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Aischylos

Eumeniden - ΕΥΜΕΝΙΔΕΣ

deutsch nach Droysen/Nestle

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Die pythische Seherin tritt auf; bevor sie Tür zur Cella des Apollontempels öffnet, betet sie
SEHERIN
1


Mit erstem Anruf ehr ich aus der Götter Zahl
Die Urprophetin Gaia; Themis ihr zunächst,
Die nach den Sagen hier am Seherherde saß,
Die zweite nach der Mutter; dann zum dritten ward

5



Mit ihrem Willen, ohne dass Gewalt sie zwang,
Ein andres Kind der Gaia Herrin dieses Orts,
Titanis Phoibe. Zum Geburtsgeschenke gab
Sie ihn dem Phoibos, der sich drum nach ihr genannt;
Vom Teiche zog er und von Delos' Klippe fort,

10



Fuhr hin zu Pallas' schiffumkreisten Buchtgestad
Und kam in diesen Landstrich, zum Parnassossitz;
Und ihn geleiten, frommen Dienstes ehren ihn
Hephaistos' Kinder, Wegebahner ihm, die rings
Des Landes Wildnis seinem Zug entwilderten.

15



Drauf als er einzog, festlich wallt' entgegen ihm
Das Volk und Delphos, dieser Gegend hehrer Fürst;
Zeus aber gab ihm ewgen Rates Wissenschaft,
Den vierten Seher, setzt' er ihn auf diesen Thron,
Und seines Vaters Zeus Prophet ist Loxias.

20



An diese Götter richt ich mein Gebet zuerst! -
Auch Pallas vor dem Tempel ehre nun mien Wort.
Gruß auch den Nymphen drüben an Korykis' Fels,
Hohl, vogelheimisch und der Götter Ruheplatz;
dann Bromios, jener Gegend Herr, - des denk ich wohl, -

25



Seitdem die Bakchen siegend hergeführt der Gott
Und Tod dem Pentheus einem Häslein gleich gewirkt,
Auch Pleistos' Quellen und Poseidons heilge Kraft
Anrufend und Allhöchster dich, Vollender Zeus!
Geh ich Prophetin, mich zu setzen auf den Thron;

30


Huldreich gesegnen wollt vor jedem anderen
Mir diesen Eingang! Sind Hellenen hier zur Stund,
So treten nach dem Los sie ein, wie Brauch es ist;;
Denn ich verkünde, wie der Gott mich anleitet!

Sie betritt den Tempel kommt aber nach kurzer Pause auf Händen und Füßen entsetzt zurück
Wie grauenvoll zu sagen, graunvoll anzuschaun!
35



Mich jagt es rückwärts aus dem Haus des Loxias,
So dass ich Kraft nicht mich emporzuhalten hab';
Die Hände laufen, nicht der Beine Schnelligkeit!
In Angst ist eine Greisin nichts, ist wei ein Kind! -
Zum vielbekränzten Heiligtume ging ich ein,

40



Und sitzen seh ich einen gottverfluchten Mann
Am Erdennabel, schutzgewärtig, frisch von Blut
Die Hände triefend, noch das entblößte Schwert zur Hand,
Zugleich des Ölbaums einen hochentsprossnen Zweig
Mit breitgewundner Flocke rings sorgsam bekränzt

45



Der weißen Wolle; so beschreib ich es genau;.
Um diesen Mann her eine wunderbare Schar
Von Weibern, schlafend auf die Sessel hingestreckt;
Doch nicht von Weibern - nein, Gorgonen nenn ich sie,
Und wieder nicht den Bildern der Gorgonen gleich;

50



So sah ich sie gemalt, wie sie mit Phineus' Mahl
Von dannen fliegen; aber ungeflügelt sind
Die dort und schwarz und ganz entsetzlich anzuschaun;
Sie schnarchen unnahbaren Odems lauten Hauch,
Aus ihren Augen trieft ein grausenhaft Getropf;

55



Ihr Aussehn ist zu scheußlich, um der Götter Bild,
Der Menschen Wohnung traulich jemals sich zu nahn.
Nie sah ich einen Stamm von solchen Wesen je,
Noch rühmet irgendwo ein Land sich, dies Geschlecht
Straflos zu nähren, ohne Reue seiner Müh! -

60



Das weitre sei dem Herren dieses Heiligtums,
Dem Loxias, befohlen, dem großmächtigen;
Denn Seherheiland ist er, Zeichendeuter auch,
Und allen andern ihrer Häuser Reiniger.

ORESTES
85
86
87

Du weißt, o Herr Apollon, Unrecht nie zu tun;
Und da du's weißt, verlass mich jetzt nicht, denke mein!;
Und deine Macht ist solchen Wohltuns Bürge g'nug.

APOLLON
64
Dich werd ich nicht verraten; allzeit Hüter dir,
65



Ob neben dir ich stehe oder weit entfernt,
Werd deinen Feinden niemals freund und willig sein!
So siehst du jetzt gefangen diese Rasenden,
Vom Schlaf bewältigt ist die gottverhasste Brut,
Ergraute Weiber, greise Kinder, unter die

70



Sich weder Gott noch Mensch noch Tier sich jemals mischt;
Des Bösen wegen sind sie da, sie hausen drum
Im bösen Dunkel unten tief im Tartaros,
Der Menschen Abscheu und der Götter im Olymp.
Entflieh du trotzdem und ermatte weichlich nicht!

75



Sie jagen durch das weite Festland dich verirrt,
Der wegeirren Erde Plan durchschweifenden,,
Dich über Meer und meerumrauschte Inseln hin;
Und nicht zu früh ermüde, wie ein Rind gescheucht,
In solcher Mühsal. Ziehe dann gen Pallas' Stadt,

80



Setz an ihr altes Bild dich und umschling es fromm.
Und dort, wo Richter solcher Schuld und mildernd Wort
Wir für uns finden, werden Wege wir erspähn,
Dass frei und los du gänzlich werdest dieser Mühn;
Denn ich gebot zu töten deine Mutter dir!

88

Denk dran, damit nicht Furcht bewältge deinen Geist! -

an Hermes gerichtet
89

Du meines Blutes Bruder, gleichen Vaters Kind,

90


Hermes, behüt ihn! Deinem eignen Namen treu,
Sei sein Geleiter, führe wie ein treuer Hirt
Mir meinen Schützling! Ehrt doch Zeus die fromme Scheu,
Vor fremdem Mann, der gottgeleitet Menschen naht!

Hermes und Orestes gehen ab. Apollon kehrt in seinen Tempel zurück. Klytaimnestras Schatten taucht empor
KLYTAIMNESTRAS SCHATTEN
Ihr schlafet? Wehe! Was bedarf's der Schlafenden?
95



Ich aber, also vor den andern Toten ganz
Von euch missachtet - die ich umgebracht, ihr Schmähn
Auf mich, es hört dort nimmer auf im Totenreich, -
Umirr ich schmachvoll; denn ich sags's euch frei heraus,
Tief drückt mich nieder jener Klage Vollgewicht.

100



Doch ich, die litt so furchtbar von dem nächsten Blut,
Von allen Göttern keiner ist um mich ergrimmt,
Die muttermörderische Hände umgebracht!
Sieh da im Herzen diese meine Wunden an!
In Schlafes Dunkel ist der Seelen Auge hell,

105



Dem Tageshelle blendend auszuschaun versagt.
Wieviel des Guten habt genossen ihr von mir,
Weinlose Spenden, nüchtern kühlen Sühnetrank
Und mitternächtig stilles Mahl an Herdes Glut
In eurer Stunde, keinem Gott mit euch gemein.

110



Das alles, seh ich, schnöd in den Staub getreten wird's.
Doch er enflieht rasch laufend, einer Hindin gleich,
Ja leichten Fußes mitten aus dem Jägernetz
Entsprang er, sah hohnlachend noch zurück auf euch!
Hört mich! Um meiner Seele willen sprach ich ja!,

115

Besinnt euch, Göttinnen ihr der dunklen Unterwelt!
Denn Traumgestaltig ruf ich, Klytaimestra,euch!

CHOR



Kl.

[(Stöhnen des Chors)
Wohl stöhnt ihr; jener fliehet fern und ferner schon,
Dem Sohn, der nicht mein Sohn ist, Beistand ward ihm jetzt!

120



CHO.
Kl.

CHO.
Kl.

(Stöhnen des Chors)
Du schläfst so fest noch, dich erbarmt nicht meine Qual,
Und mein, der Mutter, Mörder, Orestes, er entlieht!
(Geheul des Chors)
Du heulst? du schläfst noch? Raffst dich eilig nicht empor?

125




CHO.
Kl.

CHO.

Was sonst, als Jammer schaffen, legt dein Amt dir aufl?
(Geheul des Chors)
Schlafsucht und Mühsal haben, mächtig sich verschworen,
Dir grauser Drachin wohl die ganze Kraft gelähmt?
(Wiederholtes, lauteres Stöhnen des Chors)

130




Kl.

Fass ihn! Fass ihn! Fass ihn! Fass ihn! Hetz!
Im Traum verfolgst dein Wild du, schlägst gleich einem Hund
Laut an, der niemals seines Dienstes Pflicht vergisst!
Du säumst? Empor spring! Mühsal mach dich nimmer müd;
Auch das vergiss nicht schlaferschlafft, welch Leid dich traf!

135



Gerechte Schelte geißle deine Nieren wund,
Denn für Verständ'ge gilt sie an des Stachels Statt!
Auf! Deines Mundes jähen Bluthauch stürm ihm nach,
Hindörr in Glut ihn, in der Eingeweide Brand,
Nach jag ihm, bring zur Strecke ihn mit zweiter Hatz!!

Klytaimnestras Schatten verschwindet
140

CHO.

Erweck, erwecke diese du, ich wecke dich!
Schläfst du? Erheb dich! Stoß den Schlaf von dir hinweg!
Nachsehen lasst uns, ob ihr Reden uns betrog!

Sie stürzen aus dem Tempel hervor (1. Str. im Wechsel, 2. u. 3. Str. Gesamtchor)

Hohu! Schwestern! ho! Müssen es leiden, oh! [1.Str.
So vieles schon erlitt ich! - Alles nun umsonst!
145



Müssen erleiden hier Schmähliches, leiden o!
Ein unsägliches Weh!
Aus sicherem Garn entsprungen, ha, entrinnt das Wild!
Vom Schlaf berückt büß ich meinen Fang!
Hohu! Sohn des Zeus, bist ein verschmitzter Dieb! [1.GStr.

150



Uns greise Götter überrennst du junger Gott!
Der du dem Flüchtling Schutz, Schutz dem Verruchten gibst,
Dem mordblutigen Sohn!
Den Muttermörder stahlst du uns, und bist ein Gott!
Wer wird gerecht nennen je solches Tun?

155



Es hat des Traumes Schelten, das im Ohr mir gellt, [2.Str.
Dem Rosslenker gleich mich aufgepeitscht,
Blutigen Geißelsschwungs!
Ja mich in Herz und Mark gepeitscht meiner Reu Marterknecht;

160



Wie er mich trifft, wie er mich stäupt,
Durchschauert mich grause, die zu grause Qual!
Und das bereiten jene neuen Götter uns, [2.GStr.
Gewalttäter sie an jedem Recht,
Mordesbespritzten Throns!

166


Ja, ihm zu Haupt und Fuß bespritzt ward der Erdnabel dort;
Blutige Schuld, schuldiges Blut,
Das verfluchteste, nahm er, zum Fluche sich, auf!
Mit solchem Blutgreul, er, der Seher, am eignen Herd [3.Str.

170



Schändet sein Haus er selbstwilligend, selbstberufend,
Er, der die Menschen ehrt wider der Götter Recht,
Der Moiren Macht, der uralten bricht!
An mir ein Schuld'ger, und erlöst doch nimmer ihn! [3.GStr.

175


Bärg in der Erd er sich, frei wird er nimmermehr doch!
Wie er den Mordfluch trägt, also vom eignen Blut
Ein andrer Rächer einst findet ihn.
Apollon, aus dem Tempel erscheinend
Ap.

Hinaus! befehl ich; dieses Tempelhaus verlasst

180



Sogleich! Hinwegzieht aus des Sehers Heiligtum,
Eh diese zischende schnellbeschwingte Schlange dich
Von meines Bogens goldgeflochtner Sehne trifft,
Vor Schmerz du ausströmst schwarzen menschentsognen Schaum,
Geronnen Blut ausspeist, das du bei Mord geleckt!

185



Fort! Meiner Wohnung dürfet ihr nicht nahe sein!
Nein, da, wo mörderköpfenden, augauswühlenden
Gerichtes Schlächterstätte, wo der Knab in geiler Lust
Verspritzt den eitlen Samen, wo Entmannete,
Steintodverdammte, unter qualvoll wildem Schmerz

190



Rückgratdurchspießte jammern! Habt ihr nun gehört,
Um welche Festlust, dran ihr euch ergötzt, verhasst
Den Göttern ihr seid? Jede Bildung eures Leibs
Verrät es; in des blutleckenden Löwen Höhl'
Ziemt's solcher Schar zu hausen, nicht im Heiligtum

195






Chf.

Göttlicher Weisung weilen solch entweihend Greul!
So zieht hinaus, weitschweifendend, hirtenlos zerstreut;
Denn solcher Herd' ist keiner hold der Himmlischen.
Du, Fürst Apollon, höre nun auch wieder mich!
Wohl bist du nicht zu nennen als Mitschuldiger,

200




Ap.
Chf.
Ap.
Chf.

Nein, du allein tatst alles, du Allschuldiger!
Wie das? So lang noch sei zu reden dir vergönnt!
Du gebotst dem fremden Manne seiner Mutter Mord!
Ich gebot ihm Rache seines Vaters. Sollt' ich's nicht?
Die frische Blutschuld nahmst du dann in deinen Schutz!

205



Ap.
Chf.
Ap.
Chf.
Ap.

In meines Tempels Schutz zu fliehn, befahl ich ihm.
Uns aber schmähst du, sein geleitendes Gefolg!
Euch kommt es nicht zu, meiner Wohnung euch zu nahn.
Und dennoch ist uns aufgetragen diese Pflicht.
Welch Ehrenpflicht denn? Rühme nur dein schönes Amt!

210




Chf.
Ap.
Chf.

Ap.

Die Muttermörder treiben wir aus Haus und Hof!
Wie denn? Auch den des Weibes, die den Mann erschlug?
Das ist mitnichten wahrer blutverwandter Mord!
So ganz missehrt wird und geringgeschätzt von dir
Der großen Hera und des Zeus eidheilger Bund,

215



Missehrt, verworfen Kypris auch mit solchem Wort,
Von der doch alles Liebste kommt den Sterblichen!
Geeint vom Schicksal ist des Mann und Weibes Bund, -
Vom Recht bewahret, heiliger noch denn selbst vom Eid.
Und bist du ihnen, die sich morden, mild genug,

220



Sie nicht zu strafen, nicht ergrimmt sie aufzuspähn,
So leugn' ich, dass Orestes du verfolgst mit Recht;
Denn dies, ich weiß es, sehr erfüllt es dich mit Zorn,
Das andre strafst du sichtlich viel gelassener.
Pallas Athene wird erforschen, was da Recht.

225



Chf.
Ap.
Chf.
Ap.

Chf.

Von jenem Mörder lass ich nun und nimmermehr!
Verfolg ihn also, dir zu mehren deine Müh!
Verkürz mir meine Ehren nicht mit solchem Wort!
Böt man sie mir, als Schande wies' ich sie zurück!
Ein Mächtger freilich wirst an Zeus' Thron du genannt!

230

Ich aber, - forttreibt Mutterblut mich, - zum Gericht
Nachspür ich ihm, nachjag ich diesem fliehnden Mann!

Der Chor begibt sich sich auf die Verfolgung


Ap. Ich aber will ihn retten, ihm gewähren Schutz;
Denn vielgewaltig ist bei Mensch und Gott der Zorn
Des Schutzbefohlnen, geb ich ihn freiwillig preis. -
Apollon geht in seinen Tempel ab. - Tempel der Pallas Athene auf der Burg von Athen; davor ein Altar und das Bild der Göttin. Orestes kommt ohne Hermes, setzt sich an den Altar der Göttin und umfasst ihr Bild.
235



Or.

Herrin Athene, auf des Loxias Geheiß
Komm ich; so nimm mich blutverfehmten gnädig auf,
Nicht mordbefleckt mehr, nicht mit ungesühnter Hand,
Nein, abgestumpft schon und verschliffen ist der Fluch
Auf vielen Wegen und in fremder Menschen Haus;

240


Denn über Land hin, über See umhergeflohn,
Folgsam der Weisung, die mir Loxias beschied,
Komm ich in dein Haus, Göttin, und zu deinem Bild;
Hier will ich weilen, warten auf des Gerichtes Schluss!

Der Chor tritt auf, zerstreut, suchend
Chf. Nur weiter! Dies ist seine Fährte offenbar;
245



Nachspürt dem stummen Rate der Verräterin!
Ja, wie der Spürhund einem angeschossnen Reh,
So wittern, seinem Schweiß und Blut nach, wir ihn aus!
Mir keucht von dieser menschenpirschenden Müh die Brust;
Denn abgetrieben ist der Erde ganz Revier!

250







1

Und über Meer hin setzt ich flügellosen Flugs
Ihm nach, und nach blieb hinter mir ein segelnd Schiff!
Jetzt muss er hier geducktt sich haben irgendwo;
Der Duft von frischem Menschenblute lacht mich an!
Sieh zu, sieh wieder zu!

255





2

Spürt genau umher, damit heimlich nicht
Der Muttermörder entkommt!
Da schau! Da schon zum zweiten Mal in gutem Schutz!
Der Unsterblichen Bild hat er sich angeschmiegt,

260




3


4

Fliehn in der Göttin Recht will er, der Schuldige!
Niemals geschieht das! Mutterblutja niederfloss!
Unwiederrettbares Blut!
So in den Staub einmal vergossen, ist's dahin!
Nein, büßen musst du's, dass ich dir lebendigem!

265





5

6

Aussaug aus den Adern roten Opfertrank!
Mich an dir satt schlürfen will ich, blutgen Misstrunkes satt!
Lebendig ab dich zehrend, jag dich hinab!
Büßen so gleicher Qual wirst du des Muttermordes Fluch!
Dort schauen sollst du, wer von den Menschen missgetan!

270






7

Frevelnd den Gott, den Gast hat verletzt,
Freveld der Eltern Haupt -
Jedweden leidend seiner Schuld gerechten Lohn!
Denn Hades ist der große Richter der Sterblichen,
Unter der Erde tief!

275




Or.

Alles in seines Sinns Tafel verzeichnend, hat er Acht!
Ich weiß, in meiner Leiden Schule wohl belehrt,
Von vielfach Sühnung, weiß auch, wo zu reden recht
Und wo zu schweigen. Aber wie es jetzt sich fügt,
Zu sprechen trug mir da ein weiser Lehrer auf;

280



Nun schläft die Blutschuld meiner Hand und trocknet auf;
Hinweggewaschen ist des Muttermordes Greul;
Auf Phoibos' Altar ward das Blut, noch war es frisch,
Von mir genommen durch der Opferferkel Blut.
Viel Worte braucht ich, wenn ich alle nennen wollt,

285



Die mir Gemeinschaft unbeschadet schon gegönnt;
Es macht die Zeit mitalternd uns von allem rein.
Und so denn ruf ich unentweihend lautren Munds
Zur Herrin dieses Lands, Athena, mir zu nahn
Als Helferin! Ganz ohne Waffen wird sie dann

290



Zu Freunden, kampfverbundnen, treu bewähreten,
Mich selbst gewinnen, meine Stadt und Argos' Volk.
Drum ob im fernen Uferlande Libyens
Am Busen Tritons, ihrer väterlichen Flut,
Den Fuß sie hebt, ob saumumfaltet ruhen lässt

295







Chf.

Den Ihren hilfreich oder ob sie Phlegras Feld
Gleich rüstgem Feldherrn scharenordnend überschaut,
Sie komme - fern auch, hört mich doch der Göttin Huld -,
Auf dass sie von mir nehme diese meine Schuld!
Nicht kann Apollon, nicht Athenas heilge Kraft

300



Dich schützen, dass du nicht, von meiner Wut verfolgt,
Verkommst, vergissest, wo im Herzen Freude weilt -
Der Götter Weide du, blutleer, ein Schatten bloß!
Wie, keine Antwort? Speist du meine Rede aus,
Du, mir gefüttert, mir anheimgefallen, du?

305



Lebendig musst du mich laben, nicht geschlachtet erst!
Hör unser Bannlied, das dich fesselt und dich fängt.
Auf, beginnet und schlinget den Reigen um ihn;
Da den grausen Gesang
Zu erheben beschlossen und Zeit ist

310



Zu verkünden das Amt, das unserer Schar
Obliegt in der Sterblichen Schicksal.
Wir rühmen uns schnellen, gerechten Gerichts;
Denn welcher die Hand schuldrein sich bewahrt,
Auf den niemals stürzt unsere Wut;

315



Schadlos durchwallt er sein Leben.
Wer aber, wie der dort, frevelbewusst
Die blutigen Hände zu bergen sucht,,
Da treten wir laut als Zeugen der Schuld
Den Erschlagenen auf und erweisen uns dem,

320




CHO.

der erschlug, als Rächer der Blutschuld!
Mutter du, die mich gebar, Urmacht,
Mich der lebendgen, mich der stummen Welt Strafmacht,
Hör! Es kränkt Lets Sohn mir mein Recht, mir die Ehre,

325



Raubet uns unsern Fang,
Muttermordschuldig Wild,
rechtes Sühneblut für Blut!
Drum um das Opfer dort [1.ZStr.
schlingt den Gesang,

330



Verstörung, Wirrsinn, Wahnsinn, -
Schlingt Erinyenfestgesang
Harfenlos, der Sinne Band,
Auszudörren Menschenkraft!
Zugesponnen hat uns Moiras [1.GStr.
Zwingende Macht dies

335



Amt für immerdar: Frevlern
Deren Haupt selbst sich gott-
losen Blutgreuel auflud,
Nachzuspän, nachzuziehn,
Bis ihn Nach birgt; und frei

340



Lass ich auch im Tod ihn nicht!
Drum um das Opfer dort [1.ZStr.
schlingt den Gesang,
Verstörung, Wirrsinn, Wahnsinn, -
Schlingt Erinyenfestgesang

345


Harfenlos, der Sinne Band,
Auszudörren Menschenkraft!
Als wir geboren, ist dieser Beruf uns geworden; [2.Str.

350



Aber zugleich, den Unsterblichen nimmer zu nahen;
Ihr Mahl teilen wir niemals
Und weißglänzend Gewand ist mir ewig versagt, kein Teil ward
[Mir an holdgesinntem Bund.]
Denn der Häuser Umsturz wählt [2.ZStr.

355



Ich mir. Wenn Mord lüstern beschleicht
Samtenen Tritts das eigne Geschlecht,
Hinter ihm, ho! jagen wir her!
Ist er auch mächtig, wir tilgen ihn
Weg ob des frisch vergossnen Bluts.

360


Einen der Götter entzog unsrer heiligen Pflicht einst [2.GStr.
Zeus, gewaltigen Willens mien Bitten verstoßend,
Dass dem Gericht er entginge.

365



Und wies drum die blutige, grausige Schar aus der Halle,
Weg aus Götternähe uns.
<Denn der Häuser Umsturz wählt [2.ZStr.
Ich mir. Wenn Mord lüstern beschleicht
Samtenen Tritts das eigne Geschlecht,
Hinter ihm, ho! jagen wir her!
Ist er auch mächtig, wir tilgen ihn
Weg ob des frisch vergossnen Bluts.>
Menschenruhm aber, wie herrlich er unter dem Himmel [373] [3.Str.
Prange, zur Erde hinsinkend hinschwindet er elend [374]

370



Unserem schattengewandigem Ansprung, unsrer
Sohle neideswildem Tanz. [376]
Denn auf ihn zu, jählings hinab [3.ZStr.
Stürmenden Sprungs, nieder in Staub
Reiß ich den schwer stürzenden Fuß.

375



Trügliche Stütze gestrecktem Lauf!
Schwer erträgliches Unheil!
Hingestürzt - nicht sieht er's in seiner Betörung [3.GStr.
Also, ein irrendes Dunkel, umnachtet die Schuld ihn;
Doch um den Schatten, der finster das Haus ihm durchdüstert, wehklagt

380



Stöhnend vieler Stimmen Ruf.
Denn auf ihn zu, jählings hinab [3.ZStr.
Stürmenden Sprungs, nieder in Staub
Reiß ich den schwer stürzenden Fuß.
Trügliche Stütze gestrecktem Lauf!
Schwer erträgliches Unheil!
Denn er bleibt. Doch listig, wir [4.Str.
Des Ziels gewiss, Böses nie
Vergessend, hochheilig,
Allunerbittlich jedem Flehn,

385



Handhaben wir schimpflich unglimpfliches Amt,
Den Göttern abgewandt,
in sonnenlosen Lichts Dämmrung,
Pfadunerforschlich dem sehenden Auge
Und dem blöden Blick zugleich.
Wo ist ein Mensch, welcher nicht [4.GStr.

390



Erbangt, erbebt, wenn er anhört
Meines Amts Satzung,
Von Moira gottbeschieden mir,
Dass ich es völlig erfülle, verhängt.
Auf mir ruht alte Würde,
ehrlos gelt ich nicht,

395

Hausen wir auch in den schaurigen Tiefen der Erde,
Und in sonnenleerer Nacht!

Athena kommt mit Schild und Lanze durch die Luft daher
ATHENA


Fernher vernommen hab ich einer Stimme Ruf,
Da ich Besitz nahm von Skamandros' Uferland,
Das der Achaier Fürsten und Gebieter dort

400



Von ihres Speeres Beute ein gemessen Los,
Mit Grund und Boden mir geweiht auf immerdar,
Den Kindern Theseus' zum erlesenen Eigentum.
Von dort mit nimmermüdem Fuße kam ich her
Ohn Flügel, meiner Aigis Bausch weit aufgesaust,
405



Jungkräftge Rosse, diesem Wagen vorgeschirrt.
Doch nun, da den Besuch ich seh in meiner Stadt,
So macht's mich bang nicht, aber wunder nimmt's den Blick.
Wer seid ihr? Beide red ich euch mit einem an,
Dich, fremder Flüchtling, der du sitzt an meinem Bild,

410



Und euch, Gebornen keines seienden Stammes gleich,
Göttinnen weder, wie des Gottes Blick sie schaut,
Noch auch vergleichbar mit der Gestalt der Sterblichen.
Doch Schmähn ob seiner Missgestalt den Nächsten, ist
Weitab vom Rechten, nicht gemäß dem Schicklichen.

415



Chf.


Ath.
Chf.

Erfahre du, Zeus' Tochter, alles kurzgedrängt:
Wir sind die grausen Kinder der Urnacht Schoß,
Die Flüche heißt man unten uns im Schattenreich.
Ich kenne dein Geschlecht und deines Namens Sinn.
Von meinen Ehren auch vernimm und meinem Amt!

420



Ath.
Chf.

Ath.
Chf.
Ath.

So lass mich hören und erklär es deutlich mir.
Die Menschenmörder treiben wir aus Haus und Hof.
Und wo erreicht der Mörder seiner Flucht ein Ziel?
Wo keine Stätte keiner Freude wird gegönnt!
Und solche Flucht schreist ebenfalls du diesem nach?

425



Chf.
Ath.
Chf.
Ath.
Chf.

Ja, seiner Mutter Mörder wählte der zu sein!
War keine Not sonst, deren Zorn er fürchtete?
Wo ist ein Stachel, mächtig bis zum Muttermord?
Zwei sind zu hören; deinen Teil vernahm ich erst.
Doch keinen Eid legt er wohl ab, nimmt keinen an!

430



Ath.
Chf.
Ath.
Chf.
Ath.

Gerecht genannt sein willst du lieber als es sein?
Wie das? Belehr mich! Denn an Weisheit bist du reich.
Durch Eide sieget nimmermehr, was nicht gerecht.
Wohlan, verhör ihn und entscheide kurz und gut!.
Mir übergeben also ist des Streites Spruch?

435



Chf.
Ath.

Jawohl, zu ehren würdig dich mit Würdigem.
Was willst du, Fremdling, dem erwidern deinerseits?
Nenn deine Heimat, dein Geschlecht, dein Missgeschick;
Des weitren wende solchen Vorwurf von dir ab,
Wofern, vertrauend deinem Recht, an meinem Bild

440






Or.

Du harrend sitzest meinem heilgen Herde nah,
Als heilger Sühnesucher, wie Ixion einst.
So gib mir Antwort und erklär es deutlich mir!
Herrin Athena, aus dem letzten, was du sprachst,
Lass mich zuerst entfernen eine große Sorg!

445



Nicht schuldbefleckt mehr sitz ich hier, nicht haftet Blut
An dieser Hand mehr, die an deinem Bilde lehnt;
Ein großes Zeugnis dessen will ich kund dir tun:
Brauch ist's, dass stumm bleibt, wer die Hand in Blut getaucht,
Bis dass ein Mann, der Blutessühne kundig ist,

450



Ein saugend Tier ihm opfertötend bluten lässt;
Und so gesühnet ward in andern Häusern ich
Mit Tierblut lang schon und mit reiner Quelle Flut.
Damit ersiehst du diese Sorge abgetan;.
Nun meine Heimat höre noch und mein Geschlecht:

455



Aus Argos bin ich, meinen Vater kennst du wohl,
Agamemnon, jener Seegeschwader König einst,
Mit dem du Trojas stolze Feste niederwarfst;
Bei seiner Heimkehr aber kam er traurig um,
Denn meine Mutter, die verderbensinnende,

460



Hat ihn erschlagen unter buntgewirktem Netz,
Drin sie ihn barg, das Zeugnis gibt vom Mord im Bad .
Drauf als ich heimkam, denn zuvor war ich verbannt,
Erschlug ich, die mich geboren, leugnen will ich's nicht,
Des teuren Vaters Mord mit Mord zu züchtigen.

465



Und alles dessen trägt Apollon mit die Schuld,
Der herzzergeißelnd Leiden mir verkündete,
Wenn ich es nicht vollbrächte an den Schuldigen.
Du woll entscheiden, ob gerecht ich oder nicht;
In deine Hand geb ich mich ganz; du richte mich!

470



Ath.

Schwer ist das Urteil hier zu fällen, schwerer als
Ein Mensch es glaubt; auch mir nicht stehet solches zu,
Zu schlichten solchen zornempörten Mordes Streit,
Zumal da du, gereinigt doch schon nach dem Brauch,
Bittflehnd nahtest, rein, gefahrlos meinem Haus.

475



So nehm ich auf dich ohne Tadel in der Stadt.
Doch jenen ward ein Anspruch, schwer abweisbar auch,,
Und wenn der Richtspruch ihnen nicht Sieg zuerkennt,
So bringt der Giftschaum, den ihr Hass zu Boden trieft,
Einst unsrer Landschaft unerträglich grause Pest.

480



So steht es; beides, ob ich bleiben lasse sie,
Hinaus sie weise, leidig ist's; Wahl weiß ich nicht!
Doch da die Sache jetzt zu uns her hat gedrängt,
So wähl ich Richter über Mord, eidpflichtige,
Und diese Satzung gelte fort für alle Zeit;

485



Ihr aber schafft euch Zeugen und Beweis herbei
Zu eurem Beistand, und die Schwüre eures Rechts.
Ich geh, zu küren meiner Bürger Edelste,
Und komme dann, wahrhaft zu schlichten diesen Streit
Nach streng bewahrtem Eide und dem Recht getreu.

490



CHO.

Umbruch unerhörten Rechts hebet an, [1.Str.
Wenn des gottlosen
Muttermörders Schuld
Vor Gericht siegen darf!
Allzumal lockt die Menschen dieser Tat

495



Leichtes Spiel zu gleicher Tat
Offenkundig, von Kindeshänden
Freche Gewalt, geahndet nicht,
Ist hinfort der Eltern Los!
Nicht der Blutmänaden Zorn ferner noch [1.GStr.

500



Menschenschuldspähend
Schleicht er nach der Schuld;
Allen Mord geb ich frei!
Und umsonst andre strafend anderswo,
Schildernd, was und wie's geschah,

505



Suchend des ein End und Abwehr;
Alle die Mittel, so ein Tor
Eitel rät, helfen nichts!
Jammern rufe keiner dann, [2.Str.
Schwergetroffen schweren Wehs

510



Fürder keinen solchen Ruf:
"O Gericht,
o heil'ger Erinyenthron!"
Also wird ein Vater bald,
Eine Mutter, der von dem Sohn

515



Leid geschehn ist, jammernd schrein,
Wenn der Herd des Rechts gestürzt.
Ja, es wirkt, was furchtbar ist, [2.GStr.
heilsam auch an seinem Ort,
Und ein Herzenshüter muss

520



Bleiben stets;
Zucht in Tränen lernen frommt.
Wer in dessen Seele nicht
Weilt und wirket rechte Furcht,
Seis ein Mensch, ein Volk, ein Staat,

525



Scheut aus eignem Trieb das Recht?
Weder drum unbeherrscht [3.Str.
Noch gewaltgknechtet sein
Lobe du!

530



Jeglicher Mitte beschieden die Himmlichen Herrschaft; jedes
Hütet des andern;
Wohlgemessen ist mein Wort:
Unfrommes Herz, es erzeugt Überhebung fürwahr,

535



Doch der Gesinnung
Gesundheit allteuren,
allsehnlich erflehten Segen!
Doch zumeist rühm ich dies: [3.GStr.
Scheue stets den Herd des Rechts;

540



Tret es nie
Nieder mit frevelnder Ferse, den Vorteil erspähend:
Sühne wird dich erfassen;
Dein, entscheidend, harrt das End!

545



Jeder stets ehre die Eltern mit heiliger Scheu,
Und die Gemeinschaft
Am Tisch des Gastfreundes
sei jeglichem hoch und heilig!
Wer willig so, ohne Zwang, gerecht sich zeigt, [4.Str.

550



Bleibet unbeglückt nicht;
Im Elend ganz wird er nie versinken!
Doch sag ich laut: Übertreter, Trotzes frech,
So reich ihr Schiff wider Recht voll des Gutes

555



Dahinfährt, - ihre Segel senken
Werden sie bald, wenn harte Not
Fasst die zerschellenden Masten!
Sein Hilfeschrein, wenn er gegen Strudels Wut [4.GStr.
Ringt, erhöret niemand;

560



Der Daimon lacht heißen Menscheneifers,
So ihn, der stets Rat zu wissen sich berühmt,
Ratlos zu sehn, aufzutauchen nur, zu schwach!
Zuletzt samt seinem einst'gen Reichtum
Strandend am Fels des Rechts, versinkt er;

565

Keiner beweint, vermisst ihn!

Der Felshügel des Areopag; aus der Stadt kommt, von einem Herold geführt, ein Zug athenischer Greise, die den Hügel ersteigen und ihre in den fels gehauenen Sitzplätze einnehmen. Zahlreiche Bürger folgen; Orestes gesondert von den übrigen. Athena erscheint in ihrer Mitte.



Ath.

Verkünde, Herold, dass du Ruhe schaffst im Volk!
Lass himmelauf erschmetternd die tyrrhenische
Trompete, deines tiefgeschöpften Hauches voll,
Mit übertönendem Rufe strahlen durch das Volk!

570







Chf.
Denn da bereits sich füllet dieses Tribunal,
So sollen schweigend meine Richter und die ganze Stadt
Vernehmen meine Satzung jetzt für ew'ge Zeit,
Damit dder Spruch für beide falle aus gerecht!
Du, Fürst Apollon, was dein eigen ist, beherrsch's!
575




Ap.

Doch welchen Anteil du an diesem Streit hast, sag's!
Sowohl zu zeugen kam ich - denn kraft heil'gen Rechts
Ist dieser Mann mein Schützling, meines Tempels Herd-
Genosse; ich hab seines Mordes ihn entsühnt -,
Dann selber mitzurechten, denn ich habe Schuld

580





Ath..

Am Morde seiner Mutter. Doch du leit es ein,
Wie du es weißt, und bring zum Urteil diesen Streit!
Das Wort ist euer - also leit ich ein den Streit.
Der Kläger also, dem zuerst das Wort gebührt,
Mag uns den Hergang schlecht und recht zu wissen tun.

585



Chf.


Or.
Chf.

Zwar sind wir viele, doch wir äußern uns gedrängt.
Du gib die Antwort deines Teils uns Wort um Wort!
Sag denn zum ersten, ob du die Mutter umgebracht?
Umbracht ich sie, und daran gibt's zu leugnen nichts.
Dies war des dreigeteilten Ringkampfs erster Gang!

590



Or.
Chf.
Or.
Chf.
Or.

Doch fiel ich nicht schon, dass du also prahlen darfst!
Angeben musst du weiter, wie du umgebracht.
Ich sag's: den Nacken schnitt ich durch mit meinem Schwert.
Von wem veranlasst warst du und durch wessen Rat?
Durch dieses Gottes heilgen Spruch; er selbst bezeugt's.

595



Chf.
Or.
Chf.
Or.
Chf.

Der Seher hat dich angeführt zum Muttermord?
Und noch bis jetzt nicht werf ich mein Geschick ihm vor.
Doch fasst der Spruch dich, wirst du anders sprechen bald!
Gewiss schickt Beistand mir mein Vater aus dem Grab.
Hoff du auf Tote, der die Mutter tötete!

600



Or.
Chf.
Or.
Chf.
Or.

Zwiefachen Frevel lud sie auf ihr schuldig Haupt.
Wie das? Belehre dessen dort die Richtenden.
Den Mann erschlug sie und erschlug den Vater mir.
Du aber lebst noch, sie jedoch ist vom Mord.
Warum denn hast im Leben du sie nicht verfolgt?

605



Chf.
Or.
Chf.

Or.

Sie war dem Mann nicht blutsverwandt, den sie erschlug.
Ich aber, sagst du, bin von meiner Mutter Blut?
Trug denn, du Blutger, unter ihrem Herzen sie
Dich nicht? Verleugnest du der Mutter teures Blut?
Nun lege du mir Zeugnis ab, erweise du

610







Ap.
Mir nun, Apollon, ob ich mit Recht sie mordete.
Denn schuldig dieser Tat zu sein, nicht leugnen wir's;
Doch ob gerecht du oder nicht dies Blut erklärst,
Triff die Entscheidung, dass ich's ihnen sagen kann!
So sag ich's denn Athenas hohem Richterrat
615



Gerecht war's! Ich, der Seher, täusch euch nimmermehr.
Niemals geweissagt hab ich auf dem Seherthron,
Für Mann und Weib, für Stadt und Volk verheißen nichts,
Was Zeus, der Vater im Olympos, nicht befahl.
Zu lernen trachtet dieses Recht, wie hoch es gilt,

620





Chf.

Und nachzukommen meines Vaters ewgem Rat;
Denn nicht des Eides Heiligkeit gilt mehr denn Zeus!
Zeus hat, so sagst du, dir geboten solchen Spruch,
Dass du Orestes rietest, seines Vaters Mord
Zu rächen - sollte der Mutter Ehrfurcht nichts ihm sein?

625



Ap.

Gar anders ist es, wenn ein hochgeborner Mann,
Mit gottbeschiednem Szepter heilger Macht belehnt,
Umkommt von einem Weibe, nicht etwa im Kampf
Von einer Amazone ferngeschossnem Pfeil,
Nein, dass du's hörest, Pallas, und die mit dir sind,

630




Mit ihren Stimmen zu entscheiden diesen Streit:
Als er vom Feldzug kehrend, froh meist glücklichen
Ausgangs, von ihr mit freundlichen Worten laut begrüßt
. . . . . . . .
Hintritt zum Lager, bietet sie ein Bad ihm an,
Sie zeltet drüber einen Mantel, fängt ihn ein

635



Im künstlich unendlichen Gewirk und schlägt ihn tot!
Wie ich erzählt, so war des Helden Untergang,
Des allerhabnen Seegeschwaderköniges;
Sie stell ich so dar, dass es empören muss den Rat,
Dem übertragen dieses Streits Entscheidung ist!

640



Chf.



Ap.

Vorzieht das Los des Vaters Zeus nach deinem Wort
Und band doch seinen greisen Vater Kronos selbst!
Sagst dies du nicht mit jenem klar im Widerspruch?
Ihr aber hört es, euch zu Zeugen ruf ich auf!
Ihr ganz verhassten, gottverfluchten Ungeheur!

645



Erzbande kann man lösen, da ist Hilfe noch,
Da zur Befreiung viele Mittel vieler Art;
Doch wenn des Mannes Blut der Staub getrunken hat -
Einmal gestorben, und es kommt kein Auferstehn:
Dafür erfand mein Vater keinen Spruch noch Kunst,

650





Chf.

Der sonst doch alles allzumal hinab, hinauf
Verkehrend stürzt und dabei nicht ins Keuchen kommt!
Wie dessen Unschuld du erweisen willst, sieh zu!
Der seiner Mutter blutverwandtes Blut vergoss,
Dem sollt in Argos fürder sein das Vaterhaus?

655






Ap.

Zu welchen Volksaltären wird er opfernd nahn,
Bei welchem Weihguss seinem Stamm willkommen sein?
Drauf sag ich so, du merke, wie gerecht mein Wort:
Nicht ist die Mutter ihres Kindes Zeugerin,
Sie hegt und pflegt den eingesäten Samen nur;

660


Es zeugt der Vater, aber sie bewahrt das Pfand,
Dem Freund die Freundin, wenn ein Gott es nicht verletzt.
Mit sichrem Zeugnis will ich das bestätigen:
Denn Vater kann man ohne Mutter sein; Beweis
Ist hier die eigne Tochter des Olympiers Zeus,
. . . . . . . .

665




Die nimmer eines Mutterschoßes Dunkel barg;
Und edler Kind gebar doch keine Göttin je.
Ich aber, Pallas, werde, wie ich's kann und weiß,
Groß machen dein Volk, deine Stadt zu aller Zeit.
So sandt ich diesen her an deines Tempels Herd,

670







Ath.
Auf dass er Schutz hier fände für jetzt und immerdar,
Dass du dir, Göttin, ihn gewännst zum Bundesfreund
Und alle nach ihm, und es bleibe ewiglich,
Dass treu am Bunde halten Kind und Kindeskind!
So denn gebiet ich, werft nach eurem Sinn den Stein
675




Chf.

Ath.
Ap.

Gerechten Urteils; denn der Worte sind genug!
Wir haben freilich abgeschossen jeden Pfeil;
Zu hören harr ich, wie der Kampf gerichtet wird!
Und ihr? Wie füg ich's, eurem Tadel zu entgehn?
Ihr hörtet, was ihr musstet; jetzt im Herzen tief

680




Ath.

Hört meine Satzung, Männer, Volk von Attika,
Der ersten Klage Richter um vergossen Blut!
Es soll des Aigeus Bürgern dieses Tribunal
Für alle Zukunft fürder bleiben und bestehn.

685



Denn dieser Areshügel, der Amazonen Ort
Und Lager, als sie gegen Theseus neideesvoll
Zu Felde zogen, unsrer neugebauten Stadt,
Der hochgetürmten, gegentürmten ihre Burg,
Und sie dem Ares weihten, dessen Namen nun

690



Der Berg Areiospagos trägt - auf dem beruht
Des Volkes Ehrfurcht und die blutsverwandte Furcht;
Dem Frevel wehren beide nächtens und am Tag,
Wenn nicht die Bürger selber trüben mein Gesetz
Mit schlechtem Zuguss. Doch so du den klaren Quell

695



Mit Schlamm verunreinst, labt er nicht dich Durst'gen mehr.
Nicht unbeherrscht und nicht gewaltgeknechtet sein,
Das sei dem Volk, fürsorgend rat ich's, hoch und wert!
Und nicht entfernt euch alles Mächtge aus der Stadt;
Denn welcher Mensch bleibt, wenn er nichts mehr scheut, gerecht?

700



Wenn solcher Ehrfurcht frommen Sinn ihr redlich hegt,
Des Landes Bollwerk, eures Staates Kraft und Heil,
So nennt ihr euer, was der Menschen keiner hat,
Der Skythe weder noch des Pelops nahes Land.
Goldunbestechlich hab ich dieses Tribunal,

705



Ehrfurcht gebietend, strenge zürnend, Schlafenden
Zur immer wachen Hut des Landes eingesetzt.
Nach dieser Weisung, die für alle Zeit hinaus
Gegeben meinem Volke sei, erhebet euch,
Nehmt euer Steinchen und entscheidet diesen Streit,

710

Des Schwurs in Ehrfurcht denkend. Alles wisst ihr nun!
Die Areopagiten erheben sich und treten unter den folgenden Wechselreden je einer an den Altar, um ihre Stimmsteine in die Urne zu werfen



Chf.

Ap.

Sei's euch geraten, keinen Schimpf in keiner Art
Uns grausen Gästen eures Landes anzutun!
Und ich gebiet euch, ehrt und fürchtet wohl des Zeus
Und meine Sprüche und beraubt sie nicht der Frucht!

715



Chf.

Ap.

Chf.

Ins Amt des Blutes drängst du unberufen dich!
Nicht mehr kannst lautren Wahrspruch mächtig spenden du.
Mein Vater hat wohl auch gefehlt in seinem Rat,
Als er Ixion ersten Mordes reinigte?
Du sagst es: wird uns unser Recht hier nicht zuteil,

720




Ap.

Chf.

Heimsuchen furchtbar werden dann wir dieses Land!
Doch unter allen jung und alten Göttern giltst
Du ewig ehrlos; mir gehören wird der Sieg!
In gleicher Weise tatest du's in Pheres' Haus:
Du zwangst der Moira Todgeweihter Leben ab.

725



Ap.

Chf.

Ap.

So wär es wohlzutun nicht recht dem, der mich ehrt,
Besonders dann, wenn meines Beistands er bedarf?
Du hast die Mächte grauer Vorzeit umgestürzt,
Mit Wein berückt die alten Schicksalsgöttinnen!
Du speist, verfehlend gleich dein Zeil in diesem Streit,

730




Chf.

Gift gegen deine Feinde, das nicht schadet mehr!
Da du, der Jüngling, mich, die Greisin, niederrennst,
So wart ich ab zu hören, wie das Urteil fällt,
Noch unentschlossen, meinem Zorn die Stadt zu weihn.

Athena tritt als letzte an die Urne
Ath. Mein Recht ist's, abzugeben einen letzten Spruch,
735



Und für Orestes leg ich diesen Stein hinein.
Denn keine Mutter wurde mir, die mich gebar,
Nein, vollen Herzens lob ich alles Männliche,
Bis auf die Ehe; denn des Vaters bin ich ganz.
Darum des Weibes Los begünstgen werd ich nie,

740



Das umgebracht hat seinen Mann, des Hauses Hort.
Es sieg Orestes auch bei stimmengleichem Spruch! -
So schüttet denn die Steine aus der Urne aus,
Wieviel von euch, ihr Richter, dieses Amt versehn!

Die Urne wird geleert
Or. Phoibos Apollon, wie entschieden wird es sein?
745



Chf.
Or.
Chf.
Ap.

O schwarze Nacht, o Mutter, siehst du, was geschieht?
Jetzt droht der Strang des Henkers oder Sonnenlicht
Uns droht Vernichtung oder Ehre weiterhin!
Sorgfältig, Freunde, zählet beider Steine Zahl
Und alles Unrecht scheuet bei der Auszählung!

750





Ath.

Or.

Fehlt eine Stimme, so entsteht ein schweres Weh,
Ein einzger Stein erhebt ein tiefgestürztes Haus!
Du bist, Orestes, frei erkannt im Blutgericht,
Für Ja und Nein ergab sich gleich der Steine Zahl!
O Pallas, o du meines Hauses Retterin!

755



In meine Heimat hast mich Heimatlosen du
Zurückgeführet! Heißen wird's in Hellas nun:
"Der Mann von Argos ist Argeier wieder, wohnt
Im Haus des Vaters, Pallas gab's und Loxias
Ihm wieder und der dritte allvollendende

760



Erretter", der aus Rücksicht auf des Vaters Los
Mich rettet, und doch dort der Mutter Helfer sieht!
Ich aber, deinem Lande, deinem teuren Volk,
Für aller Zukunft unerkennbar ferne Zeit
Schwör ich, zur Heimat ziehend, diesen heilgen Schwur:

765



Nie soll ein Heerfürst jenes Landes diesem Land
Als Feind gewappnet mit geschärfter Lanze nahn;
Nein, ich in meinem Grabe dann, ich selber will
Die Übertreter dieses meines heilgen Schwurs
Mit unentfliehbar schwerem Elend züchtigen,

770



Den Aufbruch mutlos, zeichentraurig ihren Weg
Erscheinen lassen, bis sie selbst ihr Mühn gereut.
Doch wenn den Schwur sie halten und die teure Stadt
Der Pallas ehren stets mit bundestreuem Speer,
So werd' ich ihnen doppelt hold und gnädig sein!

775


Heil dir, Athena! Heil dir, Volk in dieser Stadt!
Unüberwindlich sei im Kampfe jedem Feind
Und allerrettend euer Speer und siegesstark!

Orestes und Apollon treten ab

CHO.

Io, ihr Götter jungen Stamms, der Urwelt Gesetz [1.Str.
Ihr rennt es nieder, reißt es fort aus meiner Hand!

780



Ich bin entehrt, ich Unglückselige, bitter empört
Dem Schmachland hier, weh!
Rächend zu Boden hier trief' ich
Des Herzens Gifttropfensaat.
Grausige, draus hervor ein blattlos, fruchtlos

785



Wuchern Genist zur Rach'
Über die Fluren gerankt,
Pestlachen, todesgiftige durch das Land verstreut!
Aufstöhn ich! Was tu ich?
Das Volk rings, es lacht mein!
790






Ath.
Ich leid unerträglich Leid,
Wir schwergetäuschten, weh! Ach, wir unseligen
Nachtkinder, qualvoll Entehrte!
Folgt meinem Wort! Stöhnt nicht so schwer! Tragt, was geschehn!
795



Denn nicht verurteilt seid ihr, sondern stimmengleich
Entschied der Richtspruch, wahrlich nicht für euch zur Schmach!
Jedoch von Zeus selbst trat ein Zeugnis leuchtend auf,
Und der's geboten, eben der war Zeuge ja,
Es sei Orestes ob der Tat der Strafe frei.

800



Ihr aber speiet schweren Hass auf dieses Land?
Besinnt euch! Zürnet nicht! Wollet nicht der Ernte Tod
Verhängen, Giftschaum niedertriefend, scheußlichen,
Der grünen Saat zerfressenden schonungslosen Tau!
Denn ich gelob euch und verspreche feierlich,

805






CHO.

Dass ihr an rechter Stätte Sitz und Heiligtum,
An throneshellem Herde heimisch hier zu sein,
Euch sollt gewinnen, meinen Bürgern fromm verehrt!
Io, ihr Götter jungen Stammes, der Urwelt Gesetz [1.GStr.
Ihr rennt es nieder, reißt es fort aus meiner Hand!

810



Ich bin entehrt, ich Unglückselige, bitter empört
Dem Schmachland hier, weh!
Rächend zu Boden hier trief' ich
Des Herzens Gifttropfensaat.
Grausige, draus hervor ein blattlos, fruchtlos

815



Wuchern Genist zur Rach'
Über die Fluren gerankt,
Pestlachen, todesgiftige durch das Land verstreut!
Aufstöhn ich! Was tu ich?
Das Volk rings, es lacht mein!

820






Ath.

Ich leid unerträglich Leid,
Wir schwergetäuschten, weh! Ach, wir unseligen
Nachtkinder, qualvoll Entehrte!
Nicht seid entehrt ihr, drum so macht nicht wilden Zorns,

825



Göttinnen ihr, den Menschen unwirtbar ihr Land!
Auf Zeus vertrau ich; was bedarf's der Worte noch?
Von den Göttern weiß nur ich den Schlüssel des Gemachs,
In dem der Blitzstrahl siegeleingeschlossen ruht.
Doch dessen braucht's nicht, folge du nur willig mir!

830



Schütt auf das Land nicht deines Mundes taube Saat
Hinab, die nichts als alles Unwillkommne trägt;
Bring deines Ingrimms schwarzen Wogensturz zur Ruh,
Du Heilighehre, die du mit mir wohnen wirst.
Und wenn dir einst Erstlinge dieser weiten Au,

835





CHO.

Dir Opfer für der Kinder, für der Ehen Heil
Geweihet werden, loben wirst mein Wort du dann!
Ich das erdulden, oh! [2.Str.
Ich, die Ergreisete, oh! Unter der Erde ich hausen,
Entehrtes Greul!

840



Vor Wut glüht die Brust, vor endlosem Grimm!
Hohu! Schmach! Jammer!
O wie der grimme Schmerz mir wühlt im Geweid!
Höre mein Schreien, o Nacht, Mutter!

845





At.

Denn mich der Ehren hat, der urheiligen,
Siegender Göttertrug unrettbar beraubt!
Den Zorn verzeih ich, denn du bist die ältere;
Und bist gewiss in vielem weiser auch als ich,

850



Doch dank ich Zeus die Gabe, recht gesinnt zu sein.
Wenn ihr hinauszieht fern in ferner Menschen Land,
Hesehnen werdet bald ihr euch, ich sag's vorher.
In Ehren hehrer wird die Welle nächster Zeit
Mein Volk emporwärts tragen; Preis und Feier dann

855



Dem Haus Erechtheus' nahe wohnend wirst auch du
Von Männern hochgefeiert und von Weibern sein,
Wie nie bei andren Sterblichen dir ward zuteil!
Nun aber schleudre nicht in meinem Land umher
Den blutgewetzten Hader, Hassverwilderung

860



Ins Herz der Jugend, Trunkenheit weinloser Wut;
Noch Trutz entzündend wie in Hahnes Herzen lass,
In meinen Bürgern Stätte du dem Ares sein,
Des Bürgerkrieges und des wechselseit'gen Grimms.
Der Krieg bleib vor der Grenzmark! Leicht ja flammt's dort auf,

865



Dort suche sich ihr Feld die furchtbare Gier nach Ruhm!
Doch Kampf von eines Hofs Geflügel mein' ich nicht.
Das nun zu wählen lass von mir dich lehren, dass
Wohltuend, wohlempfangend, wohlgeehrt du teil
An meinem Lande nehmst, dem gottgeliebtesten!

870



CHO.

Ich das erdulden, oh! [2.GStr.
Ich, die Ergreisete, oh! Unter der Erde ich hausen,
Entehrtes Greul!
Vor Wut glüht die Brust, vor endlosem Grimm!
Hohu! Schmach! Jammer!

875


O wie der grimme Schmerz mir wühlt im Geweid!
Höre mein Schreien, o Nacht, Mutter!
Denn mich der Ehren hat, der urheiligen,

880




At.

Siegender Göttertrug unrettbar beraubt!
Nicht müde werd ich, dir zu sagen besten Rat,
Damit du nie meinst, du, die alte Göttin, seist
Von mir, der jüngren, und dem Volke meiner Stadt
Ehrlos und gastlos fortgejagt aus diesem Land;

885



Nein, ist dir Peithos hehre Macht verächtlich nicht,
Des Wortes Balsam lindernd und besänftigend,
So wirst du willig bleiben. Aber willst du's nicht,
So ist es unrecht, dass du diese Stadt bedrohst
Mit deiner Wut, mit deinem Zorn und großer Not,

890

Da dir doch freisteht, Teil an unserm Lande hier
Zu haben, hochehrwürdig stets und hochgeehrt!

Nach einer längeren Pause


Chf.
Ath.
Chf.
Herrin Athena, was für Wohnung bietest du?
Von allem Kummer ungestört; du nimm sie an!
Wenn ich sie nähme, was für Ehren blieben mir?
895



Ath.
Chf.

Ath.
Chf.

Ath.

Dass fürder kein Haus ohne dich je soll gedeihn!
Willst du erwirken, dass ich also viel vermag?
Ja, wer dich ehret, des Geschick will ich erhöhn!
Und willst du Bürgschaft geben mir für alle Zeit?
Zusagen kann ich nimmer, was ich nicht vollend.

900



Chf.
Ath.
Chf.

Ath.

Ich glaube, du besänftigst mich; es weicht mein Zorn!
So wirst du Freunde dir gewinnen hier im Land!
Und nun, wie sagst du, soll ich segnen dieses Land?
Was Segen immer solchem ungetrübtem Sieg
Entkeimen aus der Erde mag, dem Tau der See,

905



Dem hohen Himmel und dem sonnigkühlen Wehn
Der Winde, werde meinem Lande das zuteil!
Und aller Herden, aller Fluren froh Gedeihn,
Ermüde nicht dem Volk zu lohnen fleißge Müh;
Des Mutterschoßes Segen auch sei unverletzt.

910



Die Frevler aber auszujäten säume nicht!
Denn nach des treuen Gärtners Art erfreuet mich
Der Gerechten unverkümmert Blühn; des sorge du!
Ich aber will mit schlachtenkühnen, glänzenden
Heerfahrten ruhn und rasten nicht, vor aller Welt.

915




CHO.
mit Ruhm zuschmücken diesemeine Siegesstadt!
Haus und Herd neben Pallas nehm ich an; [1.Str.
Nicht verschmähn will ich die Stadt,
Die auch Zeus der Allbewältger, so
Ares ehrt als Götterburg,
Als der Helle-
920



nen altarschirmend Götterlieblingshaus;
Ihr den Segen sag ich gern,
Ihr verkünd ich gnadenmild:
In stetem Blühn des Lebens Wohl,
Ein reich Gedeihn

925





At.
Aus nächtgem Erdenschoße soll
Schmeicheln heitrer Sonnenschein!
Wohl hab ich getan, fürsorgend dem Volk,
Dass in unsere Stadt, ansiedelnd, ich auf
Die gewaltigen, schwer zuversöhnenden nahm.
930



Denn mit Acht zu begleiten all menschliches Tun
Ward ihnen zuteil;
Wer den Zürnenden dann verfällt, weiß nicht,
Woher in der Schlag des Todes ereilt;
Denn die Schuld, von den Vätern ererbt, sie treibt

935






CHO.

Ihn in ihre Gewalt; das Verderben zermalmt,
wie sehr er auch prahlt,
ihn in wortlos grimmigem Zorn.
Wehen soll waldverwüstend Wetter nie! [1.GStr.
- Das ist mein Geschenk dem Land, -
Brand nie, Pflanzenaugen sengend, suchen

940



Dieses Landes Auen heim;
Nie ersticke Misswachs
Jammervoll der Saaten Blühn;
Schafe, froh in Sattigkeit,
Zwillingslämmer um sie her,
945







Ath.

Ernähr dies Feld zu seiner Zeit;
des Berges Schatz,
Ström erzreich, sei der Arbeit Frucht,
Götter Segen, froher Fund!
Ihr habt es gehört, Obhüter der Stadt,
Was euch sie verheißt?

950



Denn der hehren Erinys Macht, sie vermag
Bei den Himmlischen viel, und in Hades Reich;
In der Menschen Geschick,
Obwalten sie sichtlich mit sicherer Hand,
Dem frohen Gesang zuweisend, und dem
955




CHO.
Ein tränengetrübtes Dasein!
Manneskaraft, blühnde Pracht, [2.Str.
mähe nimmer jäher Tod;
Doch den Mädchen lieb und hold
960



Rüstet die bräutlichen Freuden, soweit ihr berechtigt!
Ihr auch, Moiren,
Schwestern der Mutter,
Ordnende Mächte der Welt,
Jeglichem Hause verbunden,

965






Ath.
Jeglicher Stunde gewärtig,
heilger Pflichten Schutz zu sein,
Allzeit aller Götter Teuerste!
Dass sich dies für mein Land
so huldreich erfüllt,
970



Mich erfreut's gar sehr;
Und ich lobe mit Recht mir Peithos Blick,
Die dazu mir das Wort und die Lippe gelenkt,
Dass ich sie, die sich wild mir versagten, erweicht;
Doch gesiegt hat Zeus, der die Redner beschützt;
Stets sieget bei uns

975




CHO.
Wetteifernd Bemühn für das Gute!
Mag des Aufruhres blut- [2.GStr.
ungesättigt Wüten nie
Stätte finden hier im Land,
980



Nimmer der Staub mit dem Blute der Bürger sich tränken,
Nie Rachgier, wechsel-
mordender Schuld lüstern,
Blutig zerrütten die Stadt!
Freuden mögen sie tauschen

985






Ath.
Eins in der Liebe zum Ganzen,
Auch im Hassen eines Sinns;
Das heilt vielen Gram der Sterblichen!
So gedenken sie nun zu ermitteln den Weg
des versöhnlichen Worts?
990



In der Göttinnen furchtbarem Antlitz seh'
Ich erblühen dem Volk vielteuren Gewinn!
Wenn die Freundlichen ihr mit freundlichem Sinn
Hochehrt hinfort,
Wird Land wird Stadt euch allzeit blühn

995




CHO.

Lebt denn wohl, lebt wohl in des Reichtums Segen! [3.Str.
Lebe wohl, du städtisch Volk,
Nah umwohnend Zeus' Altar,
Lieb der lieben Parthenos,

1000






Ath.
Klug zur Zeit, beherrschten Sinns;
Wen Athenas Flügel deckt,
dem ist auch der Vater hold!
Lebt wohl auch ihr! Doch ich gehe voran,
Zum geweihten Gemach euch zeigend den Weg;
1005



Mit dem heiligen Schein des geleitenden Zugs.
Zieht hin; und hinab steigt unter die Erd
Mit der Fackel Geleit, alljegliches Weh
Dort fern von dem Lande zu halten, empor,
Was frommt, ihm zu senden zum Siege.

1010







CHO.
So geleitet sie denn, ihr aus Kranaos' Stamm,
Euch Kindern der Stadt Mitbürger zu sein;
Stets wahre dem Volk
Für das Rechte sich rechtes Erkenntnis!
Lebet denn wohl ihr, so rufe ich wieder, [3.GStr.
1015



Alle hier in dieser Stadt,
Götter, Menschen, allzumal,
Die ihr Pallas' Stadt bewohnt!
Wenn ihr mich, die mit euch wohnt,
ehrt und hegt,, so sollt ihr nie

1020
schelten eures Lebens Los!
Unter diesen Gesängen haben sich aus dem Tempel und aus der Stadt Frauen und Mädchen in festlichen Kleidern und mit Fackeln im Hintergrund versammelt



At. Ich lobe dein Wort, deines Segens treuen Wunsch;
Mit flammenheller Fackeln Licht geleit ich dich
Hinab zum Hades, zu der Toten dunklem Reich
Mit Tempeldienerinnen, die in heilger Hut
1025



Mein Bild bewachen. Komme denn, du liebstes Aug
Des Theseidenlandes, edelbürt'ger Schar,
Der Mädchen, Frauen, greiser Mütter würd'ger Zug,
Mit eurer Purpurfestgewande Pracht geschmückt;
In frommer Ehrfurcht traget vor der Fackeln Glanz,

1030

Dass diese Mitherrinnen eures Vaterlands
Im Heil des Volks sich gnädig zeigen immerdar!
Unter dem folgenden Gesang schreitet der ganze feierliche Zug von Areopagiten, Tempeldienerinnen, der Pallas usw., in seiner Mitte die Eumeniden, von Athena geführt, hinaus
GELEITERINNEN


Schreitet zum festlichen Klange, Gewalt'ge, [1.Str.
Kindlose Kinder der Nacht, unter holdem Geleite!

1035



(In Andacht schweige alles Volk! )
Unter der Erd in der Tiefe der Tiefen [1.GStr.
Fromm in Gelübden gefeiert mit Opfern und Ehren!
(In Andacht schweige alles Volk!)

1040




Huldvoll, unsrer Heimat vielgewogen, [2.Str.
Freudig, ihr Hehren, wandelt im Lichtglanz
Der umstrahlenden Favckel dahin.
(Jauchzet mit zu dem Feiergesange!)
Mit uns Bürgern wohnt ihr im Land in [2.GStr.

1045

Treulichem Bunde! So hat es Moira,
So Zeus, der Allschauer, gefügt.
(Jauchzet mit zu dem Feiergesange!)

Übersetzung nach Droysen/Nestle

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