | τὸ δικαίωμα - Rechtsgrund, Rechtsanspruch | οὐδετέροι ἐλλείπουσιν δικαιώματι - keiner von beiden steht in seinem Rechtsanspruch zurück | ἔξω καὶ τοῦ πλεόνων ἄρξαι - abgesehen davon, dass wir über eine größere Zahl herrschen | τὸ ἀσφαλὲς παρέχειν - die (erforderliche) Sicherheit bieten (gewähren) | ἄλλως τε καὶ - besonders | ὁ ναυκράτωρ = ὁ ναυκράτης - Beherrscher des Meeres | Verbinde: ἄλλως τε καὶ εἰ μὴ <ὑμεῖς> νησιῶται <ὄντες> <ἡμῶν> ναυκρατόρων <ὄντων>... περιγένοισθε | περιγίγνεσθαί τινος sich gegen jemanden behaupten 
 98. MEL: In illa vero ratione nihil praesidii esse putatis? Oportet enim vicissim hic etiam, quemadmodum vos ex iuris disceptatione nos extrusistis et suadetis, ut vestrae utilitati morem geramus, sic nos quoque docere vos id, quod nobis est utile, et si idem etiam vobis utile esse demonstretur, operam dare, ut vobis de eo persuadeamus. Quomodo enim hostes vobis non reddetis illos, quotquot nunc neutras, partes sequuntur, quum haec, quae nunc facitis, intuentes vos contra se quoque aliquando venturos existimabunt? Hac enim ratione quid aliud quam pristinos quidem hostes augetis, illos vero, qui ne unquam quidem vobis hostes futuri erant, invitos adiungitis?  (5,98,1) ΜΗΛ. Ἐν δ' ἐκείνῳ οὐ νομίζετε ἀσφάλειαν; δεῖ γὰρ αὖ καὶ ἐνταῦθα, ὥσπερ ὑμεῖς τῶν δικαίων λόγων ἡμᾶς ἐκβιβάσαντες τῷ ὑμετέρῳ ξυμφόρῳ ὑπακούειν πείθετε, καὶ ἡμᾶς τὸ ἡμῖν χρήσιμον διδάσκοντας, εἰ τυγχάνει καὶ ὑμῖν τὸ αὐτὸ ξυμβαῖνον, πειρᾶσθαι πείθειν. ὅσοι γὰρ νῦν μηδετέροις ξυμμαχοῦσι, πῶς οὐ πολεμώσεσθε αὐτούς, ὅταν ἐς τάδε βλέψαντες ἡγήσωνταί ποτε ὑμᾶς καὶ ἐπὶ σφᾶς ἥξειν; κἀν τούτῳ τί ἄλλο ἢ τοὺς μὲν ὑπάρχοντας πολεμίους μεγαλύνετε, τοὺς δὲ μηδὲ μελλήσαντας γενέσθαι ἄκοντας ἐπάγεσθε;  MEL.: Solltet ihr nicht darin euere Sicherheit suchen? Denn wie ihr uns von dem Kampfe mit Rechtsgründen weggewiesen habt und uns überreden wollt, euerem Vorteil zu dienen, so müssen wir auch hier alles, was uns nützen kann, wenn es sich trifft, dass dasselbe zugleich auch für euch nützlich ist, aufsuchen und euch vorstellen und versuchen, euch dadurch zu bestimmen. Wie viele nämlich jetzt mit keinem von beiden Teilen im Bunde stehen, werdet ihr euch die nicht alle zu Feinden machen, wenn sie auf euer Verfahren gegen uns sehen und dadurch zu der Meinung kommen, ihr werdet euch auch gegen sie  einmal wenden? Und verstärkt ihr damit nicht die Kraft euerer Feinde und treibt diejenigen wider ihren Willen dazu, welche nie daran denken würden, euere Feinde zu werden?
99. ATH. Neque enim magis pertimescendos nobis existimamus illos, quicumque usquam continentem incolentes propter libertatem multa cunctatione prohibebuntur, quominus sibi a nobis caveant, sed insularum incolas, qui usquam sunt nullius imperio subiecti, quemadmodum vos, et illos, qui iam irritantur propter imperii necessitatem. Hi enim, inconsultis affectibus plurimum indulgentes et se ipsos et nos in apertum periculum adduxerint.  (5,99,1) ΑΘ. Οὐ γὰρ νομίζομεν ἡμῖν τούτους δεινοτέρους, ὅσοι ἠπειρῶταί που ὄντες τῷ ἐλευθέρῳ πολλὴν τὴν διαμέλλησιν τῆς πρὸς ἡμᾶς φυλακῆς ποιήσονται, ἀλλὰ τοὺς νησιώτας τέ που ἀνάρκτους, ὥσπερ ὑμᾶς, καὶ τοὺς ἤδη τῆς ἀρχῆς τῷ ἀναγκαίῳ παροξυνομένους. οὗτοι γὰρ πλεῖστ' ἂν τῷ ἀλογίστῳ ἐπιτρέψαντες σφᾶς τε αὐτοὺς καὶ ἡμᾶς ἐς προῦπτον κίνδυνον καταστήσειαν. 99. ATH.: Nein, denn nach unserer Ansicht sind uns nicht sowohl jene Festlandsbewohner gefährlich, welche sehr langsam daran gehen, auf Sicherung ihrer Freiheit gegen uns Bedacht zu nehmen, sondern die Inselbewohner, welche gleich wie ihr unabhängig sind, und diejenigen, welche bereits durch den Druck der Herrschaft gereizt sind. Dies werden am leichtesten aufs Geratewohl hin etwas wagen und sich wie uns in eine offenkundige Gefahr stürzen. 
100. MEL.: Profecto igitur, si et vos, ne imperio spoliemini, et illi, qui vestro imperio iam serviunt, ut liberentur, tantum discrimen adeunt, nobis quidem, qui adhuc liberi sumus, magna nequitia et ignavia imputanda sit, si non ad omnia prius descenderimus quam serviamus.  (5,100,1) ΜΗΛ. Ἦ που ἄρα, εἰ τοσαύτην γε ὑμεῖς τε μὴ παυθῆναι ἀρχῆς καὶ οἱ δουλεύοντες ἤδη ἀπαλλαγῆναι τὴν παρακινδύνευσιν ποιοῦνται, ἡμῖν γε τοῖς ἔτι ἐλευθέροις πολλὴ κακότης καὶ δειλία μὴ πᾶν πρὸ τοῦ δουλεῦσαι ἐπεξελθεῖν. 100. MEL.: Wenn ihr aber so viel daran setzt, euere Herrschaft nicht zu verlieren, und diejenigen, welche bereits in der Knechtschaft sind, sich daraus zu befreien, so ist es doch wohl sicherlich für uns, die wir noch frei sind, große Feigheit und Ehrlosigkeit, nicht alles zu wagen, ehe wir in Knechtschaft kommen.
101. ATH.: Non, siquidem sapienter consultetis; neque enim vobis ex aequo nobiscum est de virorum virtute certamen, ne in dedecus incurratis, sedpotius de salute consultatio, ne multo potentioribus resistatis. (5,101,1) ΑΘ. Οὔκ, ἤν γε σωφρόνως βουλεύησθε· οὐ γὰρ περὶ ἀνδραγαθίας ὁ ἀγὼν ἀπὸ τοῦ ἴσου ὑμῖν, μὴ αἰσχύνην ὀφλεῖν, περὶ δὲ σωτηρίας μᾶλλον ἡ βουλή, πρὸς τοὺς κρείσσονας πολλῷ μὴ ἀνθίστασθαι. 101. ATH.: Gewiss nicht, wenn ihr mit Besonnenheit euch darüber beratet. Denn es handelt es sich hier nicht darum, euch als wackere Männer zu zeigen, dass ihr nicht bei einem Kampf mit gleichen Kräften Schande über euch bringt, sondern es ist vielmehr eine Beratung um euere Rettung, das ihr euch nicht denen widersetzt, welche bei weitem stärker sind. 
102. MEL.: Sed scimus res bellicas interdum exitus habere magis communes, quam pro diversa utrorumque multitudine. Et nobis, si statim quidem cesserimus, nulla spes superest, sed si rem geramus, spes adhuc est fore, ut recte consistamus.  (5,102,1) ΜΗΛ. Ἀλλ' ἐπιστάμεθα τὰ τῶν πολέμων ἔστιν ὅτε κοινοτέρας τὰς τύχας λαμβάνοντα ἢ κατὰ τὸ διαφέρον ἑκατέρων πλῆθος· καὶ ἡμῖν τὸ μὲν εἶξαι εὐθὺς ἀέλπιστον, μετὰ δὲ τοῦ δρωμένου ἔτι  καὶ στῆναι ἐλπὶς ὀρθῶς. 102. MEL.: Aber wir wissen auch, dass im Krieg die Zufälle des Glücks oft weniger parteiisch sind, als nach dem Unterschied zwischen der Macht beider Teile zu erwarten wäre. Was uns nun betrifft, so geben wir, wenn wir uns unterwerfen, ohne weiteres jede Hoffnung auf, uns aufrecht zu erhalten. 
 
Quellen und Materialien
Sententiae excerptae:
w34
Literatur:

1 Funde
2469  Deininger, Georg
Der Melier-Dialog ; (Thuk. V 85-113)
Erlangen-Bruck: Krahl, 1939
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