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Homer, Ilias 6, 369-502

Welt des Krieges - Welt des Friedens: 2.) Hektor und Andromache

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Hom.Il.6,369-502 Hektor und Andromache
 

Vasenbild zu Hektor und Andromache

Vasenbild zu Hektor und Andromache

Bildzitat

Würzburg L 160: Helena, Paris, Andromache, Hektor, Kebriones. Pferde und Vögel

 

Aufgaben:
  1. Bild und Text:
    1. Identifizieren Sie die dargestellten Personen und Situationen!
    2. Ordnen Sie die einzelnen Bildgruppierungen den bereits gelesenen oder noch ausstehenden Textabschnitten zu!
      Wir sehen in der Paris - Helena - Gruppe keine Darstellung der gerade erfolgten Entrückung des Paris aus dem Schlachtfeld durch Aphrodite im 3. Gesang der Ilias (Flügelschuhe!) [wie G.Beckel, H.Froning, E.Simon: Werke der Antike im W.v.Wagner-Museum der Univ. Würzburg, Mainz 1983, S. 46]. Die Flügelschuhe können genauso die Eile und nei gewonnene innere Bereitschaft symbolisieren, mit der Paris wieder mit Hektor in den Kampf zurückeilen wird.
    3. Wie gestaltet der Maler die Personengruppierungen? Auf welche "Mitteilung" kommt es ihm bei ihrer Darstellung jeweils an? (Lösungsvorschlag)
    4. Lassen sich im Vergleich von Bild und Text grundlegende Unterschiede in den künstlerischen Mitteln und Ausdrucksformen festmachen?
1.) Hom.Il.6,369-389: Suchen und Verfehlen  
369
ὣς ἄρα φωνήσας ἀπέβη κορυθαίολος Ἕκτωρ·
Also sprechend, ging hinweg der helmumflatterte Hektor,
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αἶψα δ' ἔπειθ' ἵκανε δόμους εὖ ναιετάοντας,
οὐδ' εὗρ' Ἀνδρομάχην λευκώλενον ἐν μεγάροισιν,
ἀλλ' ἥ γε ξὺν παιδὶ καὶ ἀμφιπόλῳ ἐϋπέπλῳ
πύργῳ ἐφεστήκει γοόωσά τε μυρομένη τε.
und geschwind naht er dem Haus, dem so herrlich bewohnten, und traf die weißarmige Andromache nicht in den Gemächern, sondern sie stand mit dem Knaben und der schöngekleideten Wärterin auf dem Turm, seufzend und jammernd.
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Ἕκτωρ δ' ὡς οὐκ ἔνδον ἀμύμονα τέτμεν ἄκοιτιν
ἔστη ἐπ' οὐδὸν ἰών, μετὰ δὲ δμῳῇσιν ἔειπεν·
εἰ δ' ἄγε μοι δμῳαὶ νημερτέα μυθήσασθε·
πῇ ἔβη Ἀνδρομάχη λευκώλενος ἐκ μεγάροιο;
ἠέ πῃ ἐς γαλόων ἢ εἰνατέρων ἐϋπέπλων
ἢ ἐς Ἀθηναίης ἐξοίχεται, ἔνθά περ ἄλλαι
Hektor aber, als er nicht drinnen fand die unbescholtene Gattin, stand an der Schwelle und sprach zu den Mägden: "Auf! Mägde, saget mir Wahrheit, wohin ging die weißarmige Andromache aus den Gemächern? Ist sie zu des Mannes Schwestern oder schöngekleideten Schwägerfrauen gegangen, oder ist sie zu Athene's Tempel gewallfahrtet, wo die anderen
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Τρῳαὶ ἐϋπλόκαμοι δεινὴν θεὸν ἱλάσκονται;
τὸν δ' αὖτ' ὀτρηρὴ ταμίη πρὸς μῦθον ἔειπεν·
Ἕκτορ ἐπεὶ μάλ' ἄνωγας ἀληθέα μυθήσασθαι,
οὔτέ πῃ ἐς γαλόων οὔτ' εἰνατέρων ἐϋπέπλων
οὔτ' ἐς Ἀθηναίης ἐξοίχεται, ἔνθά περ ἄλλαι
schönlockigen Troerinnen die schreckliche Göttin versöhnen?" Ihm entgegnete darauf die emsige Schaffnerin: "Hektor, wenn du nun befiehlst, dir Wahres zu verkündigen: nicht zu des Mannes Schwestern, noch schöngekleideten Schwägerfrauen ist sie gegangen, noch zu Athene's Tempel gewallfahrtet, wo die anderen
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Τρῳαὶ ἐϋπλόκαμοι δεινὴν θεὸν ἱλάσκονται,
ἀλλ' ἐπὶ πύργον ἔβη μέγαν Ἰλίου, οὕνεκ' ἄκουσε
τείρεσθαι Τρῶας, μέγα δὲ κράτος εἶναι Ἀχαιῶν.
ἣ μὲν δὴ πρὸς τεῖχος ἐπειγομένη ἀφικάνει
μαινομένῃ ἐϊκυῖα· φέρει δ' ἅμα παῖδα τιθήνη.
schöngelockten Troerinnen die schreckliche Göttin versöhnen, sondern sie stieg auf Ilions stattlichen Turm, weil sie gehört, die Troer wären bedrängt, und gewaltig sei der Achaier Obmacht; eilig rannte sie da zur Mauer, wie eine Rasende, und die begleitende Amme trägt das Kind." [Übersetzung nach J.St.Zauper]
Aufgaben:
  1. Wäre es für den Dichter nicht die einfachere Lösung gewesen, Hektor Andromache genau so im Haus antreffen zu lassen, wie er ihn zuvor Paris und Helena hatte antreffen lassen (vgl. bes. 6, 321-324!)? Welche Wirkung beabsichtigt und erreicht er also, wenn er die kompliziertere Lösung sucht?
    • Auch Bewegungen sind (wie Sachen) bedeutungsvoll; sie können z.B. menschliche Grundbefindlichkeiten wie Nähe, Zugehörigkeit, Beisammensein ein sich Finden, Begegnen oder sich Trennnen, Verlieren (also die Beziehungen zwischen den Dingen und Menschen) ausdrücken.
    • Paris verkriecht sich (noch) zu Hause. Wo sonst hätte er sein sollen. Andromache nimmt an der Welt ihres Mannes in dem Maße teil, in dem sie das leisten kann. Diese "Sonderleistung" Andromaches hebt der Dichter dadurch hervor, dass er Hektor gezielt "normale" alternative Erwartungen aussprechen lässt (Haus der Schwägerinnen; Bittgesandtschaft der Frauen) und enttäuscht.
    • Paris ist nach seiner Niederlage vom Schlachtfeld nach Hause zurückgekehrt: Er rettet sich durch Rückzug. Sein Rückzug nach Hause ist das eigentliche Ziel, die Intention. Seine Rückkehr in die Schlacht muss von außen betrieben werden. Hektor geht in einer gefährlichen Kampfessituation denselben Weg, aber seine Heimkehr ist nur funktional; er verweilt nicht [er weist sogar den von Hekabe angebotenen Wein zurück (264), seine Lanze behält er bei Paris in der Hand (318) und schlägt natürlich auch Helenas Einladung aus (360); seine Verantwortung für seine Familie], geschweige, dass er sich wie Paris zu verliegen drohe. Er bedarf keiner Motivation von außen, sondern muss im Gegenteil äußere Hemmnisse abwenden. Seine Intention ist die Rückkehr in den Kampf, wobei er, wie er weiß, sein Leben aufs äußerste gefährden wird.
    • Hektor geht zwei Mal den Weg in ein Haus. Die beiden Teilwege sind aufeinander bezogen, weichen aber im entscheidenden Aspekt (εἰσῆλθε - ἔστη) voneinander ab:
      • der Weg ins Haus von Paris - Helena:
        313 ῞Ἕκτωρ δὲ πρὸς δώματ' ᾿Ἀλεξάνδροιο βεβήκει
        318 ἔνθ' ῞Ἕκτωρ εἰσῆλθε Διῒ φίλος (354· ἀλλ' ἄγε νῦν εἴσελθε καὶ ἕζεο)
        361 ἤδη γάρ μοι θυμὸς ἐπέσσυται ὄφρ' ἐπαμύνω | Τρώεσσ'
      • der Weg ins eigene Haus:
        370 αἶψα δ' ἔπειθ' ἵκανε δόμους εὖ ναιετάοντας
        375 ἔστη ἐπ' οὐδὸν ἰών
        390 ὃ δ' ἀπέσσυτο δώματος ῞Ἕκτωρ
    • Beide Wege lassen sich in ihrer Parallelität und ihrem Kontrast ähnlich schematisch darstellen, wie es das Bild zum folgenden Textabschnitt zeigt. Skizzieren Sie ein solches Schema!
    • Andromache ist Hektor zum Skäischen Tor entgegengeeilt, Hektor Andromache zum Haus. Aber man trifft den anderen jeweils nicht an dem vermuteten Ort, obwohl er dort eigentlich sein sollte, weil er dorthin gehört. Genau dadurch, dass beide gleichzeitig dem jeweils anderen in seine Welt entgegengehen, müssen sie ihn offenbar verfehlen. Hier steht aber nicht der Zufall Pate (vgl. Pyramus und Thisbe), sondern es ereignet sich Wesentliches und somit Notwendiges. Beide werden sich schließlich auch in entgegengesetzter Richtung wieder trennen, jeder in seinen partiellen Bereich. Zwischen Krieg und Haus scheint auf Dauer ein ehrenhafter Kompromiss ausgeschlossen zu sein. Am Wendepunkt beider gegenläufiger Bewegungen findet für kurze Zeit am Skäischen Tor (der Grenzmarke zwischen Drinnen und Draußen, Krieg und Frieden, Leben und Tod) Begegnung statt

     

 

2.) Hom.Il.6,390-404: Begegnung am Skäischen Tor  
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ἦ ῥα γυνὴ ταμίη, ὃ δ' ἀπέσσυτο δώματος Ἕκτωρ
τὴν αὐτὴν ὁδὸν αὖτις ἐϋκτιμένας κατ' ἀγυιάς.
εὖτε πύλας ἵκανε διερχόμενος μέγα ἄστυ
Σκαιάς, τῇ ἄρ' ἔμελλε διεξίμεναι πεδίον δέ,
ἔνθ' ἄλοχος πολύδωρος ἐναντίη ἦλθε θέουσα

So sprach die Schaffnerin, und rasch eilte Hektor aus dem Hause den nämlichen Weg zurück, über die schöngepflasterten Straßen. Als er die große Stadt durchschritten, und dem Skäischen Tore genaht, durch das er in's Schlachtfeld gelangen sollte, kam ihm Andromache, die vielbegabte Gattin, eiligen Schritts entgegen,
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Ἀνδρομάχη θυγάτηρ μεγαλήτορος Ἠετίωνος
Ἠετίων ὃς ἔναιεν ὑπὸ Πλάκῳ ὑληέσσῃ
Θήβῃ Ὑποπλακίῃ Κιλίκεσσ' ἄνδρεσσιν ἀνάσσων·
τοῦ περ δὴ θυγάτηρ ἔχεθ'  Ἕκτορι χαλκοκορυστῇ.
ἥ οἱ ἔπειτ' ἤντησ', ἅμα δ' ἀμφίπολος κίεν αὐτῇ
die Tochter des herzhaften Äetion. Äetion, dieser wohnte unterhalb des waldigen Plakos, im hypoplakischen Theben, über kilikische Männer gebietend. Dessen Tochter nun war dem erzgerüsteten Hektor vermählt, und diesem begegnete sie, und mit ihr ging die Wärterin,
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παῖδ' ἐπὶ κόλπῳ ἔχουσ' ἀταλάφρονα νήπιον αὔτως
Ἑκτορίδην ἀγαπητὸν ἀλίγκιον ἀστέρι καλῷ,
τόν ῥ' Ἕκτωρ καλέεσκε Σκαμάνδριον, αὐτὰρ οἱ ἄλλοι
Ἀστυάνακτ'· οἶος γὰρ ἐρύετο Ἴλιον Ἕκτωρ.
ἤτοι ὃ μὲν μείδησεν ἰδὼν ἐς παῖδα σιωπῇ·
den zarten, ganz unmündigen Knaben am Busen tragend, Hektors geliebten Sohn, einem schönen Sterne gleich; ihn nannte Hektor Skamandrios, die übrigen aber Astyanax, denn allein Hektor beschützte Ilion; und er lächelte still vor sich hin, als er den Knaben erblickte. [Übersetzung nach J.St.Zauper]
Aufgaben:
  1. Suchen Sie im gesamten Text gezielt nach Ortssadverbialien und Ausdrücken der Bewegung und ordnen Sie sie, wenn aussagekräftig, dem folgenden (stark vereinfachenden) Schema zu:
    Homilie
  2. Stellen Sie dar, wie die beiden Paare (Paris - Helena; Hektor - Andromache), was Absichten und Bewegungsintentionen angeht, jeweils in der Innen- und Außenstruktur auf einander bezogen sind!
    • Paris verweilt (zu lange) in seinem Haus (soll hinaus)
    Hektor betritt nur die Schwelle seines Hauses (will hinaus)
    • Helena treibt Paris an, in den Kampf zurückzukehren (Politik, Krieg, Ehre)
    Andromache will Hektor zurückhalten (Privatheit, Familie, Liebe)
    • Obwohl Helena  für Bewegung sorgen will (soll) (363: ὄρνυθι τοῦτον) bleibt sie ruhig im Haus
    Obwohl (weil) Andromache ihren Mann in der Ruhe des Hauses zurückhalten will, eilt sie wie rasend zur Mauer (388: ἐπειγομένη ἀφικάνει)
    • Helena definiert sich von ihrem früheren Mann her
    Andromache definiert sich von ihrem Vater her
    • Helena und Paris: nur persönliche Liebes-Bindung (Mangel an Polis-Bindung)
    Andromache und Hektor: Bindung an kleinen  Sohn (und in ihm an die Zukunft der Stadt)
  3. Welche Haltung drückt sich in dem Lächeln des Vaters aus (ἤτοι ὃ μὲν μείδησεν ἰδὼν ἐς παῖδα σιωπῇ), als er seinen kleinen Sohn sieht? - Weglassprobe: Hätte der Dichter den letzten Satz des Textabschnitts nicht schadlos auslassen können?
3.) Hom.Il.6,405-439:  
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Ἀνδρομάχη δέ οἱ ἄγχι παρίστατο δάκρυ χέουσα,
ἔν τ' ἄρα οἱ φῦ χειρὶ ἔπος τ' ἔφατ' ἔκ τ' ὀνόμαζε·
δαιμόνιε φθίσει σε τὸ σὸν μένος, οὐδ' ἐλεαίρεις
παῖδά τε νηπίαχον καὶ ἔμ' ἄμμορον, ἣ τάχα χήρη
σεῦ ἔσομαι· τάχα γάρ σε κατακτανέουσιν Ἀχαιοὶ

Aber Andromache stellte sich nahe zu ihm, und vergoss Tränen, und ergriff ihm die Hand, und redete zu ihm folgende Worte: "Liebster, verderben wird dich dieser dein Mut, da du dich nicht des lallenden Kindes erbarmst, noch meiner, der Trostlosen, die ich bald deine Witwe sein werde; denn die Achaier werden dich zu töten eilen,
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πάντες ἐφορμηθέντες· ἐμοὶ δέ κε κέρδιον εἴη
σεῦ ἀφαμαρτούσῃ χθόνα δύμεναι· οὐ γὰρ ἔτ' ἄλλη
ἔσται θαλπωρὴ ἐπεὶ ἂν σύ γε πότμον ἐπίσπῃς
ἀλλ' ἄχε'· οὐδέ μοι ἔστι πατὴρ καὶ πότνια μήτηρ.
ἤτοι γὰρ πατέρ' ἁμὸν ἀπέκτανε δῖος Ἀχιλλεύς,
und alle zugleich auf dich losstürmen, mir aber wär' es besser, wenn du mir fehlst, in die Erde hinunter zu sinken, denn kein anderer Trost wird mir zu Teil, wenn du dein Los ereilt hast, sondern nur Gram. Ich habe keinen Vater, keine verehrliche Mutter, denn meinen Vater hat der göttliche Achilleus getötet,
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ἐκ δὲ πόλιν πέρσεν Κιλίκων εὖ ναιετάουσαν
Θήβην ὑψίπυλον· κατὰ δ' ἔκτανεν Ἠετίωνα,
οὐδέ μιν ἐξενάριξε, σεβάσσατο γὰρ τό γε θυμῷ,
ἀλλ' ἄρα μιν κατέκηε σὺν ἔντεσι δαιδαλέοισιν
ἠδ' ἐπὶ σῆμ' ἔχεεν· περὶ δὲ πτελέας ἐφύτευσαν
und die so herrlich bewohnte Stadt der Kiliker zerstört, Thebe mit hohen Toren; auch erschlug er den Äetion, doch ohne ihn zu entwaffnen, vor heliger Scheu in der Seele, sondern er verbrannte ihn samt den künstlich gefertigten Waffen, und darüber häuft' er ein Grabmal, und es pflanzten Ulmen herum
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νύμφαι ὀρεστιάδες κοῦραι Διὸς αἰγιόχοιο.
οἳ δέ μοι ἑπτὰ κασίγνητοι ἔσαν ἐν μεγάροισιν
οἳ μὲν πάντες ἰῷ κίον ἤματι Ἄϊδος εἴσω·
πάντας γὰρ κατέπεφνε ποδάρκης δῖος Ἀχιλλεὺς
βουσὶν ἐπ' εἰλιπόδεσσι καὶ ἀργεννῇς ὀΐεσσι.
die Bergnymphen, des aigishaltenden Zeus Töchter. Meine Brüder aber, deren sieben im Palaste waren, die stiegen alle an einem Tag zum Ais hinab, denn alle erlegte der schnellfüßige, göttliche Achilleus bei den trabenden Rindern und weißen Schafen.
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μητέρα δ', ἣ βασίλευεν ὑπὸ Πλάκῳ ὑληέσσῃ,
τὴν ἐπεὶ ἂρ δεῦρ' ἤγαγ' ἅμ' ἄλλοισι κτεάτεσσιν,
ἂψ ὅ γε τὴν ἀπέλυσε λαβὼν ἀπερείσι' ἄποινα,
πατρὸς δ' ἐν μεγάροισι βάλ' Ἄρτεμις ἰοχέαιρα.
Ἕκτορ ἀτὰρ σύ μοί ἐσσι πατὴρ καὶ πότνια μήτηρ
Die Mutter, welche unter dem waldigen Plakos herrschte, führt' er zwar hierher zugleich mit der andern Beute, aber ließ sie wieder frei, ein reichliches Lösegeld nehmend; doch in des Vaters Gemächern erschoss sie die der Pfeile sich freuende Atemis. Hektor, du nun bist mir Vater und verehrte Mutter,
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ἠδὲ κασίγνητος, σὺ δέ μοι θαλερὸς παρακοίτης·
ἀλλ' ἄγε νῦν ἐλέαιρε καὶ αὐτοῦ μίμν' ἐπὶ πύργῳ,
μὴ παῖδ' ὀρφανικὸν θήῃς χήρην τε γυναῖκα·
λαὸν δὲ στῆσον παρ' ἐρινεόν, ἔνθα μάλιστα
ἀμβατός ἐστι πόλις καὶ ἐπίδρομον ἔπλετο τεῖχος.
du Bruder, du auch mein blühender Gemahl; daher habe diesmal Mitleid, und bleib auf dem Turm, dass du den Knaben zum Waisden nicht machest, und das Weib zur Witwe; aber das Volk stelle am Feigenbaum auf, wo zumeist ersteigbar die Stadt, und die Mauer zu erstürmen;
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τρὶς γὰρ τῇ γ' ἐλθόντες ἐπειρήσανθ' οἱ ἄριστοι
ἀμφ' Αἴαντε δύω καὶ ἀγακλυτὸν Ἰδομενῆα
ἠδ' ἀμφ' Ἀτρεΐδας καὶ Τυδέος ἄλκιμον υἱόν·
ἤ πού τίς σφιν ἔνισπε θεοπροπίων ἐῢ εἰδώς,
ἤ νυ καὶ αὐτῶν θυμὸς ἐποτρύνει καὶ ἀνώγει.
denn dreimal schon an diese Stelle gekommen, versuchten es die besten um die zwei Aias, und den hochberühmten Idomeneus, und die beiden Atreiden, und des Thydeus rüstigen Sohn; entweder flüsterte es ihnen ein wohlwissender Seher zu, oder ihre eigene Einsicht hat sie ermuntert und angespornt. [Übersetzung nach J.St.Zauper]
Aufgaben:
  1. Achten Sie im Anschluss an δάκρυ χέουσα, 405f  auf alle sichtbaren Äußerungen von Gefühlen wie Weinen und Lachen in der Begegnung von Hektor und Andromache. Stellen Sie alle Belege zusammen und erklären Sie, welche inneren Empfindungen sie jeweils ausdrücken!
  2. Der Textabschnitt erhält sein Gepräge durch eine längere Ekphrasis (einer Spielform der amplificatio).
    1. Geben Sie Beginn und Ende der Ekphrasis an!
    2. Wie ist die Ekphrasis motiviert? Durch welche Bezüge erreicht der Dichter, dass sie in den Zusammenhang eingebunden erscheint und nicht als Fremdkörper empfunden wird?
    3. Inwiefern lässt sich ohne Bruch an die Ekphrasis der an Hektor gerichtete Appell anschließen?
  3. Wie stichhaltig ist der Vorwurf der Mitleidlosigkeit, den Andromache Hektor gegenüber äußert (οὐδ' ἐλεαίρεις παῖδά τε νηπίαχον καὶ ἔμ' ἄμμορον, 407) und der aus ihrem Appell, Mitleid zu zeigen (ἀλλ' ἄγε νῦν ἐλέαιρε, 431) herausklingt? Was wird Hektor darauf entgegnen können?
4.) Hom.Il.6,440-465: Andromaches Appell an den Ehemann  

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τὴν δ' αὖτε προσέειπε μέγας κορυθαίολος Ἕκτωρ·
ἦ καὶ ἐμοὶ τάδε πάντα μέλει γύναι· ἀλλὰ μάλ' αἰνῶς
αἰδέομαι Τρῶας καὶ Τρῳάδας ἑλκεσιπέπλους,
αἴ κε κακὸς ὣς νόσφιν ἀλυσκάζω πολέμοιο·
οὐδέ με θυμὸς ἄνωγεν, ἐπεὶ μάθον ἔμμεναι ἐσθλὸς

Zu ihr dagegen sprach der stattliche, helmbuschumflatterte Hektor: "Auch mir liegt das alles am Herzen, Weib; aber ich schäme mich tief vor den Troern und den gewandnachschleppenden Troerinnen, wenn ich wie ein Feigling in der Ferne dem Kriege ausweiche; auch mahnet mich mein Herz nicht dazu, zumal ich gelernet, stets tapfer zu sein,
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αἰεὶ καὶ πρώτοισι μετὰ Τρώεσσι μάχεσθαι
ἀρνύμενος πατρός τε μέγα κλέος ἠδ' ἐμὸν αὐτοῦ.
εὖ γὰρ ἐγὼ τόδε οἶδα κατὰ φρένα καὶ κατὰ θυμόν·
ἔσσεται ἦμαρ ὅτ' ἄν ποτ' ὀλώλῃ Ἴλιος ἱρὴ
καὶ Πρίαμος καὶ λαὸς ἐϋμμελίω Πριάμοιο.
und unter den vordersten Troern zu kämpfen, schirmend des Vaters großen Ruhm und meinen eignen. Zwar weiß ich wohl im Geist und in der Seele, es wird ein Tag sein, an dem vielleicht das heilige Ilion untergeht, und Priamos und das Volk des lanzenkundigen Priamos;
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ἀλλ' οὔ μοι Τρώων τόσσον μέλει ἄλγος ὀπίσσω,
οὔτ' αὐτῆς Ἑκάβης οὔτε Πριάμοιο ἄνακτος
οὔτε κασιγνήτων, οἵ κεν πολέες τε καὶ ἐσθλοὶ
ἐν κονίῃσι πέσοιεν ὑπ' ἀνδράσι δυσμενέεσσιν,
ὅσσον σεῦ, ὅτε κέν τις Ἀχαιῶν χαλκοχιτώνων
aber mich kümmert nicht so sehr der Troer künftiger Jammer, nicht der Hekabe selbst und des Fürsten Priamos, nicht der Brüder, die zahlreich und tapfer im Staube dahinstürzen werden unter den feindlichen Männern, als du mich kümmerst, wenn einer der erzbepanzerten Achaier
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δακρυόεσσαν ἄγηται ἐλεύθερον ἦμαρ ἀπούρας·
καί κεν ἐν Ἄργει ἐοῦσα πρὸς ἄλλης ἱστὸν ὑφαίνοις,
καί κεν ὕδωρ φορέοις Μεσσηΐδος ἢ Ὑπερείης
πόλλ' ἀεκαζομένη, κρατερὴ δ' ἐπικείσετ' ἀνάγκη·
καί ποτέ τις εἴπῃσιν ἰδὼν κατὰ δάκρυ χέουσαν·
die Weinende führt, den Tag der Freiheit raubend, und du in Argos für eine andre webst und Wasser schöpfest aus Messeis und Hypereia voll Unmut, und eine harte Notwendigkeit dir obliegt, und wenn dann einer sagt, der die Tränenvergießende sieht:
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Ἕκτορος ἥδε γυνὴ ὃς ἀριστεύεσκε μάχεσθαι
Τρώων ἱπποδάμων ὅτε Ἴλιον ἀμφεμάχοντο.
ὥς ποτέ τις ἐρέει· σοὶ δ' αὖ νέον ἔσσεται ἄλγος
χήτεϊ τοιοῦδ' ἀνδρὸς ἀμύνειν δούλιον ἦμαρ.
ἀλλά με τεθνηῶτα χυτὴ κατὰ γαῖα καλύπτοι
'Das ist Hektors Weib, welcher der Beste im Kampf unter den rossebändigenden Troern gewesen, als sie rings um Ilion fochten.' So wird einst einer sagen, und ein neuer Schmerz wird dich quälen, solch einen Mann zu vermissen zur Abwehr des Tages der Knechtschaft. Aber ein Haufe Erde mag mich Toten eher bedecken,
465 πρίν γέ τι σῆς τε βοῆς σοῦ θ' ἑλκηθμοῖο πυθέσθαι. als dass ich dein Gewimmer vernehme, und erfahre, du seist fortgeschleppt." [Übersetzung nach J.St.Zauper]
Aufgaben:
  1. Mit ἦ καὶ ἐμοὶ τάδε πάντα μέλει γύναι (441) weist Hektor den Vorwurf der Mitleidlosigkeit zurück. Worauf beruft er sich, um das Missverständnis seiner scheinbaren Mitleidlosigkeit aufzulösen?
    • er beruft sich auf seine αἰδώς (ἀλλὰ μάλ' αἰνῶς | αἰδέομαι,, 441f)und seinen θυμὸς (οὐδέ με θυμὸς ἄνωγεν, 444). Beides zielt auf seine ἀρετή. (Wenn Helena sich 350 einen ἀνὴρ ἀμείνων wünscht, so nennt sie als seine Qualitätsmerkmale das Kennen und Beachten von νέμεσις und αἶσχος ἀνθρώπων, also die Qualität der αἰδώς. Dass αἰδώς eine staatstragende Tugend ist, geht am einleuchtendsten aus dem Prometheusmythos in Platons Protagoras hervor: ohne sie und ohne δίκη können Menschen nicht in Gemeinschaft leben.) Dabei fühlt Hektor sich den Troern, den Troerinnen, dem Ruhm seines Vaters und auch seinem eigenen Ruhm verpflichtet. Nichts aber rührt ihn so an wie das zukünftige Leid seiner Gattin. 
  2. Wie wirkt sich Hektors Ausrichtung auf  (ἔμμεναι ἐσθλὸς, 444) auf die Ziele seines äußerlichen Verhaltens aus?
    als Held und Krieger als Mann und Vater
    • nicht: κακὸς ὣς νόσφιν ἀλυσκάζω πολέμοιο, 443
    • sondern:
      • αἰεὶ καὶ πρώτοισι μετὰ Τρώεσσι μάχεσθαι, 445
      • ἀρνύμενος πατρός τε μέγα κλέος ἠδ' ἐμὸν αὐτοῦ, 446
    • empfänglich für das Τρώων ... ἄλγος ὀπίσσω, 450 Ἑκάβης ... Πριάμοιο ἄνακτος ... κασιγνήτων.
    • am stärksten empfänglich ist er aber für Andromaches ἄλγος, worin sich, wie in einem Brennglas, Hektors Verantwortung für Andromaches äußere Zukunft versammelt (als Teil seiner äußeren ἀρετή) aber auch seine persönliche Liebe zur Gattin: der ganze Hektor, keine Kampfmaschine, sondern ein Mensch mit Herz und Seele (ein Motiv, das in der folgenden Begegnung mit dem Sohn noch weitergetrieben wird).
  3. Muss nicht die Gewissheit vom bevorstehenden Ende Trojas, die ja mit der vorausschauenden Ahnung seines Todes korreliert, deprimierend auf seinen Heldenmut (θυμός, μένος) wirken? Warum sollte sich dann der Einsatz eines Kampfes noch lohnen?
    • Diese Frage kann man nur bejahen, wenn man die Errettung der äußeren Existenz (von Stadt und entsprechend auch des individuellen Lebens (so: 487-489)) als den höchsten Wert ansieht. Sieht man aber, wie Hektor, in der ἀρετή den Höchstwert, so hat der Bestand im Zielkonflikt nur sekundäre Bedeutung. Alles spitzt sich, unabhängig vom Ausgang, auf die Frage zu, ob es gelingt, sich in der Grenzsituation als ἐσθλός zu erweisen.

 

5.) Hom.Il.6,466-481: Hektors Abschied von seinem Sohn  
466
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468
469

ὣς εἰπὼν οὗ παιδὸς ὀρέξατο φαίδιμος Ἕκτωρ·
ἂψ δ' ὃ πάϊς πρὸς κόλπον ἐϋζώνοιο τιθήνης
ἐκλίνθη ἰάχων πατρὸς φίλου ὄψιν ἀτυχθεὶς
ταρβήσας χαλκόν τε ἰδὲ λόφον ἱππιοχαίτην,

Also sprechend, streckte die Hände nach dem Knäblein aus der mannhafte Hektor; aber das Knäblein schmiegte sich weinend zum Busen der schöngegürteten Amme zurück, des lieben Vaters Antlitz scheuend, furchtsam vor dem Erz und rossmähnigen Busch,
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δεινὸν ἀπ' ἀκροτάτης κόρυθος νεύοντα νοήσας.
ἐκ δ' ἐγέλασσε πατήρ τε φίλος καὶ πότνια μήτηρ·
αὐτίκ' ἀπὸ κρατὸς κόρυθ' εἵλετο φαίδιμος Ἕκτωρ,
καὶ τὴν μὲν κατέθηκεν ἐπὶ χθονὶ παμφανόωσαν·
αὐτὰρ ὅ γ' ὃν φίλον υἱὸν ἐπεὶ κύσε πῆλέ τε χερσὶν
den er schrecklich von der Höhe des Helms herabsinken sah; und es lachte der zärtliche Vater auf und die hoheitsvolle Mutter, und geschwind nahm vom Haupte den Helm der stattliche Hektor, und legte zur Erde den ringsschimmernden nieder; dann küsste er das geliebte Söhnlein, und wiegte es in den Armen,
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εἶπε δ' ἐπευξάμενος Διί τ' ἄλλοισίν τε θεοῖσι·
Ζεῦ ἄλλοι τε θεοὶ δότε δὴ καὶ τόνδε γενέσθαι
παῖδ' ἐμὸν ὡς καὶ ἐγώ περ ἀριπρεπέα Τρώεσσιν,
ὧδε βίην τ' ἀγαθόν, καὶ Ἰλίου ἶφι ἀνάσσειν·
καί ποτέ τις εἴποι πατρός γ' ὅδε πολλὸν ἀμείνων
und rief, flehend zum Zeus und den anderen Göttern: "Zeus und ihr übrigen Götter, lasset auch meinen Sohn so werden, wie ich, ausgezeichnet unter den Troern, auch kräftig und gut, und dass er mächtig in Ilion herrsche. Dann wird man einst sagen: Er ist weit trefflicher denn sein Vater,
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ἐκ πολέμου ἀνιόντα· φέροι δ' ἔναρα βροτόεντα
κτείνας δήϊον ἄνδρα, χαρείη δὲ φρένα μήτηρ.
wenn er vom Schlachtfelde zurückkehrt; und er bringe blutige Beute zurück vom erschlagenen Feind, und es frohlocke das Herz der Mutter." [Übersetzung nach J.St.Zauper]
Aufgaben:
  1. Die Rollen des Vaters und des Helden scheinen sich genau so zu widersprechen wie die Rollen des Ehemanns und des Helden. Wie wird Hektor der Rolle sowohl des Vaters als auch des Helden gerecht?
  2. Was drückt sich in den Gesten des Hochhebens (aus den Armen der Amme) und des Zurückgebens des kleinen Astyanax (in die Arme der Mutter!) aus?
    Beachten Sie dabei die Gegenläufigkeit der Bewegungen und die damit (ausgesprochen oder unausgesprochen) vebundenen Emotionen:
  • ὀρέξατο φαίδιμος Ἕκτωρ, 466
  • ἂψ δ' ὃ πάϊς ...ἐκλίνθη, 467
    • ἰάχων
    • πατρὸς φίλου ὄψιν ἀτυχθεὶς
    • ταρβήσας χαλκόν τε ἰδὲ λόφον
    • [470] δεινὸν ... νεύοντα νοήσας.
  1. Hat das gemeinsame Lachen von Mann und Frau (ἐκ δ' ἐγέλασσε πατήρ τε φίλος καὶ πότνια μήτηρ, 471) außer dem gemeinsamen Anlass auch einen gemeinsamen Grund? Was drückt sich in diesem Lachen jeweils aus?
    • Hektors Lachen setzt der unbedarften Furcht des kleinen Kindes die Überlegenheit des erfahren Kriegers entgegen, vielleicht auch seine Unbedachtheit, sich dem Kind in voller Rüstung zu nähern. Diese Rollendiskrepant zwischen Vater und Sohn thematisiert auch das anschließende Gebet, das den Wunsch ausspricht, das Kind möge in die Rolle des Vater hinein- oder sogar darüber hinauswachsen.
  2. Das Gebet selbst (476ff) denkt weit in die Zukunft. Steht diese weitgespannte Zukunftsperspektive nicht im Widerspruch zu der ahnungsvollen Todesgewissheit, die die ganze Szene erfüllt?
    • Die Todesgewissheit führt ἀρετή nicht ad absurdum: Im Augenblick der Gefahr für das Leben kann der Wert der Lebensrettung nicht dazu führen, dass der Wert der ἀρετή in das zweite Glied zurücktritt, auch wenn er an Dringlichkeit gewinnt.

     

6.) Hom.Il.6,482-493  
482
483
484

ὣς εἰπὼν ἀλόχοιο φίλης ἐν χερσὶν ἔθηκε
παῖδ' ἑόν· ἣ δ' ἄρα μιν κηώδεϊ δέξατο κόλπῳ
δακρυόεν γελάσασα· πόσις δ' ἐλέησε νοήσας,

Also sprechend, legt' er sein Knäblein in die Hände der treuen Gemahlin; diese nahm es an den süßduftenden Busen, und weinte lächelnd; der Gemahl bemerkt' es gerührt,
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χειρί τέ μιν κατέρεξεν ἔπος τ' ἔφατ' ἔκ τ' ὀνόμαζε·
δαιμονίη μή μοί τι λίην ἀκαχίζεο θυμῷ·
οὐ γάρ τίς μ' ὑπὲρ αἶσαν ἀνὴρ Ἄϊδι προϊάψει·
μοῖραν δ' οὔ τινά φημι πεφυγμένον ἔμμεναι ἀνδρῶν,
οὐ κακὸν οὐδὲ μὲν ἐσθλόν, ἐπὴν τὰ πρῶτα γένηται.
und, bei der Hand sie fassend, sprach er: "Trauteste, betrübe dich nicht so sehr im Herzen; denn kein Mann wird gegen Bestimmung mich zum Ais hinabsenden; aber keiner der Menschen, glaub' ich, ist seinem Schicksal entfloh'n, nicht der Feige, nicht der Tapfere, ist er einmal geboren.
490
491
492
493
ἀλλ' εἰς οἶκον ἰοῦσα τὰ σ' αὐτῆς ἔργα κόμιζε
ἱστόν τ' ἠλακάτην τε, καὶ ἀμφιπόλοισι κέλευε
ἔργον ἐποίχεσθαι· πόλεμος δ' ἄνδρεσσι μελήσει
πᾶσι, μάλιστα δ' ἐμοί, τοὶ Ἰλίῳ ἐγγεγάασιν.
Aber du gehe nun heim und bestelle deine Geschäfte, Webstuhl und Rocken, und gebiete den Mägden, ihr Tagwerk emsig zu tun; Krieg ist die Sorge der Männer aller war, die in Ilion hausen, zumeist doch die meinige." [Übersetzung nach J.St.Zauper]
Aufgaben:
  1. Würdigen Sie in ihrer Bedeutung für die Entwicklung der inneren Beziehung zwischen Hektor und Andromache:
    1. die Gesten des Zurückgebens des Kindes in die Arme der Mutter (ἔθηκε, 482) und seines Entgegennehmens (δέξατο 483)
    2. das oxymorische δακρυόεν γελάσασα, 484
    3. Hektors Bekundung von Mitleid (πόσις δ' ἐλέησε νοήσας, 484) und Zärtlichkeit (χειρί τέ μιν κατέρεξεν, 485)
  2. Beurteilen Sie die rationale Argumentation mit der Schicksalsgebundenheit der Menschen
    1. Ist sie glaubwürdig? Meint Hektor sie ernst oder geht es ihm allein darum, Andromache zu trösten und sich selbst Mut für die bevorstehende Auseinandersetzung zu machen?
    2. Kann man das Argument im Sinne Hektors oder des Dichters so verstehen, dass es angesichts der unausweichlichen Gebundenheit des Menschen an den Tod nicht auf das Überleben, sondern nur noch auf die Frage der ἀρετή (οὐ κακὸν οὐδὲ μὲν ἐσθλόν, 489) ankommt?
    3. Inwiefern stellt die Argumentation auf jeden Fall einen guten Übergang dar zwischen der emotional anrührenden Grundstimmung des Abschieds und der Zurückweisung der Frau in ihren spezifischen Wirk- und Lebensbereich (οἶκον, ἔργα, 490)?
7.) Hom.Il.6,494-502  
494

ὣς ἄρα φωνήσας κόρυθ' εἵλετο φαίδιμος Ἕκτωρ

Also sprechend, nahm der treffliche Hektor den Helm
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ἵππουριν· ἄλοχος δὲ φίλη οἶκον δὲ βεβήκει
ἐντροπαλιζομένη, θαλερὸν κατὰ δάκρυ χέουσα.
αἶψα δ' ἔπειθ' ἵκανε δόμους εὖ ναιετάοντας
Ἕκτορος ἀνδροφόνοιο, κιχήσατο δ' ἔνδοθι πολλὰς
ἀμφιπόλους, τῇσιν δὲ γόον πάσῃσιν ἐνῶρσεν.
mit dem Rossschweif auf, und die treue Gattin ging heim, oft sich umwendend, und reichliche Tränen vergießend. Ungesäumt kam sie darauf in die schön zu bewohnende Behausung des männertilgenden Hektor, und traf dort viele Dienerinnen, denen allen sie Jammer erregte,
500
501
502
αἳ μὲν ἔτι ζωὸν γόον Ἕκτορα ᾧ ἐνὶ οἴκῳ·
οὐ γάρ μιν ἔτ' ἔφαντο ὑπότροπον ἐκ πολέμοιο
ἵξεσθαι προφυγόντα μένος καὶ χεῖρας Ἀχαιῶν.
die den noch lebenden Hektor in seinem Hause betrauerten;
denn sie meinten, er werde schon nimmer aus dem Kriege wiederkehren, entflohen dem Mut und den Händen der Achaier. [Übersetzung nach J.St.Zauper]
Aufgaben:
  1. Sowohl auf dem Vasenbild als auch im Text kommt Hektors Helm eine ausdrucksstarke Bedeutung zu. Sammeln Sie im Rückblick die entsprechenden Textstellen und arbeiten Sie den Bedeutungszusammenhang heraus!
  2. Zeigen Sie, wie sich nun in dem Bereich des Faktischen das fraglos vollzieht und zur Ruhe kommt, was an Motiven, Überlegungen und Stimmungen die handelnden Personen zuvor in einer inneren Spannung gezeigt hatte!
    • Dissens in der Zuwendung - Konsens in der Trennung (Reflektierte Annahme des gemeinsamen und jeweils einzelnen Schicksals)
Sententiae excerptae:
w39
184 Stultorum eventus magister est.
  "Durch Schaden wird der Narr klug."
  Liv.22,39,10 (vgl. Hom.Il.17,32; Plat.Symp.222b)
Literatur:

2 Funde
2696  Lange, Klaus
Euripides und Homer. Untersuchungen zur Homernachwirkung in "Elektra", "Iphigenie im Taurerland", "Helena", "Orestes" und "Kyklops"
Stuttgart, Steiner 2002
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3354  Schmitzer, U.
Die B├Ąndigung der sch├Ânen Helena in Homers Odyssee
in: Gymn.110/2003, S.23-40
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