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Aischyl.Ag.489-680 (2. Epeisodion)

       
 
3. Szene: Klytaimnestra, Chor
 
  Klytaimnestra tritt wieder aus dem Palast und sieht in der Ferne am Meeresstrand den Herold kommen  
  Kl. Bald offenbart sich, ob der nachterhellenden  
490   Brandfackeln Fernlicht und der Flamme Wechselflug
Wahrhaftes brachten, oder ob des Lichtes Strahl
Mit Süßer Botschaft, wie ein Traum, das Herz betrog.
Dort kommt ein Herold am Gestad, mit Ölgezweig
Das Haupt umschattet: klar beteugt der dürre Staub,
 
495   Des Schlammes Zwillingsbruder, dass er Kunde bringt
Nicht als ein stummer Bote, noch durch feurige
Rauchwirbelsäule, welche von den Bergen steigt.
Nein, größere Freud entweder wird er künden uns -
Das Gegenteil zu sagen, bebt mein Mund zurück.
 
500
Cho.
Denn Glück und Segen häufe sich zum alten Heil!
Wer je das anders unsrer Stadt zu wünschen wagt,
Der schmecke selbst die Früchte seines Frevelsinns!
 
 
4. Szene: Herold, Klytaimnestra, Chor
 
  He. O meiner Heimat Boden, Argos' teures Land,
Mit dieses zehnten Jahres Licht begrüß ich dich;
 
505  

Da mancher Hoffnungsanker brach, des einen froh!
Ja, nimmer glaubt ich, Argos Erde würde mir,
Dem Toten, einst darreichen liebsten Grabes Teil.
Heil also, Heil dir, Väterflur und Sonnenlicht,
O Zeus, des Landes Schützer, und o Phoibos, der

 
510   Du fürder nicht uns feindlich gegenübertrittst:
Genug der Pfeile schleudertest am Skamandros du:
Sei jetzo neuer Retter uns und Kampfestrost,
O Fürst Apollon! Alle Kampfschutzgötter auch,
Hört an, und Hermes, meines Amts Ruhmspender du,
 
515   Der höchste Herold, jeder Heroldszunge Preis,
Und ihr, Heroen, die ihr ausgesandt das Heer,
Nehmt gnadenreich das speerverschonte wieder auf!
Heil euch, o Königshallen, vielgeliebtes Dach,
Erhabner Thronsitz, Götter ihr am offnen Markt,
 
520   Empfanget heitern Angescihts, wenn je zuvor,
Auch jetzt den König ziemend, der so lange fern!
Denn euch und allen diesen kehrt ein lichter Strahl
In dunkler Nacht, der Herrscher Agamemnon heim.
Auf denn! Bewillkommt freundlich ihn, wie ihm gebührt,
 
525   Der Ilion ausgerottet mit des Rächers Zeus
Furchbarem Grabscheit, das den Boden umgewühlt.
Altär' und Göttertempel sind in Staub gestürzt,
Und alles Landes Samen liegt im Keim vertilgt.
Er, der um Ilions Nacken warf ein solches Joch,
 
530   Er kehrt, des Atreus edler, hochbeglückter Sohn,
Zurück, der höchsten Ehre wert von allen, die
Jetzt leben! Weder Paris noch die Bundesstadt
Rühmt künftig, dass die Sühne nicht der Tat entsprach.
Beladen mit des Raubes und Betruges Schuld,
 
535


Cho.
He.
Verlor er seines Fanges Preis, und hat zugleich
Stammland und Stammhaus allvernichtend abgemäht.
So büßte zweifach Priamos' Haus die Freveltat.
Heil dir, o Herold, der du kommst vom Griechenheer!
Ja, Heil! Ich sterbe willig nun auf Götterwink.
 
540 Cho.
He.
Cho.
He.
Cho.
Du littest Sehnsuchtsschmerzen nach dem Vaterland?
So, dass in Freudentränen jetzt mein Auge schwimmt.
So wart ihr auch an jenem süßen Weh erkrankt?
Wie deut ich, rede, dieser dunklen Frage Sinn?
Schlug euer Herz erwidernd unsern heißen Drang?
 
545 He.
Cho.
He.
Cho.
He.
Du meinst, das Land sah bangend nach dem bangen Heer?
Aus grauumwölktem Busen seufzt ich oft empor.
Woraus entspann sich dieser finstre Gram dem Volk?
Das Schweigen acht ich für des Leids Heilmittel längst.
Weil fern die Herrscher weilten, musstest zittern du?
 
550 Cho.
He
.
Gleich dir erscheint mir jetzt der Tod als Hochgewinn!
Ja, Heil umglänzt uns! Im Verlauf von langer Frist
Erscheinen bald uns Tage, die erfreulich sind,
Bald auch gewölkumflorte! Wem indessen fiel
Ein ewig blauer Himmel außer Göttern zu?
 
555  

Denn wollt ich schildern Müh und Not auf offnem Meer,
Die seltne Landung und die Rast auf nacktem Strand,
Blieb uns von Leid und Seufzen eine Stunde frei?
Noch grausere Trübsal aber bot das feste Land.
Denn hart an Feindes Mauern stieß das Lager an:

 
560   Vom Himmel niederperlten wiesennetzende
Tautropfen, halmumschimmernd, eine stete Pest
Die Gewänder feuchtend und verwildernd unser Haar.
Beschrieb ich dann den Winter, den des Ida Schnee
Zusandte, jenen grimmen, vögelmordenden,
 
565   Und des Sommers Gluten, wenn das Meer auf schweigendes
Windstilles Mittagslager sank, in Schlaf gewiegt:
Was nützte diese Klage? Vorüber schwand die Not,
Vorüber längst auch jenen, die gefallen sind,
Die selig ausruhn, ohne Wunsch der Wiederkehr!
 
570   Warum die Toten zählen, und was soll das Herz
Des Lebenden trauern, ob des Missgeschickes Groll?
Nein, allem Leid sei freudig Lebewohl gesagt!
Denn uns, den Überbliebnen vom Argeierheer,
Erblüht Gewinn, der alle Schmerzen niederwägt.
 
575   Wir dürfen, heimgeflogen über Land und Meer,
Laut Rühmen uns an dieses Tages Sonnenlicht:
Das Heer von Argos, endlich stürzt' es Ilion
Und hing den Göttern Griechenlands die Beute hier
Am heiligen Tempelpfosten auf zum ewgen Schmuck!
 
580


Cho.
Die solches hören, preisen müssen sie die Stadt
Und ihre Feldherrn; feiern auch die Huld des Zeus,
Die dieses hat vollendet! Alles weißt du nun.
Der frohen Kunde schenk ich endlich mein Vertraun;
Denn Zweifel stachen immer neu des Greisen Brust.
 
585   Das Haus und Klytaimnestra muss dein Wort zunächst
Mit Wonne füllen, aber hoch auch mich erfreun.
 
 

 

Christine Hoppe (Klytaimestra), Albrecht Goette (Herold) und Choristen
Christine Hoppe (Klytaimestra), Albrecht Goette (Herold) und Choristen

Klytaimnestra tritt aus dem Hintergrund näher auf den Herold zu

 
  Kly. Ich jauchzte längst in hellem Flammenjubel auf,
Als uns des Feuers erster nächtiger Bote kam,
Verkündend Troias Niedersturz und Untergang.
 
590   Da schalt mich mancher spöttisch: "Auf den Fackelschein
Vertrauend glaubst du, Priamos Feste sei zerstört?
Traun, Weiberart ist's, allzu schnell entflammt zu sein!"
Nach solchem Vorwurf stand ich als verblendet da.
Doch ließ ich gleichwohl opfern; und auf mein Gebot
 
595   Scholl Jauchzen durch die ganze Stadt allüberall,
Und unter Weihgebeten sank die duftige
Brandopferflamme nieder auf der Götter Herd.
Was brauchst du nun mir kunzutun ein Breiteres?
Bald hör ich alles aus der Fürsten eignem Mund.
 
600  

Drum eil ich, dass ich meinen würdigen Ehgemahl
Bei seiner Heimkehr auf das best' empfange! Denn
Was schaut ein Weib wohl Süßres als den Tag, an dem
Ein Gott den Mann ihr glücklich aus dem Felde bringt
Und sie das Tor ihm auftut? Melde dem Gemahl:

 
605   Zu kommen mög er eilen, heißersehnt der Stadt!
Daheim erwart' ihn eine Gattin, ganz so treu,
Wie einst er sie verlassen, eine Wächterin
Des Hauses, hold dem Manne, Widersachern feind,
Auch sonst sich gleich in allem, da sie nimmermehr
 
610   Ein Siegel frech erbrochen trotz der langen Frist!
Gunst andrer Männer und befleckten Namens Ruf
Sind Dinge, mir nicht minder fremd als Schwertes Stoß!
 
  Klytaimnestra begibt sich, von ihren Dienerinnen begleitet, zurück in den Palast.  
  He. Ein solcher Selbstruhm, fern von Lug und Heuchelei,
Dient nimmermehr zur Schande für ein edles Weib!
 
 
5. Szene: Chor, Herold
 
615 Cho. Mit klaren Worten schloss sie dir, dem Hörenden,
EIn treuer Dolmetsch, ihrer Brust Gedanken auf.
Doch sprich, o Herold! Denn zu hören wünscht ich, ob
Menelaos wohlbehalten acuh mit euch zugleich
Nach Haus zurückkehrt, dieses Landes teurer Fürst?
 
620 He.

Cho.

He.
Nicht kann ich kundtun froher Kunde falschen Klang,
Dass ihre Frucht die Freunde lange Zeit beglückt.
O sprächst du lieber wahrer Kunde frohes Wort!
Denn fehlt die Wahrheit, wird das falsche Licht entdeckt.
Menelaos ist verschwunden aus dem Griechenheer,
 
625
Cho.

He.
Er selbst mitsamt dem Schiffe! Nimmer red ich Lug!
Sprich, fuhr er ab von Troia, dass ihn jeder sah,
Oder riss ihn Sturm, der Allverderber, fort vom Heer?
Du trafst, ein wackrer Bogenschütze, in das Ziel,
Und fasstest langes Ungemach in kurzen Laut!
 
630
Cho.

He.

Cho.
Sprich, kam von andern Schiffen nicht vielleicht Bericht
Von seiner Rettung oder seinem Untergang?
Nein, keiner weiß Genaues anzukündigen,
Als der des Erdreichs Keime nährt, der Sonnengott.
Wie hat der Sturm begonnen, der das Schiffervolk
 
635
He.
Durch Götterzorn befallen, und wie legt' er sich?
Nicht ziemt's mit Unheilskunde segensreichen Tag
Zu entheiligen ruchlos; streng bestraft's der Götter Macht!
Denn bringt ein Herold seiner Stadt schmachvolles Weh,
Mit düsterem Antlitz, kündend, dass das Heer gestürzt,
 
640   Dass schlimmer Wunden eine traf die Stadt zunächst,
Des Volks Gesamtheit, eine zweite vieler Haupt,
Da viele Häuser Ares' Doppelgeißel schlug,
Zweispitzig Unheil, blutig Jammerzwiegespann:
Wenn also kommt ein Bote, mit so hartem Weh
 
645   Belastet, ziemt's ihm, anzustimmen Furiengesang!
Wer aber als Verkünder neuer Segnungen
Der Stadt erscheint, die freudenreiche Tage schaut: -
Wie kann ich Heil mit Trauer mischen, und den Sturm
Der Achaier schildern, den der Götter Groll gesandt?
 
650
Verschworen rasten, sonst ein ewig feindlich Paar,
Meerflut und Feuer, und besiegelten ihren Bund
Mit unseres unglückseligen Heeres Untergang.
Des Nachts erhob sich grauser Unheilswoge Turm.
So sahen wir des aigaischen Meeres Wogenfeld
 
655   Zermalmend keilten thrakische Winde Schiff an Schiff;
Im Schnabelstoß, bei tollen Wutorkans Gewalt
Und sturmgepeitschtem Regenschlag verschwand das Heer,
Von bösen Hirten fortgerafft im Wellensturz.
Doch als der Sonne heller Strahl aufleuchtete,
 
660   Von Griechenleichen überblüht und Trümmerholz.
Uns aber und des Schiffes unversehrten Kiel
Entriss dem Schlund, sei's offen oder sei's mit Trug,
Ein Gott, das Steuer fassend, nicht ein Sterblicher.
Fahrtlenkend thronte Tyche, rettungsreich, an Bord,
 
665   Dass weder Flutbraus unser Schiff vom Ankerplatz
Verjagte, noch an klippiges Ufer strandend warf.
Wir trauten gleichwohl, vor des Meeres Hadesnacht
Entronnen, selbst am lichten Tag, dem Glück nur halb,
Und schauten angstvoll auf das Feld des Jammers hin,
 
670   Wo jetzt das Heer lag, zugerichtet grausenvoll.
Wer noch dem allgemeinen Sturz entgangen lebt,
Betrachtet uns als Opfer, könnt es anders sein?
Und wir dagegen wähnen dies von ihrem Los.
Zum besten mag's sich wenden! Kühn erwart indes;
 
675   Menelaos kehrt vor allen und zuerst zurück.
Denn falls ein Lichtstrahl Helios' ihn noch erblickt,
Ihn leben sieht und atmen, durch die Huld des Zeus,
Der noch den Stamm der Atreiden nicht ausrotten mag,
Bleibt sichre Hoffnung seiner Wiederkunft nach Haus!
 
680   So ist's; die Wahrheit sprach ich rein und unverkürzt.  
 
Der Herold verlässt die Szene. Der Chor bleibt allein zurück und singt ein Lied (2. Stasimon)