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ars amatoria - Lehrbuch der Liebe

I.

liber I
Inh.
 

Übersetzung nach A.Berg

 

 

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Versmaß: Elegisches Distichon
hexametrum im Distichon
pentametrum im Distichon
 
I.) 1-34: Prooemium. Dichtung und Lehre
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Siquis in hoc artem populo non novit amandi,
    Hoc legat et lecto  carmine doctus amet.
Arte citae veloque rates remoque moventur,
    Arte  leves currus: arte regendus amor.
Curribus Automedon lentisque erat aptus habenis,
    Tiphys in Haemonia puppe magister  erat:
Me Venus artificem tenero praefecit Amori;
    Tiphys  et Automedon dicar Amoris ego.
Ille quidem ferus est et qui mihi saepe repugnet:
    Sed puer est, aetas mollis et  apta regi.
Phillyrides puerum cithara perfecit Achillem,
    Atque animos placida contudit  arte feros.
Qui totiens socios, totiens exterruit hostes,
    Creditur annosum pertimuisse  senem.
Quas Hector sensurus erat, poscente magistro
    Verberibus  iussas praebuit ille manus.
Aeacidae Chiron, ego sum praeceptor Amoris.
    Saevus  uterque puer, natus uterque dea.
Sed tamen et tauri cervix oneratur aratro,
    Frenaque  magnanimi dente teruntur equi;
Et mihi cedet Amor, quamvis mea vulneret arcu
    Pectora, iactatas excutiatque  faces.
Quo me fixit Amor, quo me violentius ussit,
    Hoc  melior facti vulneris ultor ero: 
Non ego, Phoebe, datas a te mihi mentiar artes,
    Nec nos aëriae voce monemur  avis,
Nec mihi sunt visae Clio Cliusque sorores
    Servanti  pecudes vallibus, Ascra, tuis:
Usus opus movet hoc: vati parete perito;
    Vera  canam: coeptis, mater Amoris, ades!
Este procul, vittae tenues, insigne pudoris,
    Quaeque  tegis medios, instita longa, pedes.
Nos venerem tutam concessaque furta canemus,
    Inque  meo nullum carmine crimen erit. 
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Wer in unserem Volk die Kunst zu lieben nicht kennet,
    Les' und liebe, belehrt durch den gelesenen Sang!
Schnelle Schiffe bewegt die Kunst durch Segel und Ruder;
    Wagen kann man durch Kunst lenken, die Liebe durch Kunst.
Wagen und Zügel verstand Automedon trefflich zu führen;
    Im Gemeint ist das Schiff Argo, das Iason in Haemonien (= Thessalien) hatte erbauen lassen. hämonischen Schiff leitete Tiphys die Fahrt;
Venus bestimmte mich dem zärtlichen Amor zum Meister.
    Amors Automedon und Tiphys benenne man mich!
Wild zwar ist er und wird sich oftmals gegen mich sträuben,
    Aber ein Knabe; gelenkt wird in dem Alter man leicht.
Vom Phillyriden erlernt Achill als Knabe die Zither,
    Und sein wildes Gemüt zähmte die friedliche Kunst.
Ihm, der die Feinde so oft, so oft die Gefährten erschreckte,
    Machte, so meldet die Mär, Furcht ein bejahreter Greis.
Hände, die Hektor einst empfinden sollte, die bot er
    Willig den Schlägen dar, wenn es der Lehrer befahl.
Chiron war des Achill, ich bin der Lehrer des Amor.
    Beide Knaben sind wild, Göttinnen beid' auch entsprosst.
Aber es wird auch der Nacken des Stiers mit dem Pfluge belastet,
    Und von dem edelen Ross werden die Zügel zerkaut.
Amor weichet auch mir, obwohl er die Brust mit dem Bogen
    Mir verwundet und Glut sprühende Fackel er schwingt.
Aber je mehr er mich traf, je heftiger Amor mich quälte,
    Um so besser nur will Rächer der Wunden ich sein.
Phoebus, ich will nicht lügen, dass du mir die Künste verliehen,
    Auch kein Vogel der Luft gibt durch die Stimme mir Rat,
auch sind Klio mir nicht und Klios Schwestern erschienen,
    Während in deinem Tal, Askra, ich hütete Vieh.
Übung erschafft dies Werk; gehorcht dem erfahrenen Sänger!
    Wahrhaftig sing ich. Oh, steh, Mutter des Amor, mir bei! –
Zarte Binden, der Scham Kennzeichen, bleibet mir ferne
    Und du Falbel, die lang über die Füße du reichst!
Ich will sichere Lieb' und erlaubtes Buhlen besingen,
    Und ein Verbrechen sei nimmer in meinem Gesang.
II.) 34-40: Disposition zu den Büchern I und II.
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Principio, quod amare velis, reperire  labora,
    Qui nova nunc  primum miles in arma venis.
Proximus huic labor est placitam exorare puellam:
    Tertius, ut longo tempore duret  amor.
Hic modus, haec nostro signabitur area curru:
    Haec erit admissa meta terenda  rota.
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Erstens bemühe du dich, was du lieben möchtest, zu finden,
    Der Du als Krieger zuerst Waffen ergreifest, dir neu!
Dann ist das nächste Bemühn, das erwählete Weib zu erbitten,
    Und das dritte, dass du lange die Liebe dir wahrst.
Dies ist der Gang, dies Feld wird dir mein Wagen bezeichnen,
    Dies Ziel werde von dir eilenden Rades verfolgt.

III.) 41-262: ErsteLernziel: Wie gelingt es, ein Liebchen zu finden!

1.) 41-66: Warum nur in die Ferne schweifen? - Rom bietet dir viele schöne Mädchen





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Dum licet, et loris passim potes ire solutis,
    Elige cui dicas 'tu mihi sola  places.'
Dum tibi non tenues veniet delapsa per auras:
    Quaerenda est oculis apta puella  tuis.
Scit bene venator, cervis ubi retia tendat,
    Scit  bene, qua frendens valle moretur aper;
Aucupibus noti frutices; qui sustinet hamos,
    Novit  quae multo pisce natentur aquae:
Tu quoque, materiam longo qui quaeris amori,
    Ante  frequens quo sit disce puella loco.
Non ego quaerentem vento dare vela iubebo,
    Nec  tibi, ut invenias, longa terenda via est. 
Andromedan Perseus nigris portarit ab Indis,
    Raptaque  sit Phrygio Graia puella viro,
Tot tibi tamque dabit formosas Roma puellas,
    'Haec  habet' ut dicas 'quicquid in orbe fuit.'
Gargara quot segetes, quot habet Methymna racemos,
    Aequore quot pisces, fronde  teguntur aves,
Quot caelum stellas, tot habet tua Roma puellas:
    Mater in Aeneae constitit urbe  sui.
Seu caperis primis et adhuc crescentibus annis,
    Ante oculos veniet vera puella  tuos:
Sive cupis iuvenem, iuvenes tibi mille placebunt.
    Cogeris voti nescius esse tui:
Seu te forte iuvat sera et sapientior aetas,
    Hoc  quoque, crede mihi, plenius agmen erit.




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Während umher noch schweifen du kannst mit gelöseten Zügeln,
    Wähle dir die, der du sagst: "Du nur gefällst mir allein."
Nicht aus der heiteren Luft hernieder wird sie dir fallen;
    Suchen mit Augen musst du das dir passende Weib.
Jäger wissen es wohl, wo den Hirschen Netze sie spannen,
    Wissen es, welches Tal knirschende Keiler verbirgt;
Vogler kennen den Busch; wer Beute sucht mit der Angel,
    Ist mit dem Wasser, das viel Fische durchschwimmen, bekannt.
Du auch, der du den Stoff zu langer Liebe dir suchest,
    Lerne die Orte vorher kennen, von Frauen belebt!
Nicht verlang ich von dir, der du suchst, das Meer zu durchsegeln,
    Noch des weiteren Wegs, um sie zu finden, bedarfs.
Mag von den Indern her die Andromeda Perseus geholet,
    Und ein Phryger entführt haben ein griechisches Weib,
Roma wird dir so viel und so schöne Mädchen gewähren,
    Dass du sagest: "Es hat, was nur auf Erden es gab."
So viel Gargara Korn gewinnt und Trauben Methymna,
    So viel Fische das Meer birgt und Vögel das Laub,
So viel Stern' am Himmel, so viel hat Mädchen dein Roma;
    Ihres Äneas Stadt wählte die Mutter zum Sitz.
Möge die erste, noch nicht erwachsene Jugend dich fesseln,
    Junge Mädchen erschau'n wirst du, die wirklich sind;
Lockt die Erblühete dich, der Erblüheten findest du tausend,
    Dass nicht wissen du wirst, welche du wünschen dir sollst;
Oder ein spätes vielleicht und klügeres Alter gefällt dir,
    Glaub's mir, auch dieser Schwarm wird ein noch vollerer sein.
2.) 67-74: Meid' auch den Portikus nicht!



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Tu modo Pompeia lentus spatiare sub umbra,
    Cum sol Herculei terga leonis  adit:
Aut ubi muneribus nati sua munera mater
    Addidit,  externo marmore dives opus.
Nec tibi vitetur quae, priscis sparsa tabellis,
    Porticus auctoris Livia nomen  habet:
Quaque parare necem miseris patruelibus ausae
    Belides et stricto stat ferus  ense pater.



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Wandele langsam nur einher im pompejischen Schatten,
    Wenn des herkulischen Leun Rücken die Sonne sich naht,
Oder wo ihr Geschenk zu des Sohnes Geschenken die Mutter
    Fügte, das Werk, das reich Marmor der Fremde geschmückt.
Meid' auch den Portikus nicht, der, bestreut mit alten Gemälden,
    Seiner Erbauerin, Livias, Namen erhielt;
Noch, wo sie, die gewagt, des Oheims Söhne zu töten,
    Danaus' Töchter, und er steht mit gezücketem Schwert.
3.) 75-76: Adonisfest und Sabbatfest
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Nec te praetereat Veneri ploratus Adonis,
    Cultaque Iudaeo septima sacra  Syro.
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Auch darf nicht dir Adonis, beweint von der Venus, entgehen
    Oder das Sabbatfest, das die Judäer begehn.
4.) 77-88: Auch auf den Märkten treibt Amor sein Wesen



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Nec fuge linigerae Memphitica templa  iuvencae:
    Multas illa  facit, quod fuit ipsa Iovi.
Et fora conveniunt (quis credere possit?) amori:
    Flammaque in arguto saepe reperta  foro:
Subdita qua Veneris facto de marmore templo
    Appias  expressis aëra pulsat aquis,
Illo saepe loco capitur consultus Amori,
    Quique  aliis cavit, non cavet ipse sibi:
Illo saepe loco desunt sua verba diserto,
    Resque  novae veniunt, causaque agenda sua est.
Hunc Venus e templis, quae sunt confinia, ridet:
    Qui modo patronus, nunc cupit  esse cliens.



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Flieh auch der memphischen Kuh, der linnentragenden, Haus nicht;
    Viele macht sie zu dem, was sie dem Jupiter war.
Auch die Märkte sogar – wer dächte das? – dienen dem Amor;
    Und auf dem schwirrenden Markt findet sein Feuer man oft.
Wo sich die Appias fügt an den Marmortempel der Venus
    Und in die Luft empor treibet die springende Flut,
Dort wird häufig berückt der Rechtserfahrne von Amor,
    Und der andre beriet, selber berät er sich nicht;
An dem Orte gebrichts dem Beredten häufig an Worten,
    Neues kommt ihm, er muss führen den eignen Prozess.
Ihn verlacht aus den Tempeln, den nahe gelegenen, Venus.
    Der ein Patron erst war, wünscht ein Klient nun zu sein.
5.) 89-134: Besonders geh auf die Jagd im Theater!

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Sed tu praecipue curvis venare theatris:
    Haec loca sunt voto fertiliora  tuo.
Illic invenies quod ames, quod ludere possis,
    Quodque semel tangas, quodque  tenere velis.
Ut redit itque frequens longum formica per agmen,
    Granifero solitum cum vehit  ore cibum,
Aut ut apes saltusque suos et olentia nactae
    Pascua  per flores et thyma summa volant,
Sic ruit ad celebres cultissima femina ludos:
    Copia iudicium saepe morata  meum est.
Spectatum veniunt, veniunt spectentur ut ipsae:
    Ille locus casti damna pudoris  habet. 
Primus sollicitos fecisti, Romule, ludos,
    Cum  iuvit viduos rapta Sabina viros. 
Tunc neque marmoreo pendebant vela theatro,
    Nec  fuerant liquido pulpita rubra croco;
Illic quas tulerant nemorosa Palatia, frondes
    Simpliciter positae, scena sine  arte fuit;
In gradibus sedit populus de caespite factis,
    Qualibet hirsutas fronde tegente  comas.
Respiciunt, oculisque notant sibi quisque puellam
    Quam velit, et tacito pectore  multa movent.
Dumque, rudem praebente modum tibicine Tusco,
    Ludius aequatam ter pede pulsat  humum,
In medio plausu (plausus tunc arte carebant)
    Rex  populo praedae signa petita dedit.
Protinus exiliunt, animum clamore fatentes,
    Virginibus  cupidas iniciuntque manus.
Ut fugiunt aquilas, timidissima turba, columbae,
    Ut fugit invisos agna novella  lupos:
Sic illae timuere viros sine more ruentes;
    Constitit  in nulla qui fuit ante color.
Nam timor unus erat, facies non una timoris:
    Pars  laniat crines, pars sine mente sedet;
Altera maesta silet, frustra vocat altera matrem:
    Haec queritur, stupet haec;  haec manet, illa fugit;
Ducuntur raptae, genialis praeda, puellae,
    Et  potuit multas ipse decere timor.
Siqua repugnarat nimium comitemque negabat,
    Sublatam  cupido vir tulit ipse sinu,
Atque ita 'quid teneros lacrimis corrumpis ocellos?
    Quod matri pater est, hoc tibi'  dixit 'ero.'
Romule, militibus scisti dare commoda solus:
    Haec  mihi si dederis commoda, miles ero.
Scilicet ex illo sollemnia more theatra
    Nunc  quoque formosis insidiosa manent. 

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Aber besonders geh auf die Jagd in den runden Theatern;
    Reicher befriediget sehn wird sich in diesen dein Wunsch.
Dorten findest du das, was du liebst, was zum Spiele dir dienet,
    Und was du einmal nimmst und was behalten du willst.
So wie in langem Zug Ameisen gehn und zurückgehn,
    Wenn sie körnerbeschwert tragen im Munde die Kost,
Oder wie Bienen, gelangt in den Wald und zur duftenden Weide,
    Ãœber Blumen dahin fliegen und Thymianflor:
Also stürzen zum Spiel die geschmücktesten Frauen in Fülle.
    Oft war schwierig die Wahl mir durch die Menge gemacht.
Um zu schauen erscheint, um geschaut zu werden, erscheint man.
    Große Gefahren gibt's hier für die züchtige Scham.
Du erst, Romulus, hast unruhige Spiele veranlasst,
    Als der Sabinerin Raub ledigen Männern gefiel.
Damals gab's Schutzdecken noch nicht im Marmortheater,
    Und rot hatte noch nicht Safran die Bretter besprengt.
Einfach wurde das Laub von Palatiums waldigem Hügel
    Aufgestellet, die Kunst zierte die Bühne noch nicht.
Und auf Stufen, gemacht aus Rasen, setzte das Volk sich,
    Während beliebiges Laub deckte das struppige Haar.
Jeglicher blickt umher und merkt mit den Augen die Maid sich,
    Die er begehrt, und erregt ist ihm die schweigende Brust.
Und als zur rohen Musik des tuskischen Flötners der Spieler
    Dreimal stampft mit dem Fuß auf den geebneten Grund,
Gab, indes man klatscht, – das Geklatsch entbehrte der Kunst noch –
    Zeichen der König dem Volk, los auf die Beute zu gehn.
Flugs nun springen sie auf, durch Geschrei kundgebend den Eifer,
    Und an der Jungfraun Schar legen sie gierig die Hand.
Wie vor den Adlern fliehn die ängstlichen Schwärme der Tauben
    Und wie das junge Lamm flieht, wenn es Wölfe gesehen,
Also fürchteten sie die wild losstürzenden Männer.
    Ihre Farbe behielt keine, wie früher sie war.
Denn war eine die Furcht, so war nicht eine der Furcht Art.
    Sinnlos sitzet ein Teil; einer zerraufet das Haar,
Diese schweiget betrübt; umsonst ruft jene die Mutter;
    Die klagt; die flieht; die bleibet; betäubet ist die.
Aber man führt die Geraubten davon als festliche Beute,
    Und es vermochte sogar viele zu zieren die Furcht.
Sträubte sich eine zu sehr und versagete sich dem Begleiter,
    Hob er sie auf und trug sie an der lüsternen Brust;
"Was verdirbst du dir nur die zärtlichen Augen durch Tränen?"
    Sprach er, "ich werde dir sein, was dein Papa der Mama."
Romulus, du nur verstandest, Belohnung Kriegern zu geben!
    Gäbst du mir diesen Lohn, würd' ich ein Krieger sogleich.
Nach der Sitte gewiss sind unsere festlichen Bühnen
    Für die Schönen auch jetzt noch mit Gefahren verknüpft. –
6.) 135-164: Empfehlungen für den Circus
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Nec te nobilium fugiat certamen equorum;
    Multa capax populi commoda Circus  habet.
Nil opus est digitis, per quos arcana loquaris,
    Nec tibi per nutus accipienda  nota est:
Proximus a domina, nullo prohibente, sedeto,
    Iunge  tuum lateri qua potes usque latus;
Et bene, quod cogit, si nolis, linea iungi,
    Quod  tibi tangenda est lege puella loci.
Hic tibi quaeratur socii sermonis origo,
    Et  moveant primos publica verba sonos.
Cuius equi veniant, facito, studiose, requiras:
    Nec mora, quisquis erit, cui  favet illa, fave.
At cum pompa frequens caelestibus ibit eburnis,
    Tu Veneri dominae plaude favente  manu;
Utque fit, in gremium pulvis si forte puellae
    Deciderit, digitis excutiendus  erit:
Etsi nullus erit pulvis, tamen excute nullum:
    Quaelibet officio causa sit  apta tuo.
Pallia si terra nimium demissa iacebunt,
    Collige,  et inmunda sedulus effer humo;
Protinus, officii pretium, patiente puella
    Contingent  oculis crura videnda tuis.
Respice praeterea, post vos quicumque sedebit,
    Ne premat opposito mollia terga  genu.
Parva leves capiunt animos: fuit utile multis
    Pulvinum facili composuisse  manu.
Profuit et tenui ventos movisse tabella,
    Et  cava sub tenerum scamna dedisse pedem.
Hos aditus Circusque novo praebebit amori,
    Sparsaque  sollicito tristis harena foro.
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Auch entgehe dir nicht der Kampf der edelen Rasse.
    Vorteil bietet der Volk fassende Zirkus dir viel.
Weder der Finger bedarf's, durch die du Heimliches sprächest,
    Weder der Winke, wodurch Zeichen erhalten du müsst'st;
Sitze der Herrin zunächst, da niemand dir es verwehret,
    Deine Seite verein' ihrer, so nahe du kannst.
Gut ist's, dass dich dazu, wenn du auch nicht wolltest, der Sitz zwingt,
    Dass du berühren sie musst nach den Gesetzen des Orts.
Hier nun suche dir Grund zu gemeinschaftlichem Gespräche
    Und beginne dein Wort mit dem Gewöhnlichen erst!
Eifrig erkundige dich danach, wes Rosse da kommen;
    Und sei jedem, dem sie günstig ist, günstig sofort!
Doch wenn der mächtige Zug mit den kämpfenden Jünglingen kommet,
    Klatsche der Venus Du als der Begünstigten zu!
Und wenn, wie es geschieht, in den Schoß des Mädchens durch Zufall
    Staub fällt, schüttele du ihn mit den Fingern hinweg!
Aber wenn auch kein Staub da wäre, schüttel' ihn doch ab;
    Halte für deinen Dienst jeglichen Grund für geschickt!
Hängt ihr Obergewand zu tief herab auf den Boden,
    Fass es und sorgsam heb's auf von der Erd' aus dem Schmutz!
Flugs wird, ohne dass sie es dir wehrt, als des Dienstes Belohnung
    Deinen Augen beschert werden, die Beine zu seh'n.
Siehe sodann dich auch um, wer etwa hinter euch sitzet,
    Dass ihr geschmeidiges Kreuz nicht mit den Knien er drückt!
Kleines gewinnt ihr leichtes Gemüt. Es frommete manchem,
    Dass er das Polster zurecht legte mit williger Hand.
Auch war's nützlich, ihr Luft mit der dünnen Tafel zu fächeln
    Und dem zierlichen Fuß unterzuschieben die Bank.
Diese Gelegenheit gibt neuer Liebe der Zirkus
    Und der den lärmenden Platz deckende traurige Sand.
7.) 165-170: Doppelte Verwundung bei den Gladiatorenspielen
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Illa saepe puer Veneris pugnavit harena,
    Et qui spectavit vulnera, vulnus  habet.
Dum loquitur tangitque manum poscitque libellum
    Et quaerit posito pignore, vincat  uter,
Saucius ingemuit telumque volatile sensit,
    Et  pars spectati muneris ipse fuit. 
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Auf dem Sande hat oft der Sohn der Venus gekämpfet,
    Und wer Wunden geschaut, wird ein Verwundeter selbst.
Während er spricht und die Hand berührt und fordert das Büchlein,
    Wetten schließend, und sinnt, welcher von beiden wohl siegt,
Seufzt als Verwundeter er und fühlt den geflügelten Pfeil schon,
    Und des geschauten Spiels ward er nun selber ein Teil. –
8.) 171-176: Naumachie des Kaisers Augustus
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Quid, modo cum belli navalis imagine Caesar
    Persidas induxit Cecropiasque rates?
Nempe ab utroque mari iuvenes, ab utroque puellae
    Venere, atque ingens orbis in Urbe fuit.
Quis non invenit turba, quod amaret, in illa?
    Eheu, quam multos advena torsit amor!
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Wie, als jüngst als ein Bild des Gefechts zu Schiffe der Kaiser
    Persische Schiffe das Volk schau'n und kekropische ließ?
Kamen doch Jünglinge her von beiden Meeren und Mädchen,
    Und in der Hauptstadt war, was da die Erde bewohnt.
Wer hat nicht, was er lieb', in jenen Scharen gefunden?
    Ach, wie so viele hat Liebe zu Fremden gequält!
9.) 177-228: Triumph des Gaius Caesar über die Parther
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Ecce, parat Caesar domito quod defuit orbi
    Addere: nunc, oriens ultime, noster eris.
Parthe, dabis poenas: Crassi gaudete sepulti,
    Signaque barbaricas non bene passa manus.
Ultor adest, primisque ducem profitetur in annis,
    Bellaque non puero tractat agenda puer.
Parcite natales timidi numerare deorum:
    Caesaribus virtus contigit ante diem.
Ingenium caeleste suis velocius annis
    Surgit, et ignavae fert male damna morae.
Parvus erat, manibusque duos Tirynthius angues
    Pressit, et in cunis iam Iove dignus erat.
Nunc quoque qui puer es, quantus tum, Bacche, fuisti,
    Cum timuit thyrsos India victa tuos?
Auspiciis annisque patris, puer, arma movebis,
    Et vinces annis auspiciisque patris:
Tale rudimentum tanto sub nomine debes,
    Nunc iuvenum princeps, deinde future senum;
Cum tibi sint fratres, fratres ulciscere laesos:
    Cumque pater tibi sit, iura tuere patris.
Induit arma tibi genitor patriaeque tuusque:
    Hostis ab invito regna parente rapit;
Tu pia tela feres, sceleratas ille sagittas:
    Stabit pro signis iusque piumque tuis.
Vincuntur causa Parthi: vincantur et armis;
    Eoas Latio dux meus addat opes.
Marsque pater Caesarque pater, date numen eunti:
    Nam deus e vobis alter es, alter eris.
Auguror, en, vinces; votivaque carmina reddam,
    Et magno nobis ore sonandus eris.
Consistes, aciemque meis hortabere verbis;
    O desint animis ne mea verba tuis!
Tergaque Parthorum Romanaque pectora dicam,
    Telaque, ab averso quae iacit hostis equo.
Qui fugis ut vincas, quid victo, Parthe, relinquis?
    Parthe, malum iam nunc Mars tuus omen habet.
Ergo erit illa dies, qua tu, pulcherrime rerum,
    Quattuor in niveis aureus ibis equis.
Ibunt ante duces onerati colla catenis,
    Ne possint tuti, qua prius, esse fuga.
Spectabunt laeti iuvenes mixtaeque puellae,
    Diffundetque animos omnibus ista dies.
Atque aliqua ex illis cum regum nomina quaeret,
    Quae loca, qui montes, quaeve ferantur aquae,
Omnia responde, nec tantum siqua rogabit;
    Et quae nescieris, ut bene nota refer.
Hic est Euphrates, praecinctus harundine frontem:
    Cui coma dependet caerula, Tigris erit.
Hos facito Armenios; haec est Danaëia Persis:
    Urbs in Achaemeniis vallibus ista fuit.
Ille vel ille, duces; et erunt quae nomina dicas,
    Si poteris, vere, si minus, apta tamen.

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Siehe, der Kaiser will zur gebändigten Erde, was fehlet,
    Fügen; der unsere nun wirst, äußerster Osten, du sein.
Parther, die Strafe kommt; freut euch, begrabene Crassen,
    Und ihr Banner, die ihr wichet barbarischer Hand.
Da ist der Rächer und zeigt in den ersten Jahren den Führer,
    Und er, ein Knabe noch, führt Kriege, den Knaben verwehrt.
Sparet es, ängstlich den Tag der Geburt von Göttern zu zählen;
    Tapferkeit vor der Zeit ward den Caesaren zuteil.
Schneller, als seine Jahr', erhebt ein himmlischer Geist sich,
    Und er erträgt nicht wohl trägen Verzuges Verlust.
Mit den Händen zerdrückt' als Kind zwei Schlangen Alkides,
    Und in der Wiege bereits war er des Jupiter wert.
Der du ein Knabe noch jetzt, wie groß warst, Bacchus, du damals,
    Als vor dem Thyrsus erbebt' Indien, das du besiegt?
Mit des Vaters Gewalt und Mut wirst, Knabe, du fechten,
    Sieger auch sein mit dem Mut und mit des Vaters Gewalt.
Solche Bewährung bist so großen Namen du schuldig,
    Erster der Jünglinge jetzt, erster der Greise dereinst.
Da du die Brüder hast, so räch' die verletzeten Brüder,
    Und da den Vater du hast, schütze den Vater im Recht.
Waffen verleihet dir dein und des Vaterlandes Erzeuger;
    Wider Willen entreißt Reiche dem Vater der Feind.
Du trag' ehrlich Geschoss, verfluchete Pfeile der Gegner;
    Recht und Gerechtigkeit nehmen dein Banner in Schutz!
Werde der Parther, wie schon durch dein Recht, auch durch Waffen besieget!
    Füge mein Führer zu Roms Schätzen eoische noch!
Schützet ihn, Vater Mars und Vater Kaiser, beim Gange;
    Ist doch der eine von euch Gott und der andere wird's.
Sieh, ich verkünde dir Sieg; und singen werd' ich die Lieder,
    Die ich gelobet, und hehr wird dir ertönen mein Mund.
Du wirst steh'n vor dem Heer und mit meinen Worten begeistern:
    Oh, dass für deinen Mut nimmer mir fehle das Wort!
Rücken der Parther will und die Brust der Römer ich singen
    Und das Geschoss, das der Feind wirft vom gewendeten Ross.
Der, um zu siegen, du fliehst, was bleibt als Besiegtem dir übrig?
    Parther, es hat schon jetzt übele Zeichen dein Mars.
Drum wird kommen der Tag, an dem du, schönstes der Wesen,
    Mit vier Rossen, wie Schnee leuchtend, ein goldener, fährst.
Vorn dann gehen, den Hals beschwert mit Ketten, die Führer,
    Dass nicht sicher sie sein können der Flucht, wie zuvor.
Jünglinge werden erfreut dies schau'n, mit Mädchen gemischet,
    Und es wird dieser Tag allen erheitern das Herz.
Und wenn eine der Schar nach der Könige Namen dich fraget,
    Was für Orte, für Berg' oder für Wässer man trägt,
Gib auf alles Bescheid; und nicht nur, wenn sie dich fraget,
    Meld' auch das, was du nicht wüsstest, als wohl dir bekannt!
Nenne den Euphrat den, der die Stirn umgürtet mit Schilf hat,
    Diesen den Tigris, dem blau hängen die Haare herab;
Seien Armenier die; das ist das danaische Persis;
    Jenes ist eine Stadt im achämenischen Tal.
Dieser und der die Führer – du hast nur Namen zu nennen,
    Kannst Du, wahre, wo nicht, passende wenigstens doch. –
10.) 229-252: Die Tafel des Gastmahls

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Dant etiam positis aditum convivia mensis:
    Est aliquid praeter vina, quod inde petas.
Saepe illic positi teneris adducta lacertis
    Purpureus Bacchi cornua pressit Amor:
Vinaque cum bibulas sparsere Cupidinis alas,
    Permanet et capto stat gravis ille loco.
Ille quidem pennas velociter excutit udas:
    Sed tamen et spargi pectus amore nocet.
Vina parant animos faciuntque caloribus aptos:
    Cura fugit multo diluiturque mero.
Tunc veniunt risus, tum pauper cornua sumit,
    Tum dolor et curae rugaque frontis abit.
Tunc aperit mentes aevo rarissima nostro
    Simplicitas, artes excutiente deo.
Illic saepe animos iuvenum rapuere puellae,
    Et Venus in vinis ignis in igne fuit.
Hic tu fallaci nimium ne crede lucernae:
    Iudicio formae noxque merumque nocent.
Luce deas caeloque Paris spectavit aperto,
    Cum dixit Veneri 'vincis utramque, Venus.'
Nocte latent mendae, vitioque ignoscitur omni,
    Horaque formosam quamlibet illa facit.
Consule de gemmis, de tincta murice lana,
    Consule de facie corporibusque diem.

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Eine Gelegenheit gibt auch die Tafel des Gastmahls;
    Dort gibt's außer dem Wein etwas zu suchen für dich.
Amor, der purpurne, hat des dort verweilenden Bacchus
    Hörner mit zärtlichem Arm häufig gefasst und gedrückt;
Und besprengete Wein des Cupido durstige Flügel,
    Bleibet er und stehet fest auf dem genommenen Platz.
Freilich schüttelt er schnell sich ab die triefend Schwingen,
    Doch es gefährdet, wenn Lieb' auch nur besprenget die Brust.
Wein bereitet den Geist und macht für die Glut ihn empfänglich;
    Sorgen werden verscheucht oder vermindert durch Wein.
Dann kommt Lachen, es fasst dann Mut sich wieder der Arme,
    Dann verschwinden der Schmerz, Sorgen und Falten der Stirn.
Dann eröffnet das Herz Aufrichtigkeit, die so selt'ne
    Unserer Zeit, denn der Gott scheuchet die Ränke hinweg.
Dort ward Jünglingen oft ihr Herz von den Mädchen geraubet,
    Und Cythereia war Feuer in Feuer beim Wein.
Aber vertraue zu sehr hier nicht der trügenden Lampe;
    Richtigem Urteil ist schädlich die Nacht und der Wein.
Paris beschaute bei Tag und im Freien der Göttinnen Reize,
    Als er zur Venus sprach: "Beide besiegetest du."
Nachts sind Fehler versteckt, und kein Gebrechen erkennt man,
    Diese Stunde verschönt jede, wie immer sie sei.
Über Gemmen befrag' und purpurfarbige Wolle,
    Ãœber das Antlitz frag', über den Körper den Tag! –
11.) 253-258: Baiae und seine Schwefelquellen


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Quid tibi femineos coetus venatibus aptos
    Enumerem? numero cedet harena meo.
Quid referam Baias, praetextaque litora velis,
    Et quae de calido sulpure fumat aqua?
Hinc aliquis vulnus referens in pectore dixit
    'Non haec, ut fama est, unda salubris erat.'


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Wozu zählt' ich dir her die Versammlungsorte der Frauen,
    Passend zur Jagd? Nicht zählt Körner so viele der Sand.
Was soll Baiae ich dir und den Strand mit Segeln umsäumet,
    Nennen den Quell auch, der warm schweflige Dünste verhaucht?
Mancher sprach, der von hier in der Brust die Wunde zurücktrug:
    "Heilsam war, wie der Ruf saget, das Wasser mir nicht." –
12.) 259-262: Im Hain der Diana

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Ecce suburbanae templum nemorale Dianae
    Partaque per gladios regna nocente manu:
Illa, quod est virgo, quod tela Cupidinis odit,
    Multa dedit populo vulnera, multa dabit.

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Siehe nahe der Stadt der Diana waldigen Tempel
    Und das durch Kampf mit dem Schwert blutig erworbener Reich!
Weil sie Jungfrau ist, weil Amors Pfeile sie hasset,
    Gab sie und wird noch viel Wunden sie geben dem Volk. –
13.) 263-266: Überleitung zum zweiten Teil


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Hactenus, unde legas quod ames, ubi retia ponas,
    Praecipit imparibus vecta Thalea rotis.
Nunc tibi, quae placuit, quas sit capienda per artes,
    Dicere praecipuae molior artis opus.


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Wo die Geliebte du suchst, wo das Netz du spannest, das lehrte,
    Mit ungleichem Rad fahrend, Thalia bisher.
Jetzt gedenk' ich das Werk der besonderen Kunst dir zu singen,
    Durch was für Künste du sie, die dir gefallen, gewinnst.

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