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Immanuel Kant (1724-1804) und die kritische Philosophie (der Kritizismus)

(Schultze Tafel XVIII, bearbeitet vom Webmaster)

Problem: Kritische Untersuchung der Bedingungen, Tragweite und Grenzen des menschlichen Erkennens.

A.) Kants Entwicklungsplanung in seiner vorkritischen (genetischen) Periode

Immanuel Kant (1724-1804) - Leben und Werk A. I. Vom Dogmatismus zu Skeptizismus u. Empirismus A. II. Vom Empirismus zum Kritizismus B. I. Erkenntnistheorie (Kritik der reinen Vernunft) B. Ia. Schema zur Kritik der reinen Vernunft B. II. Die Natur-philosophie B. III. Die Moral-philosophie B. IV. Die Religions-philosophie
  1. Vom Dogmatismus zum Skeptizismus und Empirismus.

    Kant befreit sich allmÀhlich vom Einfluss der Leibniz-Wolffschen dogmatischen Metaphysik und gelangt zum Skeptizismus und Empirismus mit induktiver Methode.
    1. Erkenntnis der Fehler der Ontologie (Denken nicht = Sein. Notwendiger Gedanke nicht = notwendiges Ding. Denknotwendigkeit nicht = Seinsnotwendigkeit. Denkunmöglichkeit nicht = Seinsunmöglichkeit)
      1. aufgrund seiner naturwissenschaftlichen Studien (das bloße Denken erweist noch nicht ein Sein in der Natur) Hauptschriften: Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels, 1755. De igne, 1755. Von der Ursachen der ErschĂŒtterungen, 1755. Theorie der Winde, 1756. Physische Geographie (1757, zuerst gelesenes Kolleg). Neuer Lehrbegriff der Bewegung und Ruhe, 1758.
      2. aufgrund des Einflusses von Crusius (1756-1760), der zwar selbst Ontologe war, doch die MĂ€ngel der Wolffschen Ontologie aufdeckte.
      3. Kants Habilitationsschrift: Principiorum primorum cognitionis metaphysicae nova dilucidatio, 1755: Das höchste absolute Sein kann aus bloßen logischen Begriffen nicht erschlossen werden.
      4. völlige Befreiung von der Ontologie in den Schriften der 60 er Jahre:
        1. Die falsche Spitzfindigkeiten der vier logistischen Figuren erwiesen, 1762. Der Syllogismus entwickelt nur einen gegebenen Inhalt, kann aber ĂŒber dessen Richtigkeit nichts aussagen.
        2. Versuch, den Begriff der negativen GrĂ¶ĂŸe in die Weltweisheit einzufĂŒhren, 1763. Unterscheidung der logischen und realen Entgegensetzung, des logischen Grundes und des Realgrundes. KausalitĂ€t ist aus bloßen Begriffen nicht abzuleiten Zusammentreffen im Ergebnis hinsichtlich der KausalitĂ€t mit Hume.
        3. der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes, 1763. Die ontologischen Beweise vom Dasein Gottes aus bloßen Begriffen sind hinfĂ€llig.
    2. Erkenntnis der Verschiedenheit der Mathematik und Physik.
      1. sachlich: hinsichtlich der Auffassung vieler Probleme.
        1. Gedanken von der wahren SchĂ€tzung der lebendigen KrĂ€fte und Beurteilung der Beweise, deren sich Leibniz und andere Mechaniker in dieser Streitsache bedient haben, 1747. Kants Ausspruch "die Metaphysik sei, wie viele andere Wissenschaften, erst an der Grenze einer recht grĂŒndlichen Erkenntnis".
        2. Metaphysicae cum geometria iunctae usus in philosophia naturali, cuius specimen I. continet monadologiam physicam, 1756. Ganz verschiedene Auffassung des Raumes
          1. von Seiten der Mathematik (Descartes, Newton: Raum = Wesen an sich = absoluter Raum. Dinge im Raum = mathematische Körper = teilbar ins Unendliche. leerer Raum = actio in distans)
          2. und der Metaphysik (Leibnitz: physische Körper = Monaden = unteilbar = nicht ins Unendliche teilbar = kein leerer Raum = keine actio in distans).
      2. methodisch: hinsichtlich der Behandlung der Probleme. Untersuchung ĂŒber die Deutlichkeit der GrundsĂ€tze der natĂŒrlichen Theologie und der Moral, 1764. Frage: ob die metaphysischen Wissenschaften einer ebensolchen Evidenz fĂ€hig seien, wie die mathematischen?
        1. Mathematik = induktiv-synthetische Wissenschaft aus der Anschauung.
        2. Metaphysik = induktiv-analytische Wissenschaft aus Begriffen, deren Methode nur die naturwissenschaftlich-empirische Newtons sein kann. ". Die Metaphysik ist ohne Zweifel die schwerste unter allen menschlichen Einsichten; allein es ist noch niemals eine geschrieben worden."
Sententiae excerptae:
w41
374 Cum inimico nemo in gratiam tuto redit.
  FĂŒr jeden ist Versöhnung mit dem Feind riskant.
  Publil.Syr.C7
635 Maximo periclo custoditur, quod multis placet.
  Höchst riskant ist die Bewachung dessen, was vielen gefĂ€llt.
  Publil.Syr.M18
744 Ni gradus servetur, nulli tutus est summus locus.
  Der Gipfel ist nicht sicher, ist der Weg riskant.
  Publil.Syr.N55
Literatur:

1 Funde
4274  Lobkowicz, N. / Ottmann, H.
Materialismus, Idealismus und christliches WeltverstÀndnis
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.19, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1981
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