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Was ist Gerechtigkeit? Glaukon als advocatus diaboli (1)

Platon, Politeia 357a - 362c

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( 357a) Ἐγὼ μὲν οὖν ταῦτα εἰπὼν ᾤμην λόγου ἀπηλλάχθαι· τὸ δ' ἦν ἄρα, ὡς ἔοικε, προοίμιον. ὁ γὰρ Γλαύκων ἀεί τε δὴ ἀνδρειότατος ὢν τυγχάνει πρὸς ἅπαντα, καὶ δὴ καὶ τότε τοῦ Θρασυμάχου τὴν ἀπόρρησιν οὐκ ἀπεδέξατο, ἀλλ' ἔφη· Ὦ Σώκρατες, πότερον ἡμᾶς βούλει δοκεῖν πεπεικέναι ἢ ὡς ἀληθῶς (b) πεῖσαι, ὅτι παντὶ τρόπῳ ἄμεινόν ἐστιν δίκαιον εἶναι ἢ ἄδικον;
(357a) Mit diesen Worten glaubte ich die Sache los zu sein; in Wahrheit aber war es offenbar erst der Anfang. Denn Glaukon, der ja immer in allem der Hartnäckigste ist, nahm auch damals nicht hin, dass Thrasymachos aufgegeben hatte, sondern sagte: Sokrates, willst du uns nur scheinbar überzeugt haben oder wirklich überzeugen, dass es auf jeden Fall besser ist gerecht zu sein als ungerecht?
Ὡς ἀληθῶς, εἶπον, ἔγωγ' ἂν ἑλοίμην, εἰ ἐπ' ἐμοὶ εἴη.
Dass wirklich, sagte ich, würde ich wohl vorziehen, wenn es bei mir läge. 
Οὐ τοίνυν, ἔφη, ποιεῖς, ὃ βούλει.
Dann machst du also, sagte er, nicht, was du willst
Dieser grün unterlegte Text kann ausgespart werden.
Λέγε γάρ μοι· ἆρά σοι δοκεῖ τοιόνδε τι εἶναι ἀγαθόν, ὃ δεξαίμεθ' ἂν ἔχειν οὐ τῶν ἀποβαινόντων ἐφιέμενοι, ἀλλ' αὐτὸ αὑτοῦ ἕνεκα ἀσπαζόμενοι, οἷον τὸ χαίρειν καὶ αἱ ἡδοναὶ, ὅσαι ἀβλαβεῖς καὶ μηδὲν εἰς τὸν ἔπειτα χρόνον διὰ ταύτας γίγνεται ἄλλο ἢ χαίρειν ἔχοντα;
Denn sage mir: Glaubst du, dass es ein Gutes gibt, das wir nicht aus Verlangen nach dem, was sich daraus ergibt, zu haben wünschen, sondern weil wir es selbst um seiner selbst willen lieb haben? Wie das Frohsein und die Genüsse, die unschädlich sind, und aus denen für die Folgezeit nichts erwächst, als dass man froh ist, wenn man sie hat.
῎Εμοιγε, ἦν δ' ἐγώ, δοκεῖ τι εἶναι τοιοῦτον.
Ich glaube, erwiderte ich, dass es derartiges gibt.
(c) Τί δέ; ὃ αὐτό τε αὑτοῦ χάριν ἀγαπῶμεν καὶ τῶν ἀπ' αὐτοῦ γιγνομένων, οἷον αὖ τὸ φρονεῖν καὶ τὸ ὁρᾶν καὶ τὸ ὑγιαίνειν; τὰ γὰρ τοιαῦτά που δι' ἀμφότερα ἀσπαζόμεθα.
Und wie - was wir sowohl selbst um seiner selbst willen lieben als auch wegen dem, was daraus hervorgeht, wie zum Beispiel das Verständigsein, das Sehen und das Gesundsein? denn derariges haben wir ja wohl aus beiden Gründen lieb.
Ναί, εἶπον.
Ja, sagte ich.
Τρίτον δὲ ὁρᾷς τι, ἔφη, εἶδος ἀγαθοῦ, ἐν ᾧ τὸ γυμνάζεσθαι καὶ τὸ κάμνοντα ἰατρεύεσθαι καὶ ἰάτρευσίς τε καὶ ὁ ἄλλος χρηματισμός; ταῦτα γὰρ ἐπίπονα φαῖμεν ἄν, ὠφελεῖν δὲ ἡμᾶς, καὶ αὐτὰ μὲν ἑαυτῶν ἕνεκα οὐκ ἂν δεξαίμεθα ἔχειν, (d) τῶν δὲ μισθῶν τε χάριν καὶ τῶν ἄλλων, ὅσα γίγνεται ἀπ' αὐτῶν. ἔστιν γὰρ οὖν, ἔφην, καὶ τοῦτο τρίτον. ἀλλὰ τί δή;
Siehst du auch noch eine dritte Art von Gutem, wozu das Turnen gehört und das Einnehmen von Arznei bei Krankheiten und das Verordnen von Arznei und womit man sonst noch Geld verdient? Denn von diesem werden wir sagen, dass es zwar lästig ist, aber nützlich für uns, und es selbst um seiner selbst willen würden wir wohl nicht zu haben wünschen, wohl aber um des Lohnes willen und wegen alles anderen, was daraus entsteht. Es gibt auch dieses dritte, sagte ich; aber was nun weiter?
ἐν ποίῳ, ἔφη, τούτων τὴν δικαιοσύνην τιθεῖς;
Unter welches von diesen rechest du die Gerechtigkeit?
(358a) ἐγὼ μὲν οἶμαι, ἦν δ' ἐγώ, ἐν τῷ καλλίστῳ, ὃ καὶ δι' αὑτὸ καὶ διὰ τὰ γιγνόμενα ἀπ' αὐτοῦ ἀγαπητέον τῷ μέλλοντι μακαρίῳ ἔσεσθαι.
Ich denke, antwortete ich, (358a) zum Besten, zu dem, was, wer glücklich werden will, sowohl um seiner selbst willen, als auch dessentwegen liebhaben muss, was sich daraus ergibt.
Οὐ τοίνυν δοκεῖ, ἔφη, τοῖς πολλοῖς, ἀλλὰ τοῦ ἐπιπόνου εἴδους, ὃ μισθῶν θ' ἕνεκα καὶ εὐδοκιμήσεων διὰ δόξαν ἐπιτηδευτέον, αὐτὸ δὲ δι' αὑτὸ φευκτέον ὡς ὂν χαλεπόν.
So scheint es aber nicht der Menge, versetzte er, sondern dass sie zu der lästigen Art gehört, die man wegen des Lohnes und des guten Namens in der öffentlichen Meinung betreiben, an sich selbst aber als beschwerlich fliehen müsse.
[2]
Οἶδα, ἦν δ' ἐγώ, ὅτι δοκεῖ οὕτω καὶ πάλαι ὑπὸ Θρασυμάχου ὡς τοιοῦτον ὂν ψέγεται, ἀδικία δ' ἐπαινεῖται· ἀλλ' ἐγώ τις, ὡς ἔοικε, δυσμαθής.
[2]
Ich weiß, sagte ich, dass man sie so ansieht, und schon lange wird sie von Thrasymachos als solche getadelt, die Ungerechtigkeit aber gelobt. Aber ich bin, wie es scheint, nut schwer zu belehren.
Glaukons Thesen
(b) Ἴθι δή, ἔφη, ἄκουσον καὶ ἐμοῦ, ἐάν σοι ἔτι ταὐτὰ δοκῇ. Θρασύμαχος γάρ μοι φαίνεται πρῳαίτερον τοῦ δέοντος ὑπὸ σοῦ ὥσπερ ὄφις κηληθῆναι, ἐμοὶ δὲ οὔπω κατὰ νοῦν ἡ ἀπόδειξις γέγονεν περὶ ἑκατέρου· ἐπιθυμῶ γὰρ ἀκοῦσαι, τί τ' ἔστιν ἑκάτερον καὶ τίνα ἔχει δύναμιν αὐτὸ καθ' αὑτὸ ἐνὸν ἐν τῇ ψυχῇ, τοὺς δὲ μισθοὺς καὶ τὰ γιγνόμενα ἀπ' αὐτῶν ἐᾶσαι χαίρειν. οὑτωσὶ οὖν ποιήσω, ἐὰν καὶ σοὶ δοκῇ· ἐπανανεώσομαι τὸν Θρασυμάχου λόγον, καὶ (c) πρῶτον μὲν ἐρῶ δικαιοσύνην, οἷον εἶναί φασιν καὶ ὅθεν γεγονέναι, δεύτερον δέ, ὅτι πάντες αὐτὸ οἱ ἐπιτηδεύοντες ἄκοντες ἐπιτηδεύουσιν ὡς ἀναγκαῖον ἀλλ' οὐχ ὡς ἀγαθόν, τρίτον δέ, ὅτι εἰκότως αὐτὸ δρῶσι· πολὺ γὰρ ἀμείνων ἄρα ὁ τοῦ ἀδίκου ἢ ὁ τοῦ δικαίου βίος, ὡς λέγουσιν. ἐπεὶ ἔμοιγε, ὦ Σώκρατες, οὔ τι δοκεῖ οὕτως· ἀπορῶ μέντοι διατεθρυλημένος τὰ ὦτα ἀκούων Θρασυμάχου καὶ μυρίων ἄλλων, τὸν δὲ ὑπὲρ τῆς δικαιοσύνης λόγον, (d) ὡς ἄμεινον ἀδικίας, οὐδενός πω ἀκήκοα, ὡς βούλομαι - βούλομαι δὲ αὐτὸ καθ' αὑτὸ ἐγκωμιαζόμενον ἀκοῦσαι - μάλιστα δ' οἶμαι ἂν σοῦ πυθέσθαι. διὸ κατατείνας ἐρῶ τὸν ἄδικον βίον ἐπαινῶν, εἰπὼν δὲ ἐνδείξομαί σοι, ὃν τρόπον αὖ βούλομαι καὶ σοῦ ἀκούειν ἀδικίαν μὲν ψέγοντος, δικαιοσύνην δὲ ἐπαινοῦντος. ἀλλ' ὅρα, εἴ σοι βουλομένῳ, ἃ λέγω.
So höre mir zu, ob dir noch das selbe erscheint. Thrasymachos scheint mir nämlich früher als nötig von dir wie eine Schlange bezaubert worden zu sein, mich aber befriedigt die Beweisführung über beides noch nicht. Denn ich möchte hören, was beides ist, und welche wesensmäßige Wirkung es an und für sich in der Seele entfaltet; ihre Vorteile und Folgen aber will ich beiseite lassen. Ich will nun folgendermaßen vorgehen, wenn es dir recht erscheint: Ich werde die Aussage des Thrasymachos wieder aufgreifen und (c) zunächst ausführen, was Gerechtigkeit angeblich ist und woraus entstanden; zweitens, dass alle, die sie üben, wider Willen üben, als etwas Notwendiges und nicht als ein Gut; drittens aber, dass sie Recht daran tun: denn das Leben des Ungerechten ist - angeblich - viel besser als das des Gerechten. Mir freilich, Sokrates, erscheint es keinesfalls so; aber ich bin ratlos, wenn mir die Ohren voll sind von dem, was ich von Thrasymachos und unzähligen anderen höre, das Plädoyer für die Gerechtigkeit aber, (d) dass sie besser sei als Ungerechtigkeit, noch von keinem so gehört habe, wie ich möchte - ich möchte sie aber an und für sich gelobt hören - und glaube es am ehesten von dir zu erfahren. Daher werde ich mit meinem Lob für die Ungerechtigkeit übertreiben, dir aber mit meinen Worten zeigen, wie ich andererseits von dir die Ungerechtigkeit getadelt und die Gerechtigkeit gelobt hören möchte. Sie also zu, ob du damit einverstanden bist.
     Πάντων μάλιστα, ἦν δ' ἐγώ· περὶ γὰρ τίνος (e) ἂν μᾶλλον πολλάκις τις νοῦν ἔχων χαίροι λέγων καὶ ἀκούων; Nichts lieber als das, sagte ich: Denn worüber sonst dürfte wohl ein vernünftiger Mensch lieber reden und hören?
Sententiae excerptae:
w45
Literatur:

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Einheit der Polis. Eine Studie über Platons Staat
Leiden/New York (Brill) 1988; Mnemos.Suppl.106, Leiden (Brill) 1988
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1561  Ballauff, T.
Idee der Paideia.. zu Plat.Höhlengleichnis u.Parmenides Lehrged
Bonn 1949
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1008  Balzert, M.
Das 'Trojanische Pferd der Moral'. Die Gyges-Geschichte bei Platon und Cicero.
in: AU 39, 3/1996, 49-68
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1017  Demandt, A.
Der Idealstaat. Die politischen Theorien der Antike
Köln 1993
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Zürich, Artemis 1950
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Platons Politeia - Ciceros De re publica. Versuch eines Vergleichs
in: Anr 33/4,1987,218
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GRIN Verlag , 1,2011
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Geschichte der sozialen Frage und des Sozialismus in der antiken Welt, I/II; 3. Aufl., durchges. u. um einen Anhang verm. v. Fr. Oertel. I-II
München (Beck) 1912; 3/1925
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Salin, E. Zenons Politeia. Xenophons Kyrupädie. Theopompos' Meropis
in: Platon u.die griechische Utopie, München 1921
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4481  Schölderle, Thomas
Utopia und Utopie: Thomas Morus, die Geschichte der Utopie und die Kontroverse um ihren Begriff
Baden-Baden : Nomos, 1,2011
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2642  Unruh, Peter
Sokrates und die Pflicht zum Rechtsgehorsam, eine Analyse von Platons "Kriton"
Baden-Baden: Nomos (Studien zur Rechtsphilosophie und Rechtstheorie 26) 2000
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