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Immanuel Kant (1724-1804) und die kritische Philosophie (der Kritizismus)

(Schultze Tafel XVIII, bearbeitet vom Webmaster)

Problem: Kritische Untersuchung der Bedingungen, Tragweite und Grenzen des menschlichen Erkennens.

A.) Kants Entwicklungsplanung in seiner vorkritischen (genetischen) Periode

  1. Übergang vom Empirismus zum erkenntnistheoretischen Kritizismus

    1. "Unauflösliche Begriffe": Kant ist jetzt Empirist, doch mit einer gewissen Einschränkung. Die Metaphysik soll Erfahrungsbegriffe analysieren; diese beziehen sich auf das Endliche, nicht auf das Unendliche, also nicht auf das Göttliche und absolut Gute. Die Grundsätze der natürlichen Theologie und Moral können also nicht aus empirischen Begriffen abgeleitet werden, setzen vielmehr dem Menschengeist angeborene apriorische "unauflösliche Begriffe" voraus. Die höchste Aufgabe der Metaphysik wäre, eine wissenschaftliche Begründung der religiösen und moralischen Überzeugungen zu geben. Kant versucht sich vergeblich an dieser Aufgabe.
    2. Rousseaus Einfluss ruft in Kant die Überzeugung hervor, dass eine solche metaphysische Begründung der religiösen und moralischen Überzeugungen unmöglich ist, da nach Rousseau Religion und Moral lediglich Sache des natürlichen Gefühls sind und ohne wissenschaftliche Beweise Geltung haben. Theoretisch-metaphysische Erkenntnis und praktisch-moralischer Glaube sind daher völlig voneinander zu trennen.
    3. Träume der Metaphysik: In der Schrift "Träume eines Geistersehers erläutert durch Träume der Metaphysik", 1766, verspottet daher Kant in der Anknüpfung an die Geisterseherei Swedenborgs die bisherige Metaphysik als völlig wertlos. Äußerster Skeptizismus gegen jede Metaphysik des Übersinnlichen.
    4. In der Folgezeit (wann?) erste Erfassung des Standpunktes des erkenntnistheoretischen Kritizismus. Eine Metaphysik des Übersinnlichen ist unmöglich. Die Erforschung der diesseitigen Einzeldinge ist Gegenstand der besonderen Erfahrungswissenschaften. So ist Metaphysik nur noch möglich als Metaphysik des Wissens = Erkenntnistheorie = Lehre von den Bedingungen, der Tragweite und den Grenzen des Erkennens = Kritik des Erkennens.
    5. Johann Heinrich Lamberts Erkenntnistheorie und ihr Einfluss auf Kant:

      Erkenntnis
      Subjekt Objekt
      • Angeboren keine inhaltlichen Begriffe, sondern bloße Erkenntnisformen.
      • Inhalt des Erkennens.
      • Aus bloßen Erkenntnisformen ergibt sich kein Erkenntnisinhalt
      • Von außen indes nur rohes Erkenntnismaterial gegeben
      • Also keine ontologisch-dogmatische Metaphysik
      • Verarbeitet zur Wissenschaft erst durch die subjektiven Erkenntnisformen
      • Kein bloßer Rationalismus
      • kein bloßer Empirismus
      Erkenntnis = Synthese der apriorischen Formen des Geistes mit dem a posteriorischen Inhalt der Szene
      Verknüpfung von Rationalismus und Empirismus
    6. Einfluss von Leibniz' im Jahr 1765 veröffentlichten Nouveaux essays auf Kants Beantwortung der Frage: welches die im Geist liegenden Erkenntnisformen seien.
      Leibniz:

      Erkenntnis

      Geist Welt
      • Denkgesetze
      • Inhalt
      • a priori angeborene Funktionsformen
      • a posteriori gegebener Stoff
      • klar bewusst gewordene und auf den Weltstoff angewandte Funktionsformen geben reine Begriffe
      • unbewusst auf den Weltstoff angewandte Funktionsformen geben unreine Anschauungen
      • Vernunftserkenntnis
      • Sinneswahrnehmung
      • klare Erkenntnis der Dinge an sich
      • verworrener Erkenntnis der Erscheinungswelt
      • Rationalismus
      • Empirismus
    7. Kants Unterschied von Lambert und Leibniz:
      1. Kant in Übereinstimmung mit Lambert und Leibniz darin, dass die Erfahrung eine Synthese sei, deren Formen a priori aus der Vernunft, deren Inhalt a posteriori aus den Sinnen stammt.
      2. Kant aber im Gegensatz zu Leibniz in Bezug auf die Sinnlichkeit: diese gibt nicht bloße verworrene Erkenntnis, wie die auf sinnlicher Anschauung beruhende Mathematik beweist. Die Sinnlichkeit ist vielmehr ein selbständiges Erkenntnisvermögen neben der Vernunft.
      3. Sinnlichkeit und Vernunft sind nicht, wie Leibniz will, zwei Entwicklungsstufen desselben Vermögens, sondern zwei selbständige, zusammenwirkende Kräfte des Erkennens.
    8. De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis (Inauguraldissertation 1770) beantwortet die Frage: welche die in der Sinnlichkeit als einem selbständigen Vermögen liegenden Erkenntnisformen sind.

      Erkenntnis

      Sinnlichkeit Vernunft
      • notwendige Formen:
        Raum und Zeit
      • notwendige Formen:
        Reine Begriffe
      • zufälliger Inhalt:
        Empfindung
      • zufälliger Inhalt:
        Die aus der Sinnlichkeit stammenden Anschauungen
      Material der Bearbeitung für die reinen Begriffe der Vernunft.
      Erkenntnis der Dinge an sich und ihres metaphysischen Zusammenhangs = des mundus intelligibilis
      • Kant ist hier über Lambert hinausgegangen,
        • insofern er die Formen der Sinnlichkeit, Raum und Zeit, über Leibniz,
        • insofern er die Sinnlichkeit als ein selbständiges klares Erkenntnisvermögen entdeckt hat.
      • An Leibniz' Faden aber hängt er noch,
        • insofern er durch reine Begriffe die Dinge an sich glaubt erkennen zu können.
    9. Fortschritt zum vollen Kritizismus in den Jahren 1770-1781 durch die Einsicht, dass die Formen der Vernunft = die reinen Begriffe auch nur subjektiv-menschlichen Ursprungs sind und auch nur die aus der Sinnlichkeit stammenden subjektiven Anschauungen zur Bearbeitung haben, dass also auch sie sich nur auf die Erscheinungswelt, nicht auf die Dinge an sich beziehen. Alles Erkennen erfasst nur die Erscheinungswelt = positiver Grundgedanke der Kritik der reinen Vernunft. Die Dinge an sich sind unerkennbar und alle Metaphysik des Übersinnlichen ist unhaltbar = negativer Grundgedanken der Kritik der reinen Vernunft.
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Sententiae excerptae:
w35
374 Cum inimico nemo in gratiam tuto redit.
  Für jeden ist Versöhnung mit dem Feind riskant.
  Publil.Syr.C7
635 Maximo periclo custoditur, quod multis placet.
  Höchst riskant ist die Bewachung dessen, was vielen gefällt.
  Publil.Syr.M18
744 Ni gradus servetur, nulli tutus est summus locus.
  Der Gipfel ist nicht sicher, ist der Weg riskant.
  Publil.Syr.N55
Literatur:

11 Funde
4406  Böckle, F.
Werte und Normbegründung
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.12, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1981
4414  Fetscher, I.
Revolution und Widerstand
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.14, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1982
2391  Kaulbach, Friedrich
Der philosophische Begriff der Bewegung : Studien zu Aristoteles, Leibniz und Kant
Köln [u.a.] : Böhlau, 1965
4274  Lobkowicz, N. / Ottmann, H.
Materialismus, Idealismus und christliches Weltverständnis
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.19, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1981
4393  Meyer-Abich, K.M.
Determination und Freiheit
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.4, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1982
2326  Oelmüller / Dölle / Ebach/ Przybylski (Hgg.)
Philosophische Arbeitsbücher 3. Diskurs Religion
Paderborn, Schöningh (UTB 895) 1979
2324  Oelmüller / Dölle / Piepmeier (Hgg.)
Philosophische Arbeitsbücher 2. Diskurs Sittliche Lebensformen
Paderborn, Schöningh (UTB 778) 2/1980
2325  Oelmüller / Dölle / Piepmeier (Hgg.)
Philosophische Arbeitsbücher 1. Diskurs Politik
Paderborn, Schöningh (UTB 723) 2/1980
4275  Schwan, Alexander
Pluralismus und Wahrheit
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.19, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1981
2316  Schwegler, Albert
Geschichte der Philosophie im Umriss. Ein Leitfaden zur Übersicht
Stuttgart, Conradi 9/1876
2519  Volkmann-Schluck, Karl-Heinz
Politische Philosophie : Thukydides, Kant, Tocqueville
Frankfurt am Main : Klostermann, 1974

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