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Die Satzgliedfunktionen

Die Satzgliedfunktionen behandeln wir im Griechischen ebenso wie im Lateinischen.
grsatz.gif (4968 Byte)
Einzelne Satzglieder Kontrollfrage Art des Satzgliedes
οἱ πολῖται wer opfert  in der Frühe...? Subjekt
ὄρθριοι als was für welche? in welchem Zustand? Prädikativum
τοῖς τῆς πόλεως θεοῖς wem opfern die Bürger... (Dativ-) Objekt
τῆς πόλεως was für Bürgern? (Genitiv-) Attribut
πρὸ τοῦ ναοῦ wo opfern die Bürger...? Orts-Adverbiale
καλὸν βοῦν wen oder was opfern die Bürger...? (Akkusativ-) Objekt
καλὸν was für einen Stier? (Adjektiv-) Attribut
θύουσιν was wird über die Bürger gesagt? Prädikat
  1. Der einfache Satz besteht zumindest aus Subjekt und Prädikat.
    1. Das Subjekt wird gebildet von einem:
      1. Substantiv (oder einem sonstigen substantivierten Ausdruck) im Nominativ: Μάρκος φεύγει,
      2. (betonten) Pronomen: ὑμεῖς μὲν γεύγετε, ἡμεῖς δ’ οὔ,
      3. Abhängigen Subjektssatz (Abh.Frage, abhg. Aussage, abhg. Begehr, Relativsatz) : ὃς φεύγει, δειλός ἐστιν.
      4. Das bestimmte Subjektswort fehlt bei:
        1. im militärischen und politischen Bereich (durch Ellipse des Subjekts):
          ἐσάλπιγξεν
          es hat geblasen
          ἐκήρυξεν es wurde bekannt gemacht
          ἐσήμηνε τῷ κέρατι es erklang das Hornsignal
        2. bei Naturerereignissen:
          ὕει
          es regnet
          ἀστράπτει es blitzt
          βροντᾷ es donnert
        3. bei unpersönlichen Ausdrücken:
          ἔξεστιν, πάρεστιν, ἔστιν
          es ist möglich
          δεῖ, χρή
          es ist nötig
          πρέπει es ziemt sich
        4. bei unbestimmtem Subjekt "man":
          1. 3.Plur. (bei Verben des Sagens, Glaubens
            λέγουσιν, φασίν man sagt
            νομίζουσιν, οἴονται
            man glaubt
            κρίνουσιν
            man urteilt
            καλοῦσιν man nennt
          2. das persönliches Passiv
            λέγομαι
            man sagt von mir
            ἐπαινοῦμαι man lobt mich
            παιδευόμεθα man erzieht uns
          3. 1.Plur. (unter Einschluss des Sprechers
            ἀρετῇ εὖ ζῶμεν
            durch Tugend lebt man gut
            ῥᾳδίως μισοῦμεν, ὅντινα ἂν φοβώμεθα. man hasst leicht, wen man fürchtet
          4. 2. Sgl.beim Potentialis und Irrealis
            εἴποις ἄν, φαίης ἄν man könnte sagen
            εἶδες ἄν
            man hätte sehen können
            ἡγἡσω ἄν man hätte gleuben sollen
          5. das Indefinitpronomen τις
            μισεῖ τις αὐτόν man hasst (gar mancher hasst) ihn
            εἴποι ἄν τις man hönnte sagen
            ἐθαύμασέ τις
            man staunte
            οἴοιτό τις ἄν man könnte glauben
    2. Das Prädikat
      1. Vertreten durch die finite Form eines Vollverbums: οἱ στρατιῶται μάχονται
      2. Vertreten durch die finite Form eines Hilfsverbums mit Prädikatsnomen: οἱ στρατιῶται ἀνδρεῖοί εἰσιν. Das Prädikatsnomen hat im Gegensatz zum Deutschen keinen Artikel.
        εἶναι, ὐπάρχειν sein
        πεφυκέναι, φῦναι sein (von Geburt, von Natur aus)
        γίγνεσθαι
        werden
        αἱρεῖσθαι, ἀποδείκνυσθαι gewählt werden
        λέγεσθαι, καλεῖσθαι, ὀνομάζεσθαι genannt werden
        νομίζεσθαι, κρίνεσθαι, ὑπολαμβάνεσθαι gehalten werden für
    3. Die Kongruenz zwischen Subjekt und Prädikat
      1. Prädikat (Prädikatsnomen) und Subjekt stimmen in Kasus Numerus und Genus überein.
        1. Das Maskulinum hat bei Personen verschiedenen Geschlechts den Vorrang
        2. Bei pronominalem Subjekt hat die 1. Person Vorrang vor der 2. Person; die 2. Person hat Vorrang vor der 3. Person.
      2. Steht das Subjekt im Plural Neutrum, so steht das Prädikat in der Regel trotzdem im Singular (das Prädikatsnomen aber im Plural).
  2. Der erweiterte Satz:
    Der einfache Satz wird durch Objekte, Attribute (Appositionen), Adverbialien und Prädikativa erweitert.
 
Sententiae excerptae:
1860 Accusatores antiquitatis vitia tantum docemus et discimus.
  Als Kritiker des Altertums lernen und lehren wir nur Fehlerhaftes.
  Petron.88,6
14 adde, quod ingenuas didicisse fideliter artes | emollit mores nec sinit esse feros.
  Edle Künste getreu zu erlernen macht sanft den Charakter und nimmt ihm die Wildheit.
  Ov.Pont.2,9,47
1276 Alit lectio ingenium et studio fatigatum reficit.
  Die Lektüre nährt den Geist und lässt ihn sich erholen, wenn er von der Mühe erschöpft ist.
  Sen.epist.84,1
1340 Altius praecepta descendunt, quae teneris imprimuntur aetatibus.
  Lehren, die in zartem Alter verinnerlicht werden, dringen tiefer ein.
  Sen.dial.12,18,8
1829 An audirem sententias, cum fame morerer?
  Hätte ich mir etwa schöne Reden anhören sollen, als ich vor Hunger fast gestorben bin?
  Petron.10,1
1354 Antiqua sapientia nihil aliud quam facienda ac vitanda praecepit, et tunc longe meliores erant viri.
  Die alte Philosophie schrieb nur vor, was man tun und meiden muss; und damals waren die Menschen weit besser.
  Sen.epist.95,13 (Ariston)
1357 Apes debemus imitari et, quaecumque ex diversa lectione congessimus, separare, deinde adhibita ingenii nostri cura et facultate in unum saporem varia illa libamenta confundere.
  Wir müssen die Bienen nachahmen und jene vielfältigen Kostproben, die wir aus verschiedenen Büchern gesammelt haben, dann mit Sorgfalt und Geschick zu einem einheitlichen Geschmack vereinigen.
  Sen.epist.84,5
25 artibus ingenuis, quarum tibi maxima cura est, | pectora mollescunt asperitasque fugit
  durch edle Kunst, um die du dich am meisten mühst, | wird sanft das Herz, es flieht das Rauhe.
  Ov.Pont.1,6,7
26 asinus ad lyram
  Er passt wie der Esel zum Lautenschlagen
  Gell.3,16
1149 Facile transitur ad plures.
  Leicht tritt man zur Mehrheit über.
  Sen.epist.7,6
1916 Generosior spiritus vanitatem non amat.
  Ein edler Geist hält nichts vom eitlen Aufputz.
  Petron.118,3
1871 Ira feras quidem mentes obsidet, eruditas praelabitur
  Zorn haftet bei roher Sinnesart fest, bei gesitteter gleitet er ab.
  Petron.99,3
1600 Nihil liquet incertissimo regimine utentibus, fama.
  Denen, die sich der unsichersten Führerin, der (öffentlichen) Meinung, überlassen, ist nichts klar.
  Sen.epist.95,58
1915 Non concipere aut edere partum mens potest nisi ingenti flumine litterarum inundata
  Kein Talent ist zu der Empfängnis und der Geburt fähig, wenn es sich nicht mit dem gewaltigen Strom der Literatur getränkt hat
  Petron.118,3
1156 Non est, quod timeas, ne operam perdideris, si tibi didicisti.
  Du darfst nicht fürchten, deine Mühe verloren zu haben, wenn du etwas für dich gelernt hast.
  Sen.epist.7,9
1825 Nunc pueri in scholis ludunt, iuvenes ridentur in foro.
  Heutzutage spielen Kinder in der Schule und werden als junge Leute in der Öffentlichkeit ausgelacht.
  Petron.4,4
1565 Quemadmodum omnium rerum, sic litterarum quoque intemperantia laboramus: Non vitae sed scholae discimus.
  Mangel an Maß ist unser Fehler, in allem, auch in der Literatur; man lernt nur für die Schule, nicht für das Leben.
  Sen.epist.106,12.
1211 Remove existimationem hominum: dubia semper est et in partem utramque dividitur!
  Berufe Dich nicht auf das Urteil der Menschen: es ist immer unzuverlässig und neigt sich bald nach dieser, bald nach jener Seite! Sen.epist.26,6
 
1367 Vulgus animosa miratur et audaces in honore eunt, placidi pro inertibus habentur.
  Die Volksmasse bewundert Heldentaten, und die Hitzköpfe kommen zu Ehren. Die Friedfertigen gelten als Schlappschwänze.
  Sen.dial.5,41,2
Literatur:

6 Funde
3614  Ahrens, H.L.
De Graecae Linguae Dialectis, I,II,
Göttingen 1839/1843
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775  Anlauf, G.
Standard late Greek oder Attizismus? ..Optativgebrauch im nachklassischen Griechisch
Diss. Köln 1960
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978  Kühner, R. / Gerth, B.
Ausführliche Grammatik der griechischen Sprache (3. Aufl. bearbeitet von F. Blass und B. Gerth)
Hannover 1834-1835; 3/1890-1904
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4170  Nepos / Glücklich
Hannibal : Text mit Erläuterungen ; Arbeitsaufträge, Begleittexte, Stilistik und Übungen zu Grammatik und Texterschliessung. Von Hans-Joachim Glücklich und Stefan Reitzer
Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 4/1996
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3615  Thumb-Kieckers
Griechische Dialekte, I,II.
Heidelberg 1932/1959
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2630  Traut, Georg
Lexikon über die Formen der griech. Verba. Mit zwei Beilagen: Verzeichnis der Declinations- und Conjugations-Endungen; Grammatischer Schlüssel.
Meisenheim (Olms, Reprint der 1867 in Gießen erschienenen Ausgabe) 1986
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