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Immanuel Kant (1724-1804) und die kritische Philosophie (der Kritizismus)

(Schultze Tafel XVIII, bearbeitet vom Webmaster)

Problem: Kritische Untersuchung der Bedingungen, Tragweite und Grenzen des menschlichen Erkennens.

B. Kants System der kritischen Philosophie

  1. Moralphilosophie.

(Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, 1785. Kritik der praktischen Vernunft, 1788. Metaphysik der Sitten. Zweiter Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre, 1797)

  1. Wie die Kritik der reinen Vernunft ein bei allen Menschen gemeinsames theoretisches Grundbewusstsein aus gewissen theoretischen synthetischen Urteilen a priori ableitete, so die Moralphilosophie Kants ebenfalls ein allen Menschen gemeinsames moralisches Grundbewusstsein aus dem Vorhandensein gewisser moralischer synthetischer Urteile a priori. Gibt es synthetische Urteile a priori sittlicher Art? Sie bestehen in Urteilen, die die Prädikate gut oder böse mit einer Person oder Handlungen in Verbindung setzen. Etwas ist gut oder böse für mich = nützlich oder schädlich = synthetisches Urteil von nicht notwendiger und allgemein gültiger Natur = a posteriori. Sittliche synthetische Urteile a priori = für alle gültige, notwendige Urteile, = allgemein gültiges Sittengesetz = ohne einen besonderen, nur für einen bestimmten Fall geltenden Inhalt = bestehend in einer nur formalen, für alle Fälle geltenden Bestimmung. Gut nicht die als Mittel zu schlechten Zwecken brauchbaren Güter, noch die bloß äußerliche, vielleicht heuchlerische, Handlung, noch die moralisch gleichgültige Neigung, sondern nur der gute Wille. Gut nur die Handlung um des Guten willen = aus Achtung vor dem Sittengesetz = ohne jede egoistische Nebenabsicht = aus Pflicht = Notwendigkeit einer Handlung aus Achtung fürs Gesetz = die Pflicht tun um der Pflicht willen. Rigorose Entgegensetzung von Pflicht und Neigung (siehe Schiller), Moralität und Legalität, Autonomie und Heteronomie.
  2. Gegensatz zwischen Pflicht und sinnlichem Trieb, Sittengesetz und Sinnengesetz, Sollen und Müssen, Sinnengesetz ist Naturgesetz. Sittengesetz = Vernunftsgesetz = Imperativ. Bedingte = hypothetische Imperative = Vorschriften von relativer Geltung für einen einzelnen Zweck. Sittengesetz = unbedingter = kategorischer Imperativ = von absoluter Geltung = höchster absoluter Zweck alles Handelns = anwendbar auf jeden Fall und jeden möglichen Inhalt = selbst ohne besonderen Inhalt = lediglich formaler Natur = Gesetz der Gesetzmäßigkeit alles Handelns = "Handle so, als ob die Maxime deines Handelns durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden sollte!".
  3. Unterscheidung zwischen Preis und Würde. Würde hat nur die sittliche Gesinnung. Der Mensch von sittlicher Gesinnung hat keinen Preis, sondern Würde = sittliche Person = niemals bloß Mittel, sondern stets zugleich Selbstzweck. Sittengesetz = Gesetz von der Wahrung der in jedem Menschen angelegten sittlichen Person. "Handle so, dass du die Würde der Menschheit sowohl in deiner eigenen Person, als in der Person jedes andern jederzeit achtest und die Person immer zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel gebrauchst."
  4. Wahre sittliche Würde = Autonomie = Schlüssel zu jeder wahren Sittlichkeit im Gegensatz zur Heteronomie = falsche Moral. Abweisung jeder heteronomen Begründung der Moral, sowohl der eudämonistischen aus dem Glücksseligkeitstrieb als der theologischen aus dem willen Gottes. Keine theologische Moral.
  5. Besondere Pflichtenlehre. Vollkommene und unvollkommene Pflichten gegen sich selbst als ein animalisches und moralisches Wesen. Tugendpflichten gegen andere bloß als Menschen, Liebespflichten gegen andere, Pflicht der Achtung für andere, Pflichten gegen andere nach Verschiedenheit ihres Zustandes. Freundschaft. Umgangstugenden. Ethische Methodenlehre, Didaktik, Asketik, Bruchstücke eines moralischen Katechismus. (Kants Pädagogik, herausgegeben 1803, verbindet die pädagogischen Ideen Rousseaus mit der eigenen Morallehre.)
  6. Das Problem der Willensfreiheit. Sittlichkeit = Autonomie = freie Unterwerfung unter das Sittengesetz. Sittlichkeit also nicht denkbar ohne Freiheit. In der empirischen Welt der Erscheinung = im empirischen Charakter keine Freiheit, nur Notwendigkeit, voller Determinismus. Aber in uns das Sittengesetz und das Sollen, folglich müssen wir auch können = frei sein = im übersinnlichen Ding an sich unseres Wesens = im intelligiblen Charakter. So führt die Moral durch den Begriff des sittlichen Freiheit zwar nicht zum Wissen von einer übersinnlichen Welt der Dinge an sich, wohl aber zum Glauben an eine intelligible Welt der Freiheit. Primat der praktischen Vernunft über die theoretische.
  7. Metaphysik des sittlichen Glaubens. Postulate der praktischen Vernunft = keine Dogmen, sondern notwendige Voraussetzungen und Erfordernisse der Vernunft in praktischer Hinsicht:
    1. Freiheit,
    2. Unsterblichkeit (da die vom Sittengesetz geforderte Heiligkeit = völlige Angemessenheit des Willens zum moralischen Gesetz nicht in diesem Leben, sondern nur durch eine ins Unendliche gehende Annäherung an das Sittengesetz in einem jenseitigen Leben erreicht werden kann, in dem auch die in der Sinnenwelt nicht gegebene Verknüpfung der Glückseligkeit mit der Tugend erwartet werden muss),
    3. Gottheit (durch deren von ihr gesetzte moralische Weltordnung das vom Menschen an sic h nicht notwendig erreichbare summum bonum der Verknüpfung der Tugend (supremum bonum) mit der Glückseligkeit gewährleistet wird). Das Dasein Gottes theoretisch nicht beweisbar = reiner Vernunftglaube. Theologie nur als Moraltheologie möglich.
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Sententiae excerptae:
w35
374 Cum inimico nemo in gratiam tuto redit.
  Für jeden ist Versöhnung mit dem Feind riskant.
  Publil.Syr.C7
635 Maximo periclo custoditur, quod multis placet.
  Höchst riskant ist die Bewachung dessen, was vielen gefällt.
  Publil.Syr.M18
744 Ni gradus servetur, nulli tutus est summus locus.
  Der Gipfel ist nicht sicher, ist der Weg riskant.
  Publil.Syr.N55
Literatur:

11 Funde
4406  Böckle, F.
Werte und Normbegründung
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.12, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1981
4414  Fetscher, I.
Revolution und Widerstand
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.14, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1982
2391  Kaulbach, Friedrich
Der philosophische Begriff der Bewegung : Studien zu Aristoteles, Leibniz und Kant
Köln [u.a.] : Böhlau, 1965
4274  Lobkowicz, N. / Ottmann, H.
Materialismus, Idealismus und christliches Weltverständnis
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.19, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1981
4393  Meyer-Abich, K.M.
Determination und Freiheit
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.4, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1982
2326  Oelmüller / Dölle / Ebach/ Przybylski (Hgg.)
Philosophische Arbeitsbücher 3. Diskurs Religion
Paderborn, Schöningh (UTB 895) 1979
2324  Oelmüller / Dölle / Piepmeier (Hgg.)
Philosophische Arbeitsbücher 2. Diskurs Sittliche Lebensformen
Paderborn, Schöningh (UTB 778) 2/1980
2325  Oelmüller / Dölle / Piepmeier (Hgg.)
Philosophische Arbeitsbücher 1. Diskurs Politik
Paderborn, Schöningh (UTB 723) 2/1980
4275  Schwan, Alexander
Pluralismus und Wahrheit
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.19, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1981
2316  Schwegler, Albert
Geschichte der Philosophie im Umriss. Ein Leitfaden zur Übersicht
Stuttgart, Conradi 9/1876
2519  Volkmann-Schluck, Karl-Heinz
Politische Philosophie : Thukydides, Kant, Tocqueville
Frankfurt am Main : Klostermann, 1974

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