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41. Mit der Geschichtsschreibung
hat er schon als junger Mensch angefangen, worin ihnTitus
Livius ermutigte und Sulpicius
Flavus sogar unterstützte. Als er jedoch zum erstenmal vor einem
zahlreichen Auditorium eine Vorlesung hielt, brachte er sie kaum zu Ende
und erhielt an vielen Stellen durch seine eigene Schuld nicht den verdienten
Beifall. Als nämlich unter dem Übergewicht eines Mannes gleich
zu Beginn der Vorlesung einige Bänke einbrachen und dadurch ein Gelächter
entstand, konnte er, selbst als sich der Lärm gelegt hatte, sich nicht
enthalten, sich von Zeit zu Zeit an den Vorfall zu erinnern und das Lachen
wieder neu hervorzurufen. |
(41,1) Historiam
in adulescentia hortante T. Livio, Sulpicio vero Flavo etiam adiuvante,
scribere adgressus est. et cum primum frequenti auditorio commisisset, aegre
perlegit refrigeratus saepe a semet ipso. nam cum initio recitationis defractis
compluribus subsellis obesitate cuiusdam risus exortus esset, ne sedato
quidem tumultu temperare potuit, quin ex intervallo subinde facti reminisceretur
cachinnosque revocaret. |
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Auch als Kaiser schrieb er sehr viel und ließ
es wiederholt von einem Vorleser vortragen. Sein Geschichtswerk begann er
mit der Ermordung des Diktators Caesar,
ging dann aber auf spätere Zeiten über und begann mit dem Ende
des Bürgerkriegs, weil er merkte, dass es ihm nicht möglich sei,
freimütig und wahrhaft über die vorhergehenden Begebenheiten zu
schreiben; denn seine Mutter
und Großmutter
wiesen ihn häufig zurecht. Über die frühere Periode hat er
zwei Bücher, über die spätere einundvierzig hinterlassen.
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(41,2) in principatu quoque
et scripsit plurimum et assidue
recitavit per lectorem. initium autem sumpsit historiae post caedem Caesaris
dictatoris, sed et transiit ad inferiora tempora coepitque a pace civili,
cum sentiret neque libere neque vere sibi de superioribus tradendi potestatem
relictam, correptus saepe et a matre et ab avia. prioris materiae duo volumina,
posterioris unum et quadraginta reliquit. |
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Er beschrieb ferner sein eigenes Leben in acht
Büchern, eher läppisch als geschmacklos; desgleichen eine recht
gebildete Verteidigung Ciceros
gegen die Bücher des Asinius
Gallus. Auch drei
neue Buchstaben erdachte er und fügte sie als eine seiner Meinung
nach höchst notwendige Ergänzung dem alten Alphabet hinzu. Schon
als Privatmann hatte er darüber ein Buch herausgegeben; später
als Kaiser setzte er es leicht durch, dass man sich ihrer auch ziemlich
allgemein bediente, wie sie denn noch heute in vielen Büchern, in der
Tageszeitung und in den Inschriften der öffentlichen Bauwerke vorhanden
sind. |
(41,3) composuit et 'de vita
sua' octo volumina, magis inepte quam ineleganter; item 'Ciceronis defensionem
adversus Asini Galli libros' satis eruditam. novas etiam commentus
est litteras tres ac numero veterum quasi maxime necessarias addidit; de
quarum ratione cum privatus adhuc volumen edidisset, mox princeps non difficulter
optinuit, ut in usu quoque promiscuo essent. extat talis scriptura in plerisque
libris ac diurnis titulisque operum. |
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42. Mit nicht geringerem Eifer betrieb
er ferner das Griechische, indem er bei jeder Gelegenheit ein Bekenntnis
seiner Vorliebe für diese Sprache und ihrer Vorzüge ablegte. Zu
einem Ausländer, der sich griechisch und lateinisch geläufig ausdrücken
konnte, sagte er einmal: „Da du unserer beiden Sprachen mächtig bist....";
und als er den Senatoren die Provinz Achaia empfahl, sagte er, dass sie
ihm wegen seiner wissenschaftlichen Beziehungen am Herzen liege. Ja, er
antwortete den Gesandten im Senat häufig in einer fortlaufenden (griechischen)
Rede und bediente sich selbst auf dem Tribunal vielfach homerischer Verse.
Sooft er ferner einen Feind oder Verschwörer hinrichten ließ,
gab er dem wachhabenden Tribunen, der von ihm wie üblich die Parole
forderte, fast regelmäßig den
homerischen Vers: "Wehre dem Mann, sooft er zuerst im Zorne dich
angreift!" |
(42,1) Nec minore
cura Graeca studia secutus est, amorem praestantiamque linguae occasione
omni professus. cuidam barbaro Graece ac Latine disserenti: 'cum utroque,'
inquit, 'sermone nostro sis paratus'; et in commendanda patribus conscriptis
Achaia, gratam sibi provinciam ait communium studiorum commercio; ac saepe
in senatu legatis perpetua oratione respondit. multum vero pro tribunali
etiam Homericis locutus est versibus. quotiens quidem hostem vel insidiatorem
ultus esset, excubitori tribuno signum de more poscenti non temere aliud
dedit quam:
Ἄνδρ’ ἐπαμύνασθαι, ὅτε τις πρότερος χαλεπαίνῃ. |
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Endlich hat er auch Geschichtswerke in griechischer
Sprache, Tyrrhenische Forschungen in zwanzig und Karthagische in acht Büchern,
geschrieben, deretwegen dem Museum in Alexandria ein neues mit seinem Namen
hinzugefügt und zugleich angeordnet wurde, dass jährlich an bestimmten
Tagen in dem einen seine Tyrrhenischen, in dem andern seine Karthagischen
Forschungen wie in einem Hörsaal vollständig von einzelnen Vorlesern
im Wechsel vorgetragen werden sollten. |
(42,2) Denique et Graecas scripsit
historias, Tyrrhenicon viginti, Carchedoniacon octo. quarum causa veteri
Alexandriae Musio additum ex ipsius nomine novum; institutumque ut quotannis
in altero Tyrrhenicon libri, in altero Carchedoniacon diebus statutis velut
in auditorio recitarentur toti a singulis per vices. |
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43. Gegen das Ende seines Lebens
hatte er manchmal unverdeckt angedeutet, dass er seine Heirat mit Agrippina
und die Adoption Neros
bereute. So äußerte er z. B., als seine Freigelassenen einmal
mit Lob einer gerichtlichen Untersuchung gedachten, in der er tags zuvor
eine Frau, die des Ehebruchs angeklagt war, verurteilt hatte, auch sein
Verhängnis sei es, lauter unkeusche Weiber zu haben, die nicht abgeurteilt
seien. Und bald darauf umarmte er den Britannicus
bei einer Begegenung ungewöhnlich eng, rief aus, er möge nur älter
werden, damit er ihm von allem, was er getan habe, Rechenschaft geben könne,
und gab ihm überdies noch die bekannten griechischen
Worte mit auf den Weg: "Wer dich verwundet hat, wird dich auch
heilen!" Und, als er sich ein andermal vornahm, dem damals noch unerwachsenen
und zarten Knaben, sobald er die nötige Größe erreicht habe,
die Toga zu verleihen, fügte er hinzu: „Damit das römische Volk
endlich einen wahren Caesar hat." |
(43,1) Sub exitu
vitae signa quaedam nec obscura paenitentis de matrimonio Agrippinae deque
Neronis adoptione dederat, siquidem commemorantibus libertis ac laudantibus
cognitionem, qua pridie quandam adulterii ream condemnarat, sibi quoque
in fatis esse iactavit omnia impudica, sed non impunita matrimonia; et subinde
obvium sibi Britannicum artius complexus hortatus est, ut cresceret rationemque
a se omnium factorum acciperet; Graeca insuper voce prosecutus: ὁ τρώσας
καὶ ἰάσεται. cumque impubi teneroque adhuc, quando statura permitteret,
togam dare destinasset, adiecit: ‘ut tandem populus Romanus verum Caesarem
habeat.’ |
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44. In der Tat verfasste er nicht
lange darauf ein Testament, das er durch alle Behörden unterschreiben
und siegeln ließ. Daher kam ihm, ehe er weitergehen konnte, Agrippina
zuvor, die außerdem auch ihr Gewissen und nicht weniger die Anzeigen
ihrer vielfachen Verbrechen beunruhigten. |
(44,1) non multoque
post testamentum etiam conscripsit ac signis omnium magistratuum obsignavit.
prius igitur quam ultra progrederetur, praeventus est ab Agrippina, quam
praeter haec conscientia quoque nec minus delatores multorum criminum arguebant.
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Dass er durch Gift ermordet wurde, steht allgemein
fest; nur über das wo und von wem gibt es Unstimmigkeiten. Einige sagen,
bei einem Festschmaus mit den Priestern auf
der Burg durch den Eunuchen Halotus,
seinen Vorkoster; andere, an seiner Haustafel durch Agrippina selbst, die
ihm Champignons,
sein Lieblingsgericht, vergiftet vorgesetzt habe. Auch über den weiteren
Verlauf gibt es verschiedene Gerüchte. |
(44,2) Et veneno quidem occisum
convenit; ubi autem et per quem dato, discrepat. quidam tradunt epulanti
in arce cum sacerdotibus per Halotum spadonem praegustatorem; alii domestico
convivio per ipsam Agrippinam, quae boletum medicatum avidissimo ciborum
talium optulerat. etiam de subsequentibus diversa fama est. |
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Viele behaupten, er habe gleich nachdem er das
Gift zu sich genommen hatte, die Sprache verloren und sei, nachdem er die
ganze Nacht furchtbare Schmerzen gelitten habe, gegen Tagesanbruch gestorben.
Einige sagen, er sei anfangs eingeschlafen, dann habe er, weil e zu viel
gegessen hatte, alles wieder von sich gegeben; darauf habe man ihm eine
neue Dosis Gift verabreicht, vielleicht mit Brei vermischt, als müsse
er sich nach dem Erbrechen stärken, vielleicht mit einem Klistier,
um ihm, als leide er an Magenüberfüllung, auch auf diese Art der
Entleerung zu helfen. |
(44,3) multi statim hausto
veneno obmutuisse aiunt excruciatumque doloribus nocte tota defecisse prope
lucem. nonnulli inter initia consopitum, deinde cibo affluente evomuisse
omnia, repetitumque toxico, incertum pultine addito, cum velut exhaustum
refici cibo oporteret, an immisso per clystera,
ut quasi abundantia laboranti etiam hoc genere egestionis subveniretur. |
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45. Sein Tod wurde geheimgehalten,
bis mit der Thronfolge alles geregelt war. So ließ man denn für
ihn, als wenn er nur krank sei, Gelübde tun und führte zur TäuschungKomödianten
in sein Krankenzimmer, die ihn scheinbar auf seinen Wunsch hin unterhalten
sollten. Er starb am 13. Oktober, unter dem Konsulat des Asinius
Marcellus und Acilius
Aviola, im vierundsechzigsten Jahr seines Lebens, im vierzehnten seiner
Regierung. Er wurde mit allem kaiserlichen Prunk begraben und unter die
Zahl
der Götter aufgenommen. Seine Verehrung als Gott wurde zwar von
Nero
vernachlässigt und endlich abgeschafft, aber durch Vespasian
wieder eingeführt. |
(45,1) mors eius
celata est, donec circa successorem omnia ordinarentur. itaque et quasi
pro aegro adhuc vota suscepta sunt et inducti per simulationem comoedi,
qui velut desiderantem oblectarent. excessit III. Id. Octob. Asinio Marcello
Acilio Aviola coss. sexagesimo quarto aetatis, imperii quarto decimo anno,
funeratusque est sollemni principum pompa et in numerum deorum relatus;
quem honorem a Nerone destitutum abolitumque recepit mox per Vespasianum.
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46. Vorzeichen seines Todes waren
besonders, dass ein Haarstern erschien, ein so genannter Komet,
ferner dass der Blitz in das Monument
seines Vaters Drusus
einschlug und dass in diesem Jahr sehr viele Beamten jeder Art gestorben
waren. Doch auch er selbst scheint sich seines nahen Endes bewusst gewesen
und keiner Täuschung erlegen zu sein. Dafür gibt es etliche Hinweise:
Denn als er die Konsuln ernannte, ernannte er keinen über den Monat
hinaus, in dem er starb; und in der letzten Senatssitzung, an der er teilnahm,
ermahnte er seine Kinder zunächst eindringlich zur Eintracht und empfahl
darauf das zarte Alter von beiden inständig den Senatoren. Und in seiner
letzten Gerichtsverhandlung ließ er ein über das andere Mal vom
Tribunal herab, obschon alle, die es hörten, solche unheilvollen Worte
zurückwiesen, verlauten, er habe das Ende seines sterblichen Lebens
nunmehr erreicht. |
(46,1) praesagia
mortis eius praecipua fuerunt: exortus crinitae stellae, quam cometen vocant,
tactumque de caelo monumentum Drusi patris, et quod eodem anno ex omnium
magistratuum genere plerique mortem obierant. sed nec ipse ignorasse aut
dissimulasse ultima vitae suae tempora videtur, aliquot quidem argumentis.
nam et cum consules designaret, neminem ultra mensem, quo obiit, designavit,
et in senatu, cui novissime interfuit, multum ad concordiam liberos suos
cohortatus, utriusque aetatem suppliciter patribus commendavit, et in ultima
cognitione pro tribunali accessisse ad finem mortalitatis, quanquam abominantibus
qui audiebant, semel atque iterum pronuntiavit. |
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Deutsche Übersetzung nach:
Stahr, A.
bearbeitet von E.Gottwein |
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