| Text: Homer, Ilias I 1-32 |
Homer, Odyssee I 1-43 |
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μῆνιν ἄειδε θεὰ Πηληϊάδεω
Ἀχιλῆος
οὐλομένην, ἣ μυρί' Ἀχαιοῖς ἄλγε' ἔθηκε,
πολλὰς δ' ἰφθίμους ψυχὰς Ἄϊδι προΐαψεν
ἡρώων, αὐτοὺς δὲ ἑλώρια τεῦχε κύνεσσιν
[5] οἰωνοῖσί τε πᾶσι, Διὸς δ' ἐτελείετο βουλή
ἐξ οὗ δὴ τὰ πρῶτα διαστήτην ἐρίσαντε Ἀτρεΐδης τε ἄναξ ἀνδρῶν
καὶ δῖος Ἀχιλλεύς. |
ἄνδρα μοι ἔννεπε, μοῦσα,
πολύτροπον, ὃς μάλα πολλὰ
πλάγχθη, ἐπεὶ Τροίης ἱερὸν πτολίεθρον ἔπερσεν·
πολλῶν δ' ἀνθρώπων ἴδεν ἄστεα καὶ νόον ἔγνω,
πολλὰ δ' ὅ γ' ἐν πόντῳ πάθεν ἄλγεα ὃν κατὰ θυμόν,
[5] ἀρνύμενος ἥν τε ψυχὴν καὶ νόστον ἑταίρων.
ἀλλ' οὐδ' ὣς ἑτάρους ἐρρύσατο, ἱέμενός περ·
αὐτῶν γὰρ σφετέρῃσιν ἀτασθαλίῃσιν ὄλοντο,
νήπιοι, οἳ κατὰ βοῦς Ὑπερίονος Ἠελίοιο
ἤσθιον· αὐτὰρ ὁ τοῖσιν ἀφείλετο νόστιμον ἦμαρ. |
| Singe, Göttin! den Zorn des Peliden Achilleus,
den verderblichen, der tausendfältige Schmerzen den Achaiern geschaffen;
auch viele wackere Seelen der Helden zum Hades zu früh hinabgesandt,
und sie selbst zu Raubmahlen bereitet den Hunden und allen Vögeln.
- Denn so ward Zeus' Wille vollendet, als einst hadernd Atreus' Sohn,
der Lenker der Mannen, und der göttliche Achilleus sich entzweiten.
(Übersetzung nach J.St.Zauper)
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| τίς τ' ἄρ σφωε θεῶν ἔριδι ξυνέηκε
μάχεσθαι;
Λητοῦς καὶ Διὸς υἱός· ὃ γὰρ βασιλῆϊ χολωθεὶς
[10] νοῦσον ἀνὰ στρατὸν ὄρσε κακήν, ὀλέκοντο δὲ λαοί,
οὕνεκα τὸν Χρύσην ἠτίμασεν ἀρητῆρα
Ἀτρεΐδης· ὃ γὰρ ἦλθε θοὰς ἐπὶ νῆας Ἀχαιῶν
λυσόμενός τε θύγατρα φέρων τ' ἀπερείσι' ἄποινα,
στέμματ' ἔχων ἐν χερσὶν ἑκηβόλου Ἀπόλλωνος
[15] χρυσέῳ ἀνὰ σκήπτρῳ, καὶ λίσσετο πάντας Ἀχαιούς,
Ἀτρεΐδα δὲ μάλιστα δύω, κοσμήτορε λαῶν·
[...] |
[10] τῶν ἁμόθεν γε, θεά, θύγατερ
Διός, εἰπὲ καὶ ἡμῖν.
ἔνθ' ἄλλοι μὲν πάντες, ὅσοι φύγον αἰπὺν ὄλεθρον,
οἴκοι ἔσαν, πόλεμόν τε πεφευγότες ἠδὲ θάλασσαν·
τὸν δ' οἶον νόστου κεχρημένον ἠδὲ γυναικὸς
νύμφη πότνι' ἔρυκε Καλυψὼ δῖα θεάων
[15] ἐν σπέσσι γλαφυροῖσι, λιλαιομένη πόσιν εἶναι.
ἀλλ' ὅτε δὴ ἔτος ἦλθε περιπλομένων ἐνιαυτῶν,
[...] |
| Text: Anfang
der "Ilias Parva" |
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Ἴλιον ἀείδω καὶ
Δαρδανίην ἐύπωλον,
ἧς πέρι πόλλ' ἔπαθον Δαναοί, θεράποντες Ἄρηος. |
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Interpretationsaspekte:
- Vergleichen
Sie die beiden Proömien (die Hinzunahme von Vergils Aeneis-Proöm lohnt sich) und
bestimmen Sie identische und divergierende Elemente! Kann man einzelne Elemente als
typisch für ein Epenproöm einstufen? Belegen Sie folgende Liste am Text!
- Themawort
an erster Stelle
- Musenanruf
(Kleine Ilias! Vergil!)
- Signifikantes
Adjektivattribut für das Themawort
- attributive
Relativsätze zum Themawort
- Hervorhebung
des Themas durch quantifizierende Adjektive
- Hervorhebung
göttlichen Wirkens
- Episches
Geschehen ist leiderfüllt
- Leid
resultiert aus einem fehlerhaften Verhalten (untragisch)
- Wiedergutmachung
als Regulativ für Unrecht (poetische Gerechtigkeit)
- Zorn
als Voraussetzung für eine Wiedergutmachung
- Hervorhebung
eines zeitlichen Einsatzes (der zugleich ein Ziel ins Auge fasst).
- Die
μῆνις Ἀχιλῆος ist das Thema des Epos.
- Wodurch
hebt der Dichter sein Thema hervor, um es als ein für das Epos darstellenswertes Thema zu
erweisen? - Betonte Anfangsstellung des Themawortes (wie
ἄνδρα
in der Od.);
attributive Beifügungen: formal Worthäufung, inhaltlich tiefgreifende Wirkung im
umfassenden Spielfeld von Leben und Tod, Gott und Mensch
(Einschluss des göttlichen
Willens: Διὸς ... βουλή).
- Wir
verstehen unter "Zorn, Groll" und ähnlichen Emotionen eher eine momentane
individuelle Erregtheit, von der wir wissen, dass sie der objektiven Beurteilung einer
Sachlage in der Regel abträglich ist. Wir bemühen uns, für unser Handeln positivere
Entscheidungskriterien zu finden. Welches Menschenbild (individuell und
zwischenmenschliche Bezüge) liegt im Unterschied dazu offenbar bei den homerischen Helden
vor? - Emotionalität statt Rationalität; Notwendigkeit der Selbstbehauptung statt
sozialem Rechtsschutz)
- Um
herauszufinden, ob das "Zornmotiv" für das Epos konstitutiv ist, sehen wir uns
auch in der Odyssee um. Spielt es dort eine Rolle? - Zorn des Poseidon, Zorn des
Helios, Zorn des "Odysseus" auf die Freier (ὀδύσσομαι -
zürne, grolle).
- Welche
Funktion erfüllt Zorn im Handlungs- und Geschehensablauf? - Zorn scheint als
Regulativ von erlittenem Unrecht seinen berechtigten Platz zu haben. Er steht also im
Dienste der (poetischen) Gerechtigkeit. Dies erklärt auch, warum er in unserem
öffentlichen Leben keine Rolle mehr spielen darf: Für die Lösung von
Rechtsstreitigkeiten ist die Judikative zuständig. Zorn geht in die Richtung
vorstaatlicher Rechtssicherung, wie sie uns etwa von der Blutrache her bekannt ist.
- Wird das μῆνις
- Thema den
Erwartungen an das Epos gerecht, die der Titel "Ilias" bei uns weckt? - Wir
erwarten die Sagenerzählungen vom zehnjährigen Krieg und besonders der Eroberung der
Stadt. Die thematische Reduktion durch den Dichter hat aber eine enorme Konzentration und
Vereinheitlichung des Erzählstoffes zur Folge. Die dadurch bedingte Einheit (bes. des
Stoffes, der Zeit) machen die Ilias zu einer genießbaren Großkomposition.
Zusatztechniken wie die "Spiegelung" sorgen dafür, dass dennoch das Ganze im
Teil sichtbar bleibt. Analog zur Ilias verwendet die Odyssee (und Vergils
Aeneis) die
Apologtechnik zur Vereinheitlichung der Komposition.
- Der
Dichter und die "Göttin"
- In welcher
Weise stellt sich der "Dichter" im Proöm selbst dar? - Weil eine Göttin
angesprochen ist, muss es auch eine sprechende Person geben; die ist der Dichter. Aber er
erwähnt sich durch kein einziges Wort, nicht einmal durch die oblique Form eines
Pronomens (vgl. Odyssee, Verg.Aen.). D.h.. der Dichter tritt
als individuelle Person ganz hinter seinem Stoff, bzw. hinter der Leistung der Göttin
zurück. Dies ist ebenfalls konstitutiv für das Epos und der wesentliche Unterschied zu
der Dichtungsgattung, die sich literaturgeschichtlich als nächste entwickelt: der Lyrik
(Vgl. etwa Archilochos 1W)
- Welchen
besonderen Charakter bekommt das Proömium durch die Hinwendung des Dichters an die Muse,
der ihn von dem gesamten Rest des Epos unterscheidet? - Das Proömium ist Musen-Gebet
des Dichters. Der Rest ist Musen-Gesang ( ἄειδε).
Die Wahrheit der
Erzählung wird von den Musen garantiert, nicht von einem irrenden Menschen.
- Dem
Imperativ ἄειδε liegt die
Vorstellung und Institution des "Homerischen Sängers" zugrunde, in dessen
Gewand die Muse hier schlüpfen soll. Es wäre also bereits hier angemessen, sich erste
Informationen dazu zu besorgen (Referatthema?).
- Menschliches
und göttliches Handeln
- Was mit der Διὸς βουλή gemeint ist, ist umstritten (A.Heubeck,
S. 56, A.Lenz, S. 5 Anm.1). Für uns stellt sich zum ersten
Mal die Frage nach der Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit
menschlichen Handelns, wenn sich in allem Zeus' Willen erfüllt.
- Der homerische Mensch scheint stärker durch äußere
Bindungen bestimmt zu sein. Damit ist sein Handeln in höherem
Maße heteronom. Das Maß an Autonomie, das ihm
zukommt, bleibt im Fortgang der Lektüre jeweils zu bestimmen.
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